Stollen für bedürftige Familien

Dem Weihnachtsfest ohne Sorgen entgegensehen können nicht alle Menschen im Vogtland. Es gibt Vogtländer, mit denen es das Schicksal keineswegs gut gemeint hat. Wünsche ihrer Kinder können nur mit Hilfe herzensguter Nachbarn erfüllt werden.

Plauen - Zu diesen Nachbarn, denen Nächstenliebe eine Herzensangelegenheit ist, gehört auch der Plauener Bäckermeister Torsten Aust. Von Anfang an und damit bereits zum 18. Mal unterstützt er die Gemeinschaftsaktion von Sparkasse, Vogtland-Anzeiger und der Liga der Wohlfahrtsverbände "Hilfe für Nachbarn". Und auch in diesem Jahr hat er ein gutes Dutzend Stollen überreicht, damit auch bedürftige Familien zum Fest auf das Weihnachtsgebäck nicht verzichten müssen. "Es braucht keiner großen Worte - ich gebe gerne etwas für die Präsentkörbe", sagt der 43-Jährige: "Ich helfe, weil es uns relativ gut geht. Und solange es uns noch gut geht, wie gesund und munter sind, bin ich gerne bereit, etwas abzugeben und zu teilen mit jenen, denen es nicht so gut geht, egal wo sie herkommen und wie sie heißen."
 

Seit Mitte Oktober ist Stollenzeit. "Da es bis weit in den Herbst noch sommerlich warm war, hatte noch keiner an Weihnachten gedacht. Das passierte erst schlagartig am 1. Advent, als mit einem Mal alle vorgebackenen Stollen ausverkauft waren. Seitdem backen wir ständig nach, um Tag für Tag die Kundenwünsche zu erfüllen", erzählt Torsten Aust und auch, dass die Vogtländische Stollenprüfung im November eine der besten in der gesamten Bundesrepublik war. "48 Stollen wurden von den hiesigen Bäckern zur Bewertung abgegeben, 36 Stollen bekamen das Prädikat 'Sehr gut'. Das ist ein außergewöhnlich gutes Ergebnis. Das schaffen sie nicht einmal in der Landeshauptstadt", fügt er kess hinzu. Buttermandel-, Butterrosinen-, Quark- und Mohnstollen bäckt er. "Für einen 'Exil-Plauener' habe ich nach einem Rezept seiner Großmutter die Stollen gebacken, weil sein Bäcker in Heidelberg gestorben ist", verrät Torsten Aust und auch, dass er für die Wirtsleute der Plauener Hütte, die auf dem Weihnachtsmarkt am Stand des Deutschen Alpenvereins gebacken habe. "Sie haben Zillertaler Burger angeboten. Die Brötchen kamen aus unserer Backstube, wurden da nach Zillertaler Rezeptur gebacken." 20 Sorten Brötchen und 10 Sorten Brot gehören ständig zum Sortiment. Dazu kommen neben Kuchen und Torten speziell in der Adventszeit zehn Weihnachtsplätzchen-Varianten.
 

Bis zum Heiligabend - bis 10 Uhr ist geöffnet - kann jeder sich noch einen Weihnachtsstollen kaufen, auch wenn der Bäcker eigentlich rät, den Stollen mindestens eine Woche vor dem Anschnitt liegen zu lassen. "Wir verkaufen bis Mitte Januar noch Stollen", verrät er obendrein.
 Weihnachten werde ganz in Familie gefeiert und für Niclas (12) und Eliese (9) liegt gewiss was unterm Tannenbaum. "Nach jetzt täglich 12 Stunden Arbeit bin ich froh über ein bisschen Erholung und Zeit für die Familien. Immerhin geht es ja am zweiten Feiertag für mich schon wieder los. Da muss ich den Sauerteig ansetzen, um am Donnerstag frisches Brot zu haben", erzählt der Bäcker mit Herz.    M. T.