Stimme gegen "Terror der Ökonomie"

Mannheim/Reichenbach - Schneidig-einprägsam Edo Zanki heißt der bekannte Musiker, Sänger und Liedschreiber aus Mannheim. Der 59-jährige Soulbarde steht seit über 40 Jahren auf der Bühne und kommt heute mit seiner Band zum dritten Mal ins Vogtland, nach Reichenbach.

 

Am Telefon wirkt seine Stimme wie ein wohlmeinendes Beruhigungs- und zugleich Aufmunterungsmittel. Sonor klingt sie, fein abgestimmt in der Betonung geraten seine Sätze, die ohne "Äh" und peinliche Verhaspelungen verbunden werden und deutlich machen, was der Edo Zanki denkt und fühlt. Heute gastiert der Mann mit breiter Brille, grauem Bart und immer noch nicht gekürztem Haar mit seinem aktuellen Programm "Hautnah" im Neuberinhaus, weil die Band und er ein neues Album seit zwei Jahren fertig hat, aber nun erneut "neu" herausbringen wird. "Es wird "Zuviele Engel" heißen", so Zanki.

Aber wie kam das mit Universal zustande, für einen, der gerade nicht Nummer 1 im Showbuisiness ist? "Nach meiner Tätigkeit mit Reinhard Fendrich kam eine der letzten großen Plattenfirmen Universal zu mir und wollte auch mein Album neu bringen. Denen hat mein Stil gefallen und meine Musik. Jetzt nimmt die große Maschinerie Fahrt auf und am 8. April ist die Scheibe dann endlich raus", erzählt Zanki. Nach drei Werken binnen dreier Jahre sei dies ein feines Ergebnis, weil heutzutage die großen Firmen von anderen Vertriebsformen abgelöst würden.

Darüber hinaus bleibt Zanki Livemusiker und einer, der etwas zu sagen hat, und zwar auf Deutsch. "Mit der Muttersprache spürte ich schon zu Anfang meines Schaffens, dass die Menschen das verstehen, dass der Kontakt zum Publikum inniger und reicher wird." Zu erleben, wie es ist, mit Worten und den ausgesprochenen Gedanken auf feiner souliger Musik Denken, Träumen und Diskussion auszulösen, bietet Zanki und seine Kollegen eben mit der Muttersprache bestens Gelegenheit. Sie wollen in Reichenbach ein Konzert spielen, das Raum für viel Musik, aber auch Sprache, Anekdoten und Texte geben wird. Persönliche Begebenheiten, die Liebe mit lyrischer Umschreibung, satten Worten, dicken Verben.

"Terror der Ökonomie", nennt der Künstler und Bürger die gesellschaftlich vorherrschende Praxis, die ein entspanntes, nachhaltiges, anderes Leben schwer realisierbar mache, findet er. "Was wäre so schrecklich, wenn wir zusammen einen anderen Reichtum als erstrebenswert finden würden, wir wissen doch um die Brisanz der Ressourcen, um die Gier, um diese Hektik, in der wir wie im Laufrad strampeln?"

Über die Musik an sich macht er sich keine Sorgen, um die Musiker schon, vor allem um die jungen. "Es wird schwieriger, immer mehr Musikern bieten sich immer weniger Gelegenheiten aufzutreten", registriert er. Klar, das Internet sei ein wundervoller Platz, um umfassend und ausschweifend seine Kunst zu veröffentlichen und ins Blickfeld zu geraten. Doch man verkaufe sich mittlerweile auch sehr unter Wert. "Manch junge Band wird zu schlecht bezahlt, ihr Idealismus ausgenutzt", denkt Zanki.

Umso froher und geehrt fühle sich der alte Herr, meint er mit einem Lächeln in der Stimme, dass er mit einer Band auftreten darf, deren Mitglieder alle sehr jung sind und die echt mit ihm zusammenspielen wollen. "Der Mut ist bei denen vorhanden trotz allem, das ist stark."

 

Frank Blenz