Stieftochter belastet Angeklagten

Kleiner Paukenschlag im Missbrauchs-Verfahren gegen einen 52-jährigen Plauener: Nachdem sie in der Zeitung vom Verlauf des ersten Verhandlungstages gelesen hatte, meldete sich die Stieftochter (32) des Angeklagten als Zeugin. Am Freitag sagte sie aus.

Seit dem 15. Februar muss sich der Plauener Hanno (52, Namen aller Betroffenen geändert) am Amtsgericht Plauen wegen sexuellen Missbrauchs einer widerstandsunfähigen Person verantworten. Ihm wird vorgeworfen, in einer Nacht im August 2015 in seiner Wohnung im Plauener Stadtteil Haselbrunn die damals 18 Jahre junge Lena-Sophie gegen deren Willen mehrere Minuten lang im Intimbereich berührt zu haben.


Zum Fortsetzungstermin am Freitag erschien neben zwei geladenen Zeugen auch die Stieftochter des Angeklagten. Die heute 32-jährige Frau hatte von dem Verfahren durch die Berichterstattung des Vogtland-Anzeigers in der vergangenen Woche Kenntnis erhalten. "Ich habe den Beitrag am Mittwoch von einem Bekannten zugespielt bekommen. Die letzten zwei Tage habe ich überlegt: Mache ich es oder mache ich es nicht? Aber ich will Gerechtigkeit für dieses Mädel", begründete die Plauenerin, warum sie zum Fortsetzungstermin am Freitag in Begleitung ihres Ehemannes unaufgefordert zum Gericht kam. Konkret zu der zur Verhandlung stehenden Tat konnte sie zwar nichts aussagen. Dennoch belastete sie den Stiefvater schwer: "Vieles, was ich da gelesen habe, hat mich ganz stark an bestimmte Dinge erinnert, die mich selbst betroffen haben."


Ihre Mutter sei seit 1992 mit dem Beschuldigten verheiratet gewesen, gab die Zeugin auf Befragen des Vorsitzenden des Schöffengerichts, Richter Wilhelm Gerhards, und von Staatsanwalt Gernot Güßregen zu Protokoll. "Von welchem Zeitraum sprechen sie da?", erkundigte sich der Anklagevertreter. "Im Alter von 15 Jahren auf jeden Fall. Möglicherweise auch schon davor", lautete die Antwort. Mit den näheren Umständen dieser im aktuellen Verfahren nicht angeklagten Sachverhalte werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit noch einmal Polizei und Staatsanwaltschaft befassen, erklärte der Vorsitzende.


Bereits vor der Aussage der Stieftochter waren zwei andere Zeugen vernommen worden. Die heute in Dresden wohnhafte Carina (34) hatte zur Tatzeit eine kurze, maximal zwei Monate währende Beziehung mit Hanno. Gemeinsam mit ihm und der Geschädigten Lena-Sophie hatte sie den Abend vor der Tatnacht in einer "Rockbar" in Haselbrunn verbracht. Von den sexuellen Übergriffen des Beschuldigten habe sie nichts mitbekommen, weil sie geschlafen habe, bekundete Carina. Im Unterschied zur Geschädigten sagte sie allerdings aus, Hanno habe von Anfang an mit ihnen gemeinsam auf der Couch im Wohnzimmer gelegen. Nur noch dunkel konnte sie sich daran erinnern, von Lena-Sophie später auf die Tat angesprochen worden zu sein. Ein 33-jähriger Polizeibeamter schilderte anschließend im Zeugenstand noch einmal, wie im Herbst 2019 die Personalien des Tatverdächtigen festgestellt wurden. Die Geschädigte hatte Hanno im Kaufland an der Morgenbergstraße wiedererkannt und sofort die Polizei informiert. Sie selbst hatte die Tat erst kurz zuvor zur Anzeige gebracht, als sie gemeinsam mit ihrem Bruder in anderer Sache zu einer Vernehmung geladen war.


Eine weitere Zeugin konnte am Freitag aus gesundheitlichen Gründen nicht am Amtsgericht erscheinen. Die Polizeibeamtin, die seinerzeit die Geschädigte vernommen hatte, soll im Rahmen eines weiteren Fortsetzungstermins am 12. März vernommen werden. sge