Sternwarte mit Gottes Hilfe

In der Kirchgemeinde Burgstein reift ein Projekt, das einmalig ist in Deutschland: Es verbindet Glauben mit Wissenschaft. Die Geschichte über den Plan gehört zu unserem Adventsrätsel, bei dem jeden Tag eine Figur der Drechslerei Kuhnert Rothenkirchen zu gewinnen ist - heute: ein Schneeflöckchen mit Stern.

Weischlitz/Geilsdorf - Am Pfarramt in Geilsdorf soll eine Sternwarte entstehen, gleich am Rüstzeitheim, das die Kirchgemeinde bis 2017 gebaut hat. "Gerade hat der Jugendchor der Lutherkirche Plauen ein Proben-Wochenende hier verbracht", sagt Pfarrer Kirchhoff.
Das Rüstzeitheim sei an Wochenenden gut ausgelastet - unter der Woche gebe es Reserven. "Bei der Diskussion mit einem Astronomielehrer, sind wir auf die Sternwarte gekommen: Der Astronomielehrer ist Bernd Hüttner - und unser Kirchvorsteher. Seine Idee ist, Schulklassen nach Geilsdorf zu holen, die mit dem Fernrohr Himmelsbeobachtungen machen", sagt Pfarrer Kirchhoff, der auch interessante Diskussionen erwartet im Spannungsfeld zwischen Glauben und Naturwissenschaft.
Doch für Schulklassen reichen die bisherigen 24 Plätze im Rüstzeitheim oft nicht aus. "Wir brauchen einen Anbau - unten Wirtschaftsräume, darüber drei Zimmer mit 12 weiteren Betten, oben die Sternwarte und eine kleinen Terrasse, auf der Schüler astronomische Beobachtungen machen, während andere im Inneren der drehbaren Halbkugel arbeiten: Sie beobachten den Himmel mit einem Fernrohr - durch eine Öffnung der Halbkugel."
Nach Kirchhoffs Worten ähneln die Reaktionen auf die Pläne meist folgendem Muster: Der Überraschung ("so etwas gibt es nirgends") folge Zustimmung, die in totale Begeisterung münde. "Mit den Sternen beschäftigen sich mehr Menschen als man gemeinhin denkt." Die Pläne sind Kirchhoff zufolge eine Herausforderung: baurechtlich und -technisch, gestalterisch, inhaltlich - und auch finanziell. "Es geht um eine Größe von 750 000 Euro. Dabei wollen wir behindertengerecht bauen. Wir hoffen, dass der Kommunale Sozialverband (KSV) das Projekt mit 70 Prozent fördert, mit dem wir bereits beim Bau des Rüstzeitheims zusammengearbeitet haben. Wir haben angefangen, Spenden zu sammeln - und sind auf gutem Weg."
Allein die Astro-Technik (ohne die Kuppel) kostet laut Kirchhoff um die 100 000 Euro: Zwei große Teleskope und Schulfernrohre für Beobachtungen auf einer Terrasse.
Nach Angaben des Pfarrers hat die Halbkugel der Sternwarte einen Durchmesser von 5,30 Metern. "Keine Plastekugel: Wir wollen ein Holzgerüst mit Blechen verkleiden - so wie früher die Sternwarten gebaut wurden."
Wert werde darauf gelegt, dass die Schüler viel selbst machen. "Begreifen kommt auch von Greifen - also Anfassen. Sternenbeoachtung per Smartphone wollen wir nicht."
Nach Kirchhoffs Aussage laufen die Bau- und Förderanträge - im besten Fall könnte der Bau im kommenden Frühjahr beginnen. "2020 wollen wir einweihen."
Indessen man auf die Entscheidung der Behörden wartet, drehen die Verantwortlichen der Kirchgemeinde keine Däumchen. "Kirchvorsteher Hüttner versucht eine Interessengruppe zu bilden und Helfer auszubilden, die später die Sternwarte betreuen und Vorträge halten, auch öffentlich - zu astronomischen und theologischen Themen", erklärt Kirchhoff.
Er spricht von vielen Bibelstellen, in denen die Sterne eine Rolle spielen: Etwa in der Verheißung, in der Abraham die Sterne zählen soll, um so zu erfahren, wie viele Nachkommen er haben werde. Oder im Schöpfungsbericht, in dem Gott Himmel, Mond und Sterne schafft. Oder den Stern von Bethlehem, der nach dem Matthäusevangelium Sterndeuter oder Weise zum Geburtsort Jesu Christi geführt hat. Kirchhoff: "Unser interner Arbeitstitel für die Sternwarte lautet ,Der Himmel offen' - was doppelte Bedeutung hat: Der unendliche Himmel, der mit Fernrohren erforscht wird, und der Himmel, der für das Reich Gottes steht für die Ewigkeit, den Glauben." Uwe Faerber