"Sternenlabor ist keine IT-Bude"

Die Mitglieder des Sternenlabor-Vereins haben auf Basis zweier Open Source-Anwendungen Audio- und Videokonferenzwerkzeuge für Schulen und Vereine installiert, deren Verarbeitung auf Servern im Vogtland stattfinden. Datenschutz spielt dabei eine besonders große Rolle.

Von Ingo Eckardt 

Plauen "Eigentlich ist unser Verein eine Plattform, auf der kreative Menschen in Form einer Mitmachwerkstatt sich ausleben können", sagt Vorstandsmitglied Ralf Baumann. In Corona-Zeiten sei aus dem Makerspace eine eher IT-basierte Plattform geworden. Unter dem Titel #WirVsVirus wolle man deshalb für Lehrer und Schüler in Zeiten von Schulschließungen Unterstützung anbieten.
Man habe im März einen so genannten Sternenlabor-Hackathon veranstaltet, um Tools für Audio- und Videokonferenzen zu installieren. "Wir wollten Möglichkeiten schaffen, damit Lehrer und Schüler von zu Hause aus sicher kommunizieren können. Es wurde durch die Stadt Plauen ein Server in der Falkensteiner Firma Hetzner gebucht, auf dem alle Nutzungen der Dienste hinterlegt sind. "Über unseren Server können Schulen kostenlos zwei Open Source-Dienste nutzen - zum einen die Audio-Plattform auf Basis von Mumble und die Videochat-Plattform Jitsi, auf der sich Schüler und Lehrer ohne Registrierung schnell in virtuellen Lernräumen treffen können. Unter dem Link videochat.sternenlabor.de kann man diese Möglichkeit kostenfrei nutzen", sagt Baumann, der auch erzählt, dass die Lehrer des Lessing-Gymnasiums die Möglichkeit ausgiebig getestet und nutzen es mit ihren Schülern.
Auch andere Schulen würden die Möglichkeiten bereits verstärkt nutzen. Die Datenraten seien in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen, erklärt der IT-Experte des Sternenlabors. "Mit der Software ist es nicht nur möglich sich gegenseitig zu sehen, sondern auch per Screenshare Dokumente zu präsentieren und sich gegenseitig zu helfen. Unterstützung haben wir vom IT-Koordinator der Stadt Plauen, Nick Grimm, erhalten. Neben konkretem fachlichem Input werden durch die Stadt die Kosten für den Root-Server von Hetzner übernommen", freut sich Ralf Baumann. Man hoffe, dass viele Schulen, aber auch gern Vereine und andere gemeinnützige Institutionen, die kostenfreie Austauschmöglichkeit nutzen.
"Da liegen die Daten der Nutzer eben nicht irgendwo auf einem Server in den USA, sondern hier vor Ort. Das macht den entscheidenden Unterschied. Gerade bei Schulen gibt es mittlerweile sehr verschiedene Plattformen, die genutzt werden. In Sachsen beispielsweise fokussiert man sich auf LernSax, was stetig weiter entwickelt wird, es gibt aber auch mittlerweile die bundesweit angelegte HPI Schule-Cloud zum Austausch von Lernmaterialien und einen Schul-Ableger der auf Studium abgestellten Opal-Software", so Baumann, der erwartet, dass die Corona-Krise ein Katalysator für die fortschreitende Digitalisierung wird.
Aber er legt Wert darauf, dass das Plauener Sternenlabor nicht als "IT-Bude" wahrgenommen wird. "Momentan sind wir mit unseren Projekten natürlich von hundert auf null gefahren und setzen gerade etwas mehr auf IT-Lösungen, normalerweise bieten wir aber eben eine Plattform für interessierte Kreative, die sich hier datenbasiert oder ganz analog in verschiedensten Bereichen künstlerisch ausprobieren können. Dafür stehen besonders leistungsfähige Maschinen zur Verfügung - 3D-Drucker, CNC-Maschinen. Viele nutzen gern unsere Elektro- und unsere Holzwerkstatt, aber auch unsere sehr leistungsfähigen Nähmaschinen", erläutert der Sternenlabor-Vorstand. Als offene Werkstatt richte man sich an Selbermacher, die in der Senefelder Straße (ehemals Sternquell-Versand) ihre nicht kommerziellen Projekte - natürlich mit Unterstützung und Vernetzung - selbst realisieren. Mehr Informationen gibt es auf
www.sternenlabor.de.