Stelzen im Wald- und Bienenklang

Der Klang des Waldes, dazu gehört heute nicht nur das Rauschen und Knistern sowie manches Tiergeräusch. Die Stelzenfestspiele sangen mehr als ein Lied davon.

Von Simone Zeh

Stelzen Im Sound des Waldes sollten sie erklingen, die diesjährigen 27. Stelzenfestspiele. Und das taten sie auch, aber mehr als nur das. Denn längst gehören auch Brennholzspezialisten - so wurden sie zur Landmaschinensinfonie genannt - dazu, wenn so mehr als mancher Nadelbaum wegen Borkenkäferbefall gefällt und auch so mancher Ofen im Winter mit Brennholz gefüllt werden muss, um die gute Stube zu wärmen. Dennoch war die Sinfonie eine Liebeserklärung an den Wald, etwa wenn die Landmaschinensinfonie ausgehöhlte Fichtenstämme zu Blasinstrumenten umfunktionierten. Oder wenn das Saxophon zum Tuckern des Traktors von Roland Färber klang. Oder wenn der Scheunenchor sang: "Wir wandern durch den Wald, in seiner Kraftgestalt". Ein wahrliches Hoch auf den Wald, der trotzdem gerade in der Region um Stelzen bedroht ist wegen geplanter Fällungen zugunsten von Windkrafträdern. Nicht umsonst wies Festspieldirektor Henry Schneider auf den Infostand des Vereines Pro Vogtlandschaft auf dem Festivalgelände hin, der sich im vorigen Jahr gegründet hatte, um sich für den Schutz der Landschaft und der hier lebenden seltenen Tierarten einzusetzen. "Wir sind nicht gegen etwas, auch nicht gegen erneuerbare Energie, wir sind für etwas, um unsere Natur in unserer Region zu schützen." Schneider hatte indes bereits mehrfach deutlich gesagt, dass es keine Stelzenfestspiele mehr geben wird, wenn Windkrafträder hier gebaut würden. Und gerade weil das geplant war und auch noch ist, wurde der Verein Pro Vogtlandschaft ins Leben gerufen.
Bedroht sind auch die Bienen, das ist hinlänglich bekannt, deutschlandweit bekannt und inspirierte Fotograf Martin Jehnichen aus Leipzig zu einem besonderen Projekt. Im Hof des Wirtshauses von Stelzen siedelte Naturpädagoge Thomas Hohl aus Kornbach einen Bienenstock an, dessen Bewohner - ganz im Einvernehmen mit den hier lebenden Flugenten - ihrem emsigen alltäglichen Werk nachgingen. Und wer schon immer mal wissen wollte, was sich in solch einem Bienenkasten wirklich tut, konnte die Treppen zum Saal hochgehen, wo Jehnichen das Tun der Bienen in Vergrößerung in ein abgedunkeltes, aufblasbaren Planetarium über Videotechnik übertrug. Eine ganz andere Welt eröffnete sich hier dem Beobachter, weit weg vom Menschenalltag.
Auch sonst drehte sich alles um Wald und Flur zu den Stelzenfestspielen: Ein Konzert mit den Vögeln, ihren Gesängen auf der Spur lockte ins Gehöft Nummer 38, und die sogenannten Waldarbeiter aus dem Gewandhaus Leipzig wagten eine Zeitreise durch die Instrumental- und Musikgeschichte, um zu schauen, wie man Holz sozusagen glücklich macht. Der Natur auf der Spur war auch Jens Neumeister. Der Zollgrüner erklärte Besuchern seine Fotos von eher selten vorkommenden heimischen Tieren. Ob Raubwürger, Schwarzstorch, Eisvogel oder Schwanenfamilie, mit Geduld und Liebe zur Tierwelt hat er sie alle aufs Bild gebannt.
Nicht zuletzt widmete sich das Abschlusskonzert dem Werk "Die Orgel im Wald" von David Timm.