Steinreiches Schloss der Vögte

Ein Meisterwerk entsteht. Die Burganlage von Schloss Voigtsberg wird im Maßstab von 1:25 detailreich und in voller Pracht nachgebaut. Vorab ein Blick in die Werkstätten.

Von Marlies Dähn

Pabstleithen/Adorf Vielleicht hat manch ein Dorfbewohner Günter Eichhorn beim Steine sammeln beobachtet und sich ein klein wenig gewundert. Am Feldrain im grenznahen Pabstleithen wurde er fündig. Dort lag wertvolles Baumaterial für die Schlossmauern. Mit Vorstellungskraft, handwerklichem Geschick und reichlich Erfahrung im Bau von Miniaturen gesegnet, machte sich Günter Eichhorn an die Arbeit. Steine säubern, spalten und auf Daumengröße formen erfordert Geduld. Realistisch wirken die Mauern der Schlossanlage jedoch erst, wenn die Vogtlandsteine aufgeklebt und anschließend verfugt sind. Beeindruckend auch der Rundbau am Teilgebäude. Als Unterbau nutzte der Hobbyingenieur nicht etwa ein vorgefertigtes Rohr. Nein, Kunststoff fügte er Streifen für Streifen bis zur vollendeten Rundung aneinander, griff zu Schmirgelpapier und Leim und passte auch die Steine so an, dass sich alles harmonisch fügt.
Ähnlich viel Aufwand betreibt der Bauherr, um Dächer zu decken. Die Schiefer sind aus Kunststoff, wie nahezu alle Teile der Burganlage. Einzelne Blättchen werden geformt und nach Art der Dachdecker verlegt. Die hell leuchtenden Kunststoffblättchen verwandeln sich nach dem Anstrich mit anthraziter Acrylfarbe zum Schiefer. "Ein Teil der Anlage ist mit ziegelroten Biberschwänzen eingedeckt", erklärt Günter Eichhorn. Diese barocken Dachsteine erinnern der Form nach an flache Biberschwänze. Je nach Dach sind auch die aufgesetzten Gauben unterschiedlich in ihrer Form. Originalfotos dienen als Vorlage für einen möglichst realistisch wirkenden Nachbau.
Für die Mauern, die die Burganlage umsäumen, wählte der Erbauer eine andere Methode. Die Struktur einer Trockenmauer entsteht durch Kratztechnik, die mittels Farbgebung verfeinert wird. "Hier Stein auf Stein zu setzten, würde eine Ewigkeit dauern", merkt der 77-jährige dazu an.
Viele liebevolle Details hat Günter Eichhorn herausgearbeitet an der stetig wachsenden Burganlage. Fein gebogene Drähte werden Fenstergitter in Burgtüren. Kupferrohr halbiert, ziert später die Gebäude als Dachrinnen.
"Herausfordernd war bei der Planung der Burganlage das Gelände mit den unterschiedlichen Höhen", macht Günter Eichhorn aufmerksam. "Entdeckt" wurde Günter Eichhorn als Bauherr in der Miniwelt 1992 von Steffen Dietz, dem Leiter des Perlmutter- und Heimatmuseums am Freiberger Tor in Adorf.
Dietz ist auch für den Botanischen Garten und die Schauanlage "Klein Vogtland" verantwortlich. "Damals suchten wir einen Verantwortlichen, der auch im Wechsel rund 40 Frauen bei AB-Maßnahmen unter seine Fittiche nahm in den Jahren 1993 bis 1995. Viele der Modelle kommen aus dieser Zeit", denkt Steffen Dietz zurück. An die 50 Bauwerke des Vogtlandes entstanden dabei unter den geschickten Händen des gelernten Tierzüchters und inzwischen pensionierten Lehrers Günter Eichhorn. So zum Beispiel die Klingenthaler Rundkirche, das Paulusschlösschen Markneukirchen, das Landwüster Freilichtmuseum oder die Elster- und Göltzschtalbrücke, die übrigens bei genauer Betrachtung aktuell durch den Kleber leicht verzogen ist und einen Buckel bildet.
Am Bergfried, der gerade aufgestockt wird, arbeitet übrigens Klaus Neumann. "Wir stimmen uns ab, damit sich der Bergfried gut einfügt. Den Aufbau mit neuer Aussichtsplattform konnten wir nicht berücksichtigen", erklärt Günter Eichhorn.
Zum aktiven Kern der guten "Geister" rund um die Miniaturschauanlage gehören neben Klaus Mohr auch Siegfried Friedrich und Ulrich Nowatzki, möchte Steffen Dietz nicht unerwähnt lassen. Auch er staunt beim gestrigen Rundgang durch die Werkräume in Pabstleithen, die sich kalt, warm, wärmer anfühlen. Untergebracht sind dort die einzelnen Teile der ausladenden Burganlage von Schloss Voigtsberg im Miniformat. Der Burganlage bei ihrer Entstehungsgeschichte zuzuschauen, einen Blick auf die aufwendigen Details zu werfen, ringt ihm Hochachtung ab.
Das Modell soll peu à peu ab Ende Mai Einzug halten in die Miniwelt von Klein-Vogtland in Adorf. Doch bis dahin sind noch etliche Quadratmeter Innenhof zu pflastern, Dachsteine zu verlegen