Steinbruch weckt Sorgen

Was haben die Hartsteinwerke in Lauterbach vor? OB Marion Horn will zusammen mit dem Unternehmen aufklären und Bedenken der Anwohner ausräumen.

Von Renate Wöllner

Oelsnitz Zweimal hatte sich der Oelsnitzer Stadtrat im Anhörungsverfahren mit dem Vorhaben der Hartsteinwerke Vogtland befasst. Von einer Erweiterung der Brecheranlage und zusätzlich benötigten Flächen am Steinbruch Lauterbach war die Rede.
"Wir wollen nix ändern und es geht nicht um zusätzliche Flächen", trat Geschäftsführer Aicke Holzbach Dienstagnachmittag zum Vor-Ort-Termin missverständlichen Informationen entgegen. Man habe Bestandsflächen aus dem Bergrecht umgewidmet nach dem Bundes-Immissionschutzgesetz (BImSchG). Das entsprechende Verfahren sei abgeschlossen, die Genehmigungen vom Landratsamt erteilt. Mit dem allmählichen Auslaufen des Abbruchs von Diabas-Gestein in Lauterbach in fünf bis zehn Jahren suchen die Hartsteinwerke Nachnutzungen für den Steinbruch-Tagebau, dessen Verfüllung mit Erdmassen und Bauschutt begonnen hat. Das Unternehmen will in seiner Brecheranlage Gleisschotter aufarbeiten. "Das ist nach Bergrecht nicht möglich", erklärte Holzbach.
Für OB Mario Horn ging es bei der Führung über das Betriebsgelände darum, "den Anwohnern Bedenken zu nehmen". "Wir wollen, dass die Lauterbacher keine Sorgen haben müssen", ergänzte Stadträtin und Anwohnerin Marion Schröder (CDU), die Initiatorin des Treffens, dem sich weitere Stadträte anschlossen.
Mit Kind und Kegel waren die Lauterbacher der Einladung gefolgt, dabei blies nicht nur der Wind stürmisch. In dem einstigen Dorf mit vielen Eigenheimen haben die Leute Angst vor dem Wertverlust ihrer Grundstücke. Die Erfahrungen mit dem Wirtschaftsstandort Steinbruch sind durch die Jahrzehnte von Lärm, Sprengungen und Staub geprägt.
"Es wurde schon viel erzählt, davon glaube ich schon lang nichts mehr", äußert ein Bürger. Die Rückfahrgeräusche entladener Lkw ärgern die Mutter im Dreischicht-Betrieb, die irgendwann auch mal schlafen muss. Die Prognose, in welchem Umfang sich der Lkw-Verkehr entwickeln wird, fällt Holzbach schwer. Hauptzufahrt wird die Schönbrunner Straße bleiben. Eine weitere Sorge der Anwohner gilt dem Grundwasser. "Wir haben alle Brunnen", sagt ein Mann. "Der Schotter ist belastet, aber nicht kontaminiert", erklärt Holzbach. Mit Herbizid belastetes Material gehe auf die Deponie. Immissionen von Flüssigkeiten ins Grundwasser - wie von Anwohner Conrad Stimmel befürchtet - seien nicht zu erwarten. "Ich verstehe die Sorgen der Bürger", sagt Technischer Leiter, Uwe Bernhard, "aber sie sind gänzlich unbegründet".
Während die Anlieferung des Gleisschotters das gesamte Jahr über erfolge - was entsprechende Lagerkapazität erfordert, werde lediglich in zwei bis drei Wochen das Material in einer kleinen mobilen Anlage gebrochen, beruhigt der Geschäftsführer. Die Aktivitäten würden sich zu 90 Prozent am Betonwerk abspielen - damit entfernt von menschlicher Behausung. Gleisschotter werde in Deutschland an etwa 50 Standorten aufgearbeitet. "Wir in Lauterbach sind ein Minibetrieb", sagt Holzbach. Doch für Anwohner Leander Jahnsmüller ist das "ein Geschäftsmodell, das garantiert weiter ausgebaut wird".
Was einige der Besucher absolut nicht überzeugt ist der untere von zwei geplanten Lagerplätzen für den Gleisschotter. Das an der Werksstraße gelegene Areal in der Nähe des Firmengebäudes ist nur 50 Meter von den ersten Wohnhäusern entfernt, Lärm durch entladende Lkw sei vorprogrammiert. Stellvertretender Bürgermeister Ulrich Lupart will dieses Bedenken in der Stadtratssitzung am 8. Juli zur Sprache bringen.
"Gegebenenfalls muss eine Schallschutzmauer aus Beton-Legosteinen gebaut werden, falls es Beschwerden gibt", regt Stadtbaumeisterin Kerstin Zollfrank an. Sie sei sich bewusst, dass der Anblick eines solchen Bauwerks immer auf Für und Wider stoße.