Steimle - wo der Dialekt zu Hause ist

Mit gezielten Attacken auf die Lachmuskulatur der Zuschauer erlangte Uwe Steimle eine hundertprozentige Trefferquote mit seinem Programm "Spezial" zur Bestandsaufnahme 20 Jahre komische Einheit im König Albert Theater.

Bad Elster - Dialekt ist für ihn Heimat und mit einem brillanten Sächsisch kommen die Sachsen weit auf dieser Welt. Daran ändern konnte da auch die "politische Kehre" nix meint Steimle und reflektierte nach über zwanzig Jahren Wende so manch Merkwürdiges an der deutschen Wiedervereinigung. Sächsisch sei allemal halb so schlimm als solche paradoxen neudeutschen Wortschöpfungen wie "Wirtschaftswachstumsbeschleunigungsgesetz", so Steimle und erklärt: "Das ist nichts anderes als früher der Fünfjahresplan. Und der is doch ooch nischt geworden".

Ganz "furschtbar" findet er auch die Auswüchse des gesellschaftlichen Umbruchs in der Republik und erinnert dabei immer gerne an die DDR. Volkseigentum waren da die Wälder, Wiesen und Felder. Und heute? Da kommt man sich vor wie im Märchen, die Wälder, Wiesen und Felder gehören wieder dem Adel. Und die Rechnungen für die Privatisierungen zahlt natürlich der Steuerzahler. Wer lange genug altmodisch ist, der ist irgendwann wieder modern", kommentiert Steimle und ergänzt: "Mansche ham sich so gewendet, die stehn schon wieder in derselben Richtung". Kein Wunder, das vier Millionen trotzdem gegangen sind, obwohl die Mauer schon weg war und so ist nach Worten Steimles für ihn so manche Veranstaltung in den alten Bundesländern zu so einer Art "Vertriebenentreffen" geworden. "Was verteilt werden kann, muss zuvor erst einmal erarbeitet werden", zitiert er die Bundeskanzlerin.

 

"Das hat der Honecker 1989 auch gesagt und is nischt anderes als damals die "Bass-off-Methode", so wie wir heute arbeiten werden wir morgen leben", erklärt Steimle. Tatsächlich fraglich sei es auch, ob die Bundeskanzlerin den Terror fürchtet, wenn sie aus Deutschland als dem drittgrößten Waffentransporteur der Welt an die Israelis zwei U-Boote verschenkt und die Palästinenser dafür eine Kläranlage bekommen, wo noch gar keiner weiß, was dann hinten dabei rauskommt. "Wirklich Terror ist doch, wenn man Raps zu Benzin macht", meint er und "synopsierte" - frei nach eigener Wortschöpfung - fleißig weiter. "Überhaupt, wie kann man denn FDJ-Sekretär und zugleich Pfarrerstochter sein?

 

Es gibt Biografien, die können nicht stimmen." In der Politik sei eben Glaubwürdigkeit gefragt. So wie bei zu Guttenberg. "Der hat so gut geschwindelt, das war schon glaub-würdig", so Steimle und auch, dass er dann doch noch am 1. März zum Tag der NVA zurückgetreten ist. "Schon am Westbrötchen hätten wir das System erkennen können: Unglaublich viel Luft!"  S. Adler