"Stehe zu meiner Meinung"

Bei einem Gespräch anlässlich seines 75. Geburtstages sagte er lächelnd, er sei der Grüne unter den Linken. Doch nicht nur wegen seines Engagements für Ökologie genießt Klaus Jäger fraktionsübergreifend Respekt. Heute sitzt er das letzte Mal für seine Fraktion im Stadtrat.

Plauen Ab heute hat Klaus Jäger gewissermaßen zwei Nachfolger - sowohl in seiner Fraktion, als auch als ältester Stadtrat. Mit 66 Jahren war bei ihm noch lange nicht Schluss, nun aber mit 77. Mit seiner unnachahmlichen Art fügt er auch an weshalb: "Ich merke, dass ich in der Rübe nicht mehr so fit bin. Bei längeren Beratungen hab ich dann doch Mühe, mich gescheit zu äußern." Außerdem, fügt er an, soll sein Nachfolger genügend Zeit finden, sich zu profilieren. Dieser Nachfolger ist Daniel Herold, der mit Listenplatz 7 einen nach Jäger innehatte. Dass seine Fraktionskollegen die Einschätzung mit der "fitten Rübe" ganz anders sehen, zeigt die Laudatio der Fraktions-Chefin Claudia Hänsel. "Trotz und wegen seiner 77 Jahre hat er nicht nur uns, sondern auch viele Stadträte mit klugen Beiträgen im Stadtrat und den Ausschüssen überzeugt." Der wiederum erinnert sich noch "auf Knopfdruck" an seinen ersten Redebeitrag, als er 1999 in den Stadtrat gewählt wurde. "Ich habe mich damals gegen die Verpachtung des Flugplatzes in Kauschwitz stark gemacht."
Vorlagen gelesen
wie Krimis

Der Mann, der in "seinem" Stadtteil Chrieschwitzer Hang, doppelt so lange fürs Einkaufen braucht als die meisten, weil er von vielen Menschen um Rat und Unterstützung gefragt wird, gilt als einer, der Vorlagen liest, wie andere einen Krimi. "Das stimmt", lacht Jäger und gibt einen kleinen Trick preis. Vieles lese er diagonal. "Aber dummerweise fallen mir auch dabei immer Sachen auf, wo es sich nachzuhaken lohnt."
Ob der Ton im Stadtrat rauer geworden ist? "Er ist anders geworden", sagt Jäger. Auch früher habe es Parteiengezänk gegeben. "Mit CDU-Stadtrat Hansjoachim Weiß habe ich mich oft gezofft, aber beiderseits aus kollegialer Sichtweise. Aber wenn mittlerweile dem Stadtrat des III. Weges von anderen Fraktionsmitgliedern Beifall geklatscht wird, dann ist das für mich ein ganz schlimmes Zeichen."
"Manches grämt
mich immer noch"

Woran es liegen könnte, dass ihm parteienübergreifend Respekt und Achtung gezollt werden? Darauf hat Jäger eine fast simple Antwort: "Ich hab nie jemand persönlich angegriffen, sondern versucht, mit Sachlichkeit und Argumenten zu überzeugen. Und ich stand immer hinter meiner Meinung, habe nichts gesagt, um was zu sagen.
Was wiederum nicht ausschloss, dass er auch manches einstecken musste. "Manchmal fühlte ich mich schon heftig getroffen, beispielsweise wenn mir jemand Heuchelei vorwarf. Solche Sachen hab‘ ich dann auch mit nach Hause genommen, wie man so schön sagt."
Klaus Jäger war viele Jahre Mitglied im Stadtbau- und Umweltausschuss und im Finanzausschuss. "Ich bin kein Finanzmensch, aber ich hab mich reingekniet", beantwortet er die Frage, welchen der beiden Ausschüsse er interessanter fand. "Mit Leib und Seele setzt sich Klaus Jäger seit vielen Jahren für den Klima- und Umweltschutz in Plauen ein", würdigt denn auch seine Fraktion das Wirken ihres "Alterspräsidenten". Der wird sich ab und an auch mal als Gast die Stadtratssitzungen anhören, denn "manches grämt mich noch". Als da beispielsweise wären der dreispurige Ausbau der Trockentalstraße oder der vierspurige der Dresdner Straße. "Auf die warten wir seit 25 Jahren und passiert is nix", schimpft Jäger kein bisschen altersmilde. Die Ursache sieht er übrigens in der "dämlichen Fördermittelstrategie von Bund und Land, die den Kommunen Zeit und Kraft kostet."
Und ungefragt "rechnet" er auch mit sich selbst ab. "Als Kreisrat hab ich mich für die mechanisch-biologische Abfallbehandlungsanlage in Oelsnitz eingesetzt. Ich hab damals wirklich dieses Millionengrab unterstützt", ärgert er sich noch Jahre später.
"Ich muss endlich
mal ausmisten"

Die Frage, wie er nun seine etwas größere Freizeit nutzt, beantwortet Jäger mit einer ganzen Liste. "Der Garten wartet auf mich, ich habe sechs Enkelkinder und manchmal kann ich sogar helfend eingreifen. Meine zweitälteste Tochter musste jetzt eine Examensarbeit über die Mangelwirtschaft in der DDR schreiben. Da konnte ich wirklich paar Striche dazu beitragen", lacht er. "Und außerdem muss ich mal ausmisten, ich hebe viel zu viel auf. Meine Sammlung der Bebauungspläne von Oberlosa reicht 20 Jahre zurück." top