Städtenetz: Sachsen-Franken-Magistrale in Gefahr

Seit mehr als zwei Jahrzehnten fordern Kommunen auf sächsischer und bayerischer Seite den Ausbau des Schienennetzes zwischen Dresden und Nürnberg. Das Warten auf die letzten 150 Kilometer geht weiter.

Plauen - Gestern haben sich in Plauen die Bürgermeister und Verkehrsexperten der sächsisch-bayerischen Städtenetz-Kommunen Zwickau, Plauen, Hof, Marktredwitz und Bayreuth in der Spitzenstadt getroffen. Sie formulierten fünf Forderungen an Bund und Freistaat Bayern zur noch immer bestehenden Lückenschließung der Elektrifizierung zwischen Nürnberg und Marktredwitz.
Die Oberbürgermeister hören derzeit die Alarmglocken schrillen. Denn seit 23 Jahren kämpft man in Sachsen und Bayern für die Elektrifizierung der gesamten Strecke, die auf Grund der Teilung lange Jahre auf Eis lag. Während man in Sachsen seine Hausaufgaben auch mit dem Konjunkturpaket 3 im Jahr 2013/14 erledigte, klafft zwischen Marktredwitz und Nürnberg noch immer ein "Elektro-Loch". In Hof müssen Züge deswegen umgekoppelt oder gar ein zusätzlicher Umsteigestopp eingelegt werden. "Das Elektrifizierungsprojekt steht zwar immer noch als vordringliche Aufgabe im Bundesverkehrswegeplan, aber seit der Neufassung ist hier auch eine Metropolenbahn zwischen Nürnberg und Prag über Schwandorf und Furth im Wald verzeichnet. Am Ende müssen wir befürchten, dass durch die neue Konkurrenz die Wichtigkeit unseres Projektes hintenan stehen muss", verdeutlichte Zwickaus Oberbürgermeisterin Pia Findeiß die Sorgen der Stadtoberhäupter. So könne es passieren, dass die geplante Bahn-Vernetzung der Metropolregionen Dresden, Leipzig und Nürnberg endgültig ins Stocken gerät. "Die neue Verbindung würde die Region Hof und Sachsen von Franken abkoppeln", sagt Plauens Baubürgermeister Levente Sárközy, und sein Verkehrsplaner Hagen Brosig verdeutlicht, dass die neue Verbindung für die Strecke von Plauen nach Nürnberg (beispielsweise zum dortigen Flughafen) eine halbe Stunde Verzögerung mit sich brächte.


"Wir verfolgen die Elektrifizierung der deutlich sinnvolleren Strecke - der Sachsen-Franken-Magistrale - seit vielen Jahren und haben immer wieder die Wichtigkeit hervor gehoben. Wenn jetzt versucht wird, eine Alternativstrecke anzubringen und uns zu überholen, ist das nicht hinnehmbar", schlug Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Mark-Erb kämpferische Töne an. Ins gleiche Horn stieß auch Hofs Bürgermeister Eberhard Siller: "Die Zeit der Planungen und Planspielereien sind vorbei. Wir wollen nun endlich Taten sehen. Dass sich für den Bürger nichts verschlechtert, war lange genug ein Erfolg. Jetzt muss endlich dafür gesorgt werden, dass für den Bürger sichtbar wird, dass die erhoffte Verbesserung im Bahnverkehr auch eintritt. Es geht ja nicht nur darum, dass Menschen aus Sachsen nach Franken kommen - sondern viele Franken würden gern Leipzig und Dresden schnell und unkompliziert erreichen." Dabei kokettierte Siller sichtlich damit, dass trotz zweier bayerischer Bundesverkehrsminister die Lücke in der Oberleitung im Norden Bayerns noch immer klafft. Dass Sachsen dem Musterland im Süden vorgemacht hat, wie es schnell und unbürokratisch voran gehen kann, sieht er mit einem Augenzwinkern.

In Sachsen habe der Freistaat die Vorfinanzierung übernommen, was für Bayern vielleicht auch ein Weg wäre. Siller freute sich besonders, dass man mit der betroffenen Stadt Marktredwitz nun fest im Städtenetz einen weiteren starken Partner im Boot habe. Er forderte nun einen strafferen Planungsablauf und einen schnellen Baubeginn. Mit weiteren Verzögerungen wie zuletzt im Bereich Hof-Marktredwitz, wo plötzlich spezielle Lärmgutachten erbracht werden mussten, die drei bis vier Jahr Verzögerung mit sich brachten, seien nun nicht mehr zu erwarten. Deshalb müsse es nun los gehen.
Bayreuths Stadtchefin kündigte eine konzertierte Aktion an, in der die Bundes- und Landtagsabgeordneten, die Wirtschaft der Anrainerkommunen, die Uni Bayreuth und viele andere Player des öffentlichen Lebens Druck aufbauen werden. "Wir werden massiver als bisher unsere Forderung formulieren, zumal wir ja auch die Bürgermeister der kleineren Orte an der Franken-Sachsen-Magistrale mit im Boot haben. Wir rücken natürlich auch nicht von der Forderung nach dem zweiten Gleis zwischen Pegnitz und Bayreuth ab", kündigte Brigitte Merk-Erb an. Und ihr Marktredwitzer Amtskollege Oliver Weigel betonte, dass die Forderung nun ganz klar an den Bund gestellt sei, das seit Jahren offenen Projekt in höchster Priorität zu bauen. Ingo Eckardt