Stadtwerke Plauen gibt Kundenkarte heraus

Plauen - Aus der Phase des Underdog sind sie wenige Monate nach ihrer Gründung bereits heraus. Nun wollen die Stadtwerke Strom Plauen bis Jahresende 30 000 Kunden unter Vertrag haben.

 

Wie ein Vater um sein Neugeborenes kümmert er sich. Und in der Tat ging er jahrelang mit der Idee schwanger, die Stadtwerke Strom Plauen zu realisieren. Seit Anfang des Jahres ist der kommunale Stromanbieter am Netz und Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer nimmt an Wachsen und Gedeihen des Unternehmens mit sichtlicher Freude Anteil. Und so nutzte er auch das gestrige Pressegespräch, um ein weiteres Mal auf die Vorzüge der Stadtwerke gegenüber des "Platzhirsches" hinzuweisen. Und da geht es in erster Linie um Bares.

Sieben Prozent günstigere Preise könne der Neuling am Markt den Plauenern bieten - und zwar garantiert bis Ende des Jahres. Mit anderen Worten: Stadtwerke-Kunden werden in nächster Zeit keine Post bekommen, in der ihr Anbieter - selbstverständlich bedauernd - mitteilen wird, die Strompreise anheben zu müssen. Tariferhöhungen werde es deutschlandweit geben, nicht nur bei EnviaM, prognostiziert Oberdorfer. Die noch im Vorjahr beschlossene Energieumlage von 1,7 Cent könnten die Anbieter nicht "schlucken", die müssen sie geradezu zwangsläufig an ihre Kunden weitergeben.

Anschließend informierte Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Kober, auf welche Weise man es schaffen will, bis Jahresende 30 000 Kunden unter Vertrag zu haben. Immerhin haben sich in den vergangenen Monaten bereits 24 000 für "Plauener" Strom entschieden. Um seine ehrgeizigen Ziele zu erreichen, setzt das Unternehmen quasi auf die kräftige Unterstützung von "Vater und Sohn".

Mit den beiden Figuren aus der Feder e.o.plauens hatten sich die Stadtwerke von Anbeginn in den Augen und dann Köpfen der Plauener festgesetzt. Nun wird es noch in diesem Monat eine Kundenkarte geben, von der "Vater und Sohn" in gewohnt pfiffiger Manier auf der Vorderseite agieren. Die Rückseite bietet Raum für personenbezogene Daten.

Bei wem im Zusammenhang mit Kundenkarten die Alarmglocken läuten, der kann sie in diesem Falle getrost abstellen. Denn zum einen ist der Chip kostenlos, zum anderen gilt er für die gesamte Familie und alle im Haushalt lebenden Kinder unter 18 Jahren. Und Punkte müssen auch nicht gesammelt werden - der Rabatt wird an der Kasse der beteiligten Unternehmen sofort ausgezahlt.

Allein in Plauen beteiligen sich bisher 25 vorwiegend im Freizeit- und Servicebereich agierende Firmen. Im Vogtland sind es derzeit 45 und deutschlandweit sogar 2000. Die Rabatthöhe und -art legen die Kooperationspartner selbst fest, in der Regel bewegt er sich bei zehn Prozent. Und so lässt sich beispielsweise bei Jumicar, im Hotel Dormero, im Sportpark Plauen, im Autohaus Prätor und im Fanartikelgeschäft des VFC ordentlich sparen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Deutschlandweit wird es für Plauener "Stromer" unter anderen in der Leipziger Oper, im Saurierpark Kleinwelka, im Tropical Island oder dem Radebeuler Karl-May-Museum preiswerter. Eine Übersicht über alle Beteiligten erhalten Karteninhaber mittels einer Broschüre. Doch damit der Neuerungen nicht genug. Um die magische "30 000" zu erreichen, wird sich auch online einiges tun. Bis Ende des Monats hat der Kunde auch vom heimischen PC aus Zugang zu aktuellen Informationen, kann sich über seinen gewählten Tarif kundig machen und auch Änderungen wie neue Anschrift oder Zählerstand mitteilen.

Allerdings gehört auch für die Stadtwerke Trommeln zum Handwerk. Deshalb werde sich das Unternehmen an regionalen Messen wie der VogtlandBAU beteiligen, am Tag der erneuerbaren Energien teilnehmen und sogar eine eigene Veranstaltungsreihe zu aktuellen Energiethemen ab dem zweiten Halbjahr auf die Beine stellen, avisiert Kober. Finanziell werden sich die Stadtwerke im Rahmen ihrer Möglichkeiten darum bemühen, dass verschiedene Plauener Vereine und Initiativen "unter Strom" stehen können. Schwerpunktmäßig richtet das Unternehmen sein Engagement auf die Unterstützung der e.o.plauen Stiftung, des Plauener Spitzenfestes, der beiden Vereine VFC und HC Einheit und wird einen Energie-Cup für junge Kicker an Grundschulen ins Leben rufen, dessen Sieger sich dann landesweit präsentieren können.

Natürlich bleiben noch ein "paar Euro", um ins Unternehmen selbst zu investieren. In diesem und den Folgejahren sind dafür jeweils 750 000 Euro vorgesehen - für die Modernisierung des Netzes, den Austausch veralteter Trafo-Stationen und die Erschließung von Straßen und Grundstücken. Mit jeweils 45 000 Euro schlägt allein der Neubau einer Trafostation zu Buche - erforderlich beispielsweise am Dittrichplatz, der Schillstraße und am Chrieschwitzer Hang. Schwerpunkt technischer Investitionen bildet der Neubau des Landratsamtes. Hier müssen vorhandene Anlagen rückgebaut werden und von einer durchgängigen Kabelverbindung auf der Straße ersetzt werden.

Perspektivisch kann sich Kober auch vorstellen, Interessenten von außerhalb - einige Anfragen liegen bereits vor - mit Plauener Strom zu versorgen. Allerdings nicht zu den "heimischen" Preisen, da zusätzlich Netzentgelte anfallen, wie er anfügt. Die Anlaufzeit mit zuweilen "lahmgelegter" Hotline und Briefen nicht immer freundlichen Inhalts scheinen die Stadtwerke wohl hinter sich zu haben. Nun geht es mit "Vater und Sohn" auf Kundenaquise. tp