Stadtteile so groß wie das Vogtland

Plauen - Tom Geigenmüller, Sophie Enders und Florian Fischer haben mit 13 weiteren Jugendlichen aus dem Jugendzentrum Boxenstop in Chrieschwitz eine weite Reise hinter sich.

 

8000 Flugkilometer absolvierten die jungen Vogtländer mit ihren Begleitern, voran Detlef Köhler, als Jugendaustausch-Delegation nach Shanghai in China. Sie reisten auf Einladung des YMCA, einer christlichen Hilfsorganisation, in das Riesenreich und nahmen ein voll gepacktes Programm wahr. Besuche in Altenheimen und Projekten, Nachmittage und Ausflüge mit den Gastgebern, Eigene Freizeit. Menge, Größe, Höhe, Weite und andere Maße werden in China in anderen Dimensionen gemessen und aufgefüllt. China ist anders und sehr gegensätzlich, stimmen die drei Jugendlichen überein.

"Man muss sich das vorstellen, Shanghai ist so groß wie Sachsen", sagt Tom, seine Arme über die Stadtkarte der Metropole am Chinesischen Meer ausbreitend. Stadtteile sind so groß wie etwa das Vogtland, der Weg zum Strand so weit wie die Fahrt von Plauen an die Elbe. Der Transrapid fegt mit 300 "Sachen" vorbei an den Häuserzeilen. "Dabei hatten wir nicht den Eindruck, dass sie das stört", meint Sophie.

Die drei Plauener beobachteten und bestaunten ihre kurzzeitige Heimat Shanghai mit offenen Augen und Ohren. Die Architektur, den Besuch in der Karaoke-Bar. Der Bummel durch Geschäfte und Basare. Sie sahen enormen Reichtum, Lamborghinis an schicken hohen Häusern, und schlimme Armut, in der Gasse gleich neben Glasfassaden zerrissene Menschen und kaputte Hütten. Es sind Gegensätze, die kräftig aneinander reiben in einem Land, das aufstrebt und wächst, als wolle es nicht mehr damit aufhören. "Die jungen Menschen nahmen kein Blatt vor den Mund, sie sagten, sie leben in einer Diktatur", erzählt Sophie. Und Tom ergänzt: "Die Leute sagen, von den Oberen sickert nichts durch, sie stellen bei ihren ganzen Maßnahmen die Menschen vor vollendete Tatsachen. Ja, man spürt die Unzufriedenheit und das Gefühl, es geht nicht gerecht zu."

Ja. China boomt. Ein Jahr ist es her, da standen noch Rohbauten in dem Stadtteil, den Detlef Köhler, der Chef der Reisegruppe, 2009 besuchte. "Jetzt ist das schon fertig und begrünt", ist der Plauener Boxenstop-Chef noch immer ein bisschen sprachlos. Ein Programmhöhepunkt ihrer Reise hinterließ großen Eindruck - die Expo. "Das war sicher für alle ein spektakuläres Erlebnis", sagt Detlef Köhler. Wenn ich kann, reise ich wieder nach China, vielleicht mache ich in Shanghai mein Freiwilliges Soziales Jahr", blickt die 16-jährige Sophie voraus.