Stadtteil soll schöner werden

Plauen - Die Narben, die der Krieg in Plauen hinterlassen hat, sind auch heute - 65 Jahre später - noch zu sehen. Drei Viertel der Stadt fiel in Schutt und Asche. Was danach neu aufgebaut wurde, war zweckmäßig aber kein adäquater Ersatz. An vielen Gebäuden hat der Zahn der Zeit genagt, sie sind sanierungsbedürftig.

 

Nicht anders auf der 58 Hektar großen Fläche zwischen Hradschin, Bahnhofstraße, Reißiger Straße, Martin-Luther-Straße und Hammerstraße, das vom Stadtrat 2004 als Sanierungsgebiet "Östliche Bahnhofsvorstadt" beschlossen wurde. Die Westsächsische Gesellschaft für Stadterneuerung mbH, Niederlassung Plauen wurde mit den vorbereitenden Untersuchungen beauftragt. "Jedes einzelne Gebäude wurde auf seinen Zustand hin begutachtet, städtebauliche Mängel und Missstände dokumentiert und Vorschläge für die Entwicklung des Gebietes unterbreitet", erklärt Stadtteilmanager Rainer Zahn.

 Der Freistaat Sachsen bewilligte 2006 das Sanierungsgebiet und damit auch die auf rund 25 Millionen Euro geschätzten förderfähigen Kosten, die zu jeweils einem Drittel von Bund, Land und der Stadt Plauen getragen werden. Gefördert werden in dem Stadtteil, der unmittelbar an das Zentrum Plauens angrenzt, neben der Neugestaltung von Straßen, Plätzen und Innenhöfen vor allem Baumaßnahmen an den Häusern.

 

Drei Viertel der 4453 Wohneinheiten und 638 Gewerbe sind in Privathand. 27,4 Prozent der Wohnungen stehen leer. Von den Häusern sind nur 432 in einem sehr guten Bauzustand, 140 sind eher abbruchreif. Unter Denkmalschutz stehen 224 Gebäude. "Das Gebiet ist zum einen von typischen Gründerzeitbauten (zwischen Kaiserstraße und Martin-Luther-Straße) und Stadtvillen (Stresemannstraße) geprägt. Zum anderen finden sich Nachkriegsbauten (oberhalb der Pauluskirche hin zur Bahnhofstraße) und auch eine stark zergliederte Bebauung (beispielsweise an der Forststraße", so Zahn.

  Sanierung gefördert   Um an die Fördergelder zu kommen, müssen die Eigentümer bereits einen Antrag stellen, bevor sie mit der Sanierung beispielsweise der Dächer, Fassaden oder Fenster beginnen. Wer Unterstützung in Anspruch nehmen möchte, bräuchte aber auch entsprechende Eigenmittel zur Sanierung. "Für alle Fragen ist die Westsächsische Gesellschaft mit Sitz in der Seestraße 54 Ansprechpartner. Es gibt aber auch ein Büro an der Ecke Berg-/Stresemannstraße, das mittwochs von 13 bis 17 Uhr geöffnet hat", weist Zahn hin.

 

Der WGS-Mitarbeiter spricht allerdings auch von einem geringen Interesse bei einer Befragung während der vorbereitenden Untersuchungen. "An 1154 Haushalte und 245 Gewerbetreibende in dem Gebiet haben wir Fragebögen geschickt. Zurück kamen 119 Bögen von Haushalten und nur 37 von Gewebetreibenden." Nach einem schleppenden Beginn seien die Betreffenden jetzt besser informiert und stellten auch zunehmend Anträge für eine Modernisierung, Instandsetzung oder auch einen Abbruch. In der Gottschaldstraße und Karlstraße wurden erst kürzlich ruinöse Gebäude abgebrochen. "Mit Fördermitteln wird am Ende des Jahres auch der Sachsendruck abgebrochen.

 

Dort soll entweder ein Parkdeck für die künftigen Mitarbeiter des Landratsamtes im Horten-Gebäude entstehen oder - wenn die Entscheidung länger dauert - eine Grünfläche", erklärt Zahn. Fördergelder bekommen auch die Wohnungsbaugesellschaft und -genossenschaft unter anderen für die Umgestaltung ihrer Wohnblocks, die an der Bahnhofstraße und August-Bebel-Straße kaum Leerstand aufweisen.

  Drei Pilotprojekte   Gegenwärtig gebe es in dem Sanierungsgebiet "Östliche Bahnhofsvorstadt" drei Pilotprojekte. Zum einen ein Quartier zwischen Reißiger Straße und Tischerstraße. "Dort ist die Bausubstanz sehr marode. Durch die Umgestaltung sollen in den Innenhöfen grüne Oasen entstehen", sagt Zahn. Bei einem anderen Teilgebiet, einem Gründerzeitquartier an der Rähnisstraße ist es ebenfalls Ziel, die Innenhöfe neu zu gestalten. Bei Projekt drei zwischen Forst- und Stresemannstraße gibt es zahlreiche Gebäude, vor allem Nebengebäude, die zum Großteil abrissreif sind", so Zahn. Hier soll ebenfalls der Innenbereich des Quartiers neu gestaltet und straßenbegleitend wieder neu bebaut werden. Es könnten kleine Reihenhäuser entstehen, die sich in die vorhandene Bebauung einfügen.

Die Sanierung des Gebietes, die so richtig erst 2007 angelaufen sei, soll bis 2022 abgeschlossen sein. Die Bewohner hätten nicht nur ein großes Mitspracherecht, sondern können und sollen sich an der Umsetzung der Maßnahmen beteiligen. Nur so könnten Wohn- und Arbeitsverhältnisse für die Zukunft einen Anreiz für schöneres Leben in der Stadt bieten, ist sich Zahn sicher. Er und seine Kollegen stünden für die Fragen der Eigentümer sachkundig zur Seite.  M. T.