Stadtparkpläne mit Gottes Segen

Auf den harten Bänken der Johanniskirche konnten sich am Dienstag interessierte Bürger über die Pläne für den Plauener Stadtpark informieren. Und die liegen nicht in Gottes Hand sondern eines kompetenten Dresdner Architekturbüros.

Von Torsten Piontkowski

Plauen Nein, es ging nicht um den Garten Eden, sondern ein recht irdisches Thema: die Pläne für den Plauener Stadtpark, vorgestellt von Angelika Kern vom Dresdner Büro für Architektur und Bauforschung, das von der Stadtverwaltung mit diesem anspruchsvollen Thema betraut worden war. Eingangs hatte Baubürgermeisterin Kerstin Wolf darauf verwiesen, dass der Masterplan für die kommunale grüne Lunge gefördert werde und vergaß nicht zu erwähnen, dass der Stadtpark selbst in Coronazeiten von den Bürgern zunehmend "in Beschlag" genommen werde - Stichwort Sommerkino, Musicalaufführungen und vieles mehr.
Zwei Jahre Arbeit hat das Dresdner Büro mittlerweile in die Vorbereitungsarbeiten investiert und sich dabei auch ausführlich mit der Historie des Parkes beschäftigt - ein Ausflug in die 1901 begonnene Geschichte des Areals, die auch für alteingesessene Plauener die eine oder andere Überraschung bereitgehalten haben dürfte.
Historie beginnt mit
Ausschreibung 1901

Nach einer zu Beginn des vorigen Jahrhunderts durchgeführten Wettbewerbsausschreibung nahm der Park zwischen 1904 bis 1910 Gestalt an. Immer wieder fielen die Namen des damaligen Stadt-Garteninspektors Richard Bertram und des Wettbewerbspreisträgers Reinhold Hoemann, die dem Stadtpark sein bis heute im wesentlichen erhaltenes Aussehen verliehen. Nach der weitgehenden Zerstörung des Parkes im Bombenhagel 1945 entstand 1959 die Fontäne - ein "Aushängeschild" des Stadtparkes, an dem die Liebe der Plauener im Besonderen hängt.
Nach dem recht ausführlich geratenen Ausflug in die Geschichte, verwies Angelika Kern auf die vorgenommene Bestandsaufnahme der Bauten und verschiedenen Gehölze. So datieren beispielsweise die Eichen im einstigen Kaiser-Wilhelm-Hain noch aus der Zeit, als es den Park noch gar nicht gab. Eine sogenannte autogenetische Karte staffelt die verschiedenen Gehölze nach ihrem Alter. Typisch für den Plauener Stadtpark sei der Wechsel zwischen geschlossenen Gehölzgruppen und Freiflächen, der von heimischen und fremden Pflanzen.
Bürger wünschen sich
vor allem neue Fontäne

Umfangreich, so Angelika Kern, seien die Bürgerwünsche, die von einer Teichentschlämmung über die Ufersanierung bis zur Installierung einer neuen Fontäne reichen, für die vor allem die Freunde Plauens eifrig am Spendensammeln sind. Auf dem eher langfristigen Plan steht zudem die Sanierung der Voliere - bis dahin werde ein Interimshaus gebaut, so die Architektin, die auch die "Unterschiede" zwischen kurz-, mittel- und langfristig verdeutlichte. Man spreche dann von zwei bis drei, drei bis fünf oder fünf bis zehn Jahren. In letzteren Zeitraum fällt beispielsweise die Restaurierung der Drachengrotte - das Becken müsse gereinigt werden, zudem soll eine Bepflanzung nach historischem Vorbild erfolgen und auch ein ansehnlicheres Geländer soll dem Bereich "spendiert" werden.
Ein eigenes Thema scheint zudem das Areal rund um das Parktheater zu sein. Hier sind unter anderem ein neuer Eingangsbereich sowie Toiletten auf dem Vorplatz geplant.
Den dringenden Sanierungsbedarf des Stadtparkteiches, dessen 3000 Karpfen derzeit wieder abgefischt werden, mahnte auch Heike Grape vom Sachgebiet Gewässerunterhaltung an. Die 6500 Kubikmeter Schlamm in dem 1,3 Hektar großen Teich sollen komplett entnommen und landwirtschaftlich genutzt werden. Auch das Ufer solle wieder nach historischem Vorbild gestaltet werden, für die Fontäne sei bereits eine Ausschreibung erfolgt.
Auch ein Mönch muss
erneuert werden

In diesem Zusammenhang müsse auch der Mönch ersetzt werden - eine Bemerkung, die nicht dem gastgebenden Gotteshaus galt, sondern einem Mönch, bei dem es sich Wikipedia zufolge um einen gewölbten Dachziegel handelt, der mit der Wölbung nach oben in die Mitte auf gewölbte Nonnen gelegt wird. Für die Entschlämmung, so Graupe, stehen 261.000 Euro zur Verfügung, für die Ufergestaltung 185.000 Euro. Insgesamt werden in das Projekt Stadtpark 450.000 Euro investiert, der Eigenanteil der Stadt beträgt 325.000 Euro.
Die sich anschließenden Bürgerfragen gehörten denn auch ausschließlich in die Kategorie "wohlwollend". So richtete sich eine auf Pläne hinsichtlich der Beleuchtung des Parkes. Eine weitere Beleuchtung, so Architektin Kern, sei nicht vorgesehen, auch die sämtlicher Wege nicht. "Eigentlich braucht der Stadtpark - und die dort lebenden Vögel - nachts seine Ruhe." Die Erklärung der einzelnen Bäumen anhand angebrachter kleiner Plaketten sei durchaus möglich, so die Antwort auf die Frage des einstigen Stadtrats Klaus Gerber. Weitere Parkflächen seien derzeit nicht möglich, da die Bahn in dem in Frage kommenden Abschnitt keine zur Verfügung stelle, ergänzte Bürgermeisterin Wolf.
Legaler Grillplatz
nicht vorgesehen

Ein Spielplatz für kleine Kinder in der Nähe des bestehenden sei geplant, Imbisskioske dagegen gehören nicht zum Parkkonzept und seien auch von der Denkmalpflege - der Stadtpark steht unter Denkmalschutz - nicht gewünscht. Ebenfalls nicht vorgesehen sei ein legaler Grillplatz, wie ihn Frank Zabel ins Gespräch brachte. Stichwort Barrierefreiheit: Die sei auf den meisten Wegen gegeben, allerdings seien die in den Park hinein führenden Wege gepflastert und wenig behindertengerecht.