Stadthymne als Kalenderblatt

"Plau'n bleibt Plau'n! Es ist doch eine schöne Stadt ..." Die heimliche Stadthymne der Plauener - geschrieben von Hilma Mückenberger - hat Joachim Ott als Motto für seinen neuen historischen Postkartenkalender gewählt. Der Plauener Blickwinkel Nr. 17 zeigt Ansichten einer pulsierenden Vogtlandmetropole.

Plauen - Ob die Idee für das Thema des Kalenders zuerst da ist, oder erst beim wiederholten Blättern in den historischen Postkarten geboren wird - diese Frage konnte Joachim Ott als Herausgeber des "Plauener Blickwinkels" selten so schnell beantworten wie dieses Mal. "Mitte des Jahres - und das ist eine gute Zeit - habe ich schon gewusst, wie der Titel heißen soll. Aber geschrieben hatte ich lange keine einzige Zeile. Doch dann hatte ich den Einfall für die Rückseite des Dezember-Blattes mit meiner Botschaft an die Kalender-Freunde. Der Startschuss auch für die Zeilen auf den Monatsseiten", erzählte der 59-Jährige als er am Dienstagabend im "Reusaer Eck" im Beisein der Postkartenfreunde den neuen Kalender vorstellte.

Zur Präsentation seines Werkes hatte sich Ott wie schon 2005 das Plauener Museum-Urgestein Horst Fröhlich eingeladen, der auch auf einen kurzen historischen Streifzug durch die Geschichte des Plauener Kalenders ging. Immerhin wurde der erste - damals noch in Buchform - 1643 vom ersten Plauener Buchdrucker Johann Fülle herausgebracht. 1797 sind in dem Kalender von Siegfried Haller schon wissenswerte Geschichten, Rätsel und der Blick aufs Wetter zu finden. In diese Fußstapfen sei sozusagen Ott mit seinen "Blickwinkel" getreten, die seit 1997 und nun zum 17. Mal die Betrachter mit Plauener Geschichte und Geschichten erfreuten. Fröhlich, 37 Jahre lang Mitarbeiter des Vogtlandmuseums und heute noch als Vorsitzenders Fördervereins aktiv, gab auch einen kurzen Abriss des Lebens von Mückenberger. Dessen "Plau'n bliebt Plau'n" hat übrigens auch Albrecht Lenk gemeinsam mit dem Folklore-Ensemble der Dako (Damenkonfektion Plauen) auf eine Schallplatte verewigt. Die Platte gab der Rat der Stadt zu den Tagen der vogtländischen Folklore heraus. Am Dienstag hatte Heinz Tonndorf, der Plauener Schallplattensammler, eine Original Schellackplatte fürs Grammophon mit eben diesem Titel mitgebracht und vorgespielt.

"Den Titel des Liedes habe ich versucht, im Kalender umzusetzen. Und dabei bin ich auf einige Raritäten gestoßen. Mit der dankbaren Hilfe der Postkartenfreunde Harald Strunz, Roland Seifert, Manfred Schneider, Michael Junker, Frank Wörpel und Peter Winkler kann der 'Blickwinkel' einen Querschnitt des großstädtischen Flairs der Spitzenstadt vor rund 100 Jahren vermitteln - breite, lange und belebte Straßen, die vom pulsierenden Leben zeugen", erzählt Ott. Neu sind auf den einzelnen Seiten die Werbebriefmarken, die zum Verschließen der Briefe bis etwa 1920 genutzt wurden und dabei für Geschäfte, Firmen oder Vereine warben. Das Klischee des kleinen Mannes im Monat Februar befinde sich im Original als Kupfer-Druckstock in der Druckerei Ott. Interessant auch die kleinen Monatsvignetten aus dem Vogtländischen Anzeiger und Tageblatt, die die Kalenderseiten zieren. Blättern lohnt sich.