Staatsanwalt fordert Bewährungsstrafen für Plauener Rocker

Opfer und Hauptbelastungszeuge macht widersprüchliche und lückenhafte Aussage - Staatsanwalt fordert für drei der vier Angeklagten Bewährungsstrafen.

Zwickau/Plauen - Das sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung in ihren Plädoyers zumindest in der rechtlichen Bewertung nahezu einig sind, hätte am Anfang des Verfahrens gegen vier Mitglieder des inzwischen verbotenen Plauener Motorradklubs Gremium MC niemand geglaubt. Am allerwenigsten vermutlich Michael M. Der 24-jährige Aussteiger aus dem Klub hatte am 24. Februar 2012 bei der Polizei angezeigt, wegen ausstehenden Mitgliedsbeiträgen von den Angeklagten verprügelt, aus seiner Wohnung verschleppt und schließlich in einem Wald sogar mit dem Tod bedroht worden zu sein, wenn er nicht zahle.

Wenn sich Michael M. nun erhofft hatte, die Vier für mindestens fünf Jahre hinter Gitter zu bringen, so hoch ist die Mindeststrafe für eine Geiselnahme, dann hat er das selbst gründlich vermasselt. Nach der Beweisaufnahme steht eigentlich nur fest, dass er mit Fäusten und Füßen traktiert wurde. Das haben die beiden Angeklagten, die ausgesagt hatten, zugegeben. Ob er dann freiwillig mit in den Wagen von Daniel G. stieg, um "die Sache zu klären", lässt sich schon nicht mehr eindeutig sagen. Michael M. will festgehalten worden sein, zwei der Angeklagten sagten aus, er sei freiwillig zur Sitzung des Klubvorstandes mitgekommen. Dort ist allerdings keiner der fünf Beteiligten angekommen, sondern der Weg führte in den Wald in die Nähe der Plauener Kläranlage.

Und von da an bleibt wieder vieles ungeklärt. Selbst der Staatsanwalt bezeichnete die Aussage des Opfers vor Gericht als lückenhaft und widersprüchlich. Den einen oder anderen Fakt musste Michael M. auf konkrete Nachfragen des Vorsitzenden Richters oder der Verteidiger schließlich wieder korrigieren. Da das Gericht aber auf die Angaben des Hauptbelastungszeugen angewiesen war, blieb in dem Verfahren vieles im Dunkeln. Bis heute weiß niemand, ob Michael M., wie er selbst vermutete, eine Schusswaffe an den Hinterkopf gehalten wurde, als er im Wald auf den Boden gekniet hatte. Der Angeklagte Daniel G., will einen Holzstock gesehen haben, den Marcus F. besorgt hatte, um seinem Hund Auslauf zu bieten, und die anderen beiden hatten entweder gar nichts gesehen oder machten von ihrem Recht zu Schweigen Gebrauch.

Ähnlich ist es auch mit den Todesdrohungen und der Aussage ihm einen Finger abschneiden zu wollen. Auch diese Punkte sind wegen widersprüchlicher Aussagen nicht beweisbar. Von der ursprünglichen Anklage war in den Plädoyers nicht mehr viel zu hören. Geiselnahme und verbotener Waffenbesitz fehlen dort ganz. Dafür ist da von gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung die Rede. Wenn es nach dem Willen des Staatsanwaltes ginge, käme nur Marcus F. tatsächlich in Haft. Das hat er hauptsächlich seinem langen Vorstrafenregister zu verdanken und der Tatsache, dass er zur Tatzeit unter laufender Bewährung stand. Zwei Jahre Knast hatte der Staatsanwalt für ihn gefordert. Sein Anwalt Jan Pinkes aus Jena schlug, vor die Strafe auf ein Jahr zu halbieren.

Für alle anderen Angeklagten beantragte der Staatsanwalt Freiheitsstrafen, die zur Bewährung ausgesetzt werden können. Für Nils S. und Daniel G. jeweils ein Jahr und für Sebastian G. ein Jahr und fünf Monate. Da sein Mandant jedoch, als einziger in der Truppe nicht vorbestraft ist, beantragte Verteidiger Herbert Posner neun Monate Freiheitsentzug auf Bewährung.

Der Greizer Anwalt Alexander Giehler machte auf die Situation seines Mandaten Daniel G. aufmerksam. Er hat sich von der Rockerszene losgesagt. Und er hatte nicht nur in dem Zwickauer Verfahren ausgesagt, sondern auch in einem weiteren Strafprozess vor dem Landgericht Cottbus, in dem unter anderem Marcus F. wegen versuchten Mordes angeklagt ist. Immerhin, so Giehler setze sich Daniel G., der inzwischen auch geheiratet hat und Vater wurde, einer ziemlichen Gefahr von Racheakten aus. Am Dienstag will das Gericht das Urteil verkünden.