Spuren verlorener Leben

Noch heute schmerzen die verlorenen Leben jener Männer, die nicht mehr heimkehrten aus sinnlosen Kriegen. Das neu eingeweihte Kriegerdenkmal in Tannenbergsthal hält Erinnerungen wach.

Tannenbergsthal Frauen, ohne ihre Männer, Kinder, ohne ihre Väter und Enkelkinder, ohne ihre Großväter, das sind Folgen der Kriege, die auch in Tannenbergsthal vielen Männern das Leben kostete. Namentlich aufgeführt sind 156 von ihnen, die im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und in den beiden Weltkriegen ihr Leben verloren. Wer zurückblieb, trägt noch heute Narben. Wie mag das gewesen sein, als der dunkel gekleidete Bote unheilvoll dem eigenen Haus immer näher kam? Wie war das, als das Fünkchen Hoffnung mit jedem Schritt schwand? Wie schmerzvoll zerschnitt der lautlose Schrei einer Mutter jegliches Denken. Dann hielt sie ihn in Händen, den Brief, der auf schreckliche Weise Gewissheit brachte.
Schicksale verbinden und berühren bis heute. Karla Dunger, die Vorsitzende des Heimatvereins Topas und Regina Rosenbaum haben das erfahren, als Daten gesammelt und abgeglichen wurden für die neue Gedenkstätte am Steingarten in Tannenbergsthal.
Beim Besuch einer 100-jährige Seniorin flossen Tränen in Erinnerung an den Verlust ihrer ersten großen Liebe. Auch sein Name findet sich nun auf einer Stele und erinnert an die Gefallenen des II. Weltkrieges. "Neun Stelen haben wir aufgestellt. Eine enthält allgemeine Informationen. Auf acht Stelen sind Einzelschicksale vermerkt. Fotos sind dabei und kleine Geschichten. Wir wollten ein lebendiges Denkmal, das Menschen berührt", erklärt Regina Rosenbaum auf Nachfrage. Ausgegangen war die Initiative für die neu gestaltete Gedenkstätte von Jürgen Seidel. Der Geschäftsführer der Seidel Präzisions- und Frästeile OHG kümmerte sich um die Pflege des alten Denkmals. Ursprünglich hatte es seinen Platz am Wiesenhaus gegenüber der Bäckerei. Im Zuge des Straßenbaus musste es vor Jahren umziehen in den Steingarten. Lange Zeit fehlten die Gelder für eine Sanierung und die Planungen lagen auf Eis. Dank des jüngsten Förderprogramms aus dem Programm "Neustart Kultur", mit Unterstützung des Deutschen Verbandes für Archäologie und einer 90-prozentigen Förderung wurde das Vorhaben nun umgesetzt. Zur feierlichen Einweihung vor gut einer Woche war das Interesse groß. "Weit über 60 Besucher haben sich auf den Weg gemacht, kamen an der Gedenkstätte miteinander ins Gespräch. Erinnerungen wurden wach gerufen, Vergessenes zurückgeholt und Hoffnungen ausgesprochen, dass diese Welt friedvoll bleiben möge", freut sich Regina Rosenbaum mit allen Initiatoren über diese Stätten, die zum Innehalten einlädt. Marlies Dähn