"Spuckschutz" als Verkaufsschlager

Was früher eher als exotischer Auftrag galt, hilft der Firma Kunststoff-Spranger im Reißiger Gewerbegebiet nun ein Stück weit wirtschaften: die Herstellung von Plexiglas-Scheiben, die momentan im Kassenbereich fast jeden Supermarktes, aber nicht nur dort, installiert sind.

Von Torsten Piontkowski

Plauen Thekentrenner bezeichnete man "vor Corona" die Scheiben, die Kunden und Ware aus hygienischen Gründen früher "auf Abstand" hielten - beispielsweise in Eiscafes. Doch nun wurden sie in Zeiten des Virus nahezu über Nacht zum "Verkaufsschlager" und werden - ein wenig Humor ist in diesen Zeiten fast wörtlich überlebenswichtig - als "Spuckschutz" bezeichnet. "Die ersten Anfragen erreichten uns vor etwa drei Wochen, sagt Mirjam Baganz vom Unternehmen. Zu den ersten gehörten beispielsweise Ärzte, aber auch vorausschauende gastronomische Einrichtungen wie das Cafe Heinz. Die sogenannten systemrelevanten Berufsgruppen zogen nach, als Hotels und Gaststätten bereits geschlossen waren. Viele Bestellungen, so Frau Baganz, gehen mittlerweile auch aus Anwalts- und anderen Büros ein, in denen der Publikumsverkehr aus den unterschiedlichsten Gründen weitergeführt wird. Auf etwa 30 schätzt sie die bisherige Zahl der Kunden für das Produkt, auf das die meisten am liebsten bald wieder verzichten würden.
Inzwischen könne man ein "allgemeines" Muster, das sich für die meisten Kunden eignet, anbieten: 65 Zentimeter breit, 80 Zentimeter hoch, in der Mitte, wenn gewünscht, mit einer Ausfräsung für die Chipkarte versehen. Generell seien aber auch individuelle Lösungen möglich. Selbst in diesem Falle könne man binnen 24 Stunden liefern, sagt Frau Baganz.
Ja, man habe gut zu tun, bestätigt die Mitarbeiterin, 90 Prozent der Aufträge kämen aus der Region, doch selbst aus Karlsruhe habe man sich schon für den "Spuckschutz" aus Plauen interessiert. Natürlich seien nicht alle Mitarbeiter mit den gegenwärtigen "Sonderaufträgen" beschäftigt, weist Frau Baganz darauf hin, dass die momentane Krise an keinem Unternehmen spurlos vorbeigehe. Ein Teil der Mitarbeiter betreue die Kunden auch vor Ort, obwohl man natürlich die nötige Distanz wahre, vor allem in so sensiblen Bereichen wie dem Helios Vogtland-Klinikum, das ebenfalls bereits Plexiglas-Scheiben orderte. "Neukunde" sei beispielsweise auch die Plauener Tafel. Frau Baganz spricht von einem besonderen Auftrag, wenn man an die vielen Ehrenämtler denke, die sich täglich einem erhöhten Risiko aussetzen, um den Bedürftigsten zu helfen. Geliefert werde zudem an Tischler, die das Plexiglas mit der eigenen Holzfassung versehen und dann gewissermaßen als Endproduzent verkaufen. Sicher sei die derzeitige Produktion auch geeignet, den eigenen Bekanntheitsgrad zu steigern, den einen oder anderen Neukunden über diesen "Umweg" zu gewinnen - unabhängig davon, dass das Unternehmen gut aufgestellt sei, auch international. Bestellungen aus Island, Norwegen, der Türkei und zahlreichen anderen Ländern füllen die Auftragsbücher, denn in "normalen Zeiten" ist die Firma vor allem wegen ihrer Aquakultur- und Wasseraufbereitungsanlagen, die innovativen lLsungen für Partner in der Industrie, aber auch die Verarbeitung von Edelstagl für den landwirtschaftlichen Bereich und die Jagd bekannt.
Während normalerweise oft die Frage nach dem Preis im Vordergrund stehe, laute sie im Falle der Acryl-Schutzwände meist nach der Dauer der Lieferung. Deshalb habe man inzwischen auch Material nachbestellt, um keinen "Stau" aufkommen zu lassen. Ein portabler Spuckschutz wie im Bild dargestellt, schlage mit etwa 85 Euro zu Buche, so Frau Baganz. Das sollte es eigentlich jedem Unternehmen wert sein, seine Mitarbeiter zu schützen, fügt sie an. Dass bereits die Anfrage eines Plauener Taxifahrers vorliege, freut sie besonders. Vor allem in diesem Bereich sei es schwierig, den geforderten Mindestabstand einzuhalten - ein Acryl-Scheibe zwischen Fahrerbereich und dem Fond leiste da einfache, aber wirksame Hilfe.