Spritze ins Fleisch

Herbert, der Schälbraten, war der heimliche Star auf der Ausbildungsmesse in Auerbach. An ihm kam fast kein Schüler vorbei.

Von Cornelia Henze

Auerbach - Sina Salomon, Wohnbereichsleiterin in der K & S Seniorenresidenz Rodewisch, ermutigte die jungen Leute, die Spritze mit Traubensaft zu füllen und diese beherzt in Herbert hineinzustechen. 70 Unternehmen und weiterführende Schulen präsentierten sich in der Turnhalle Schloss Arena ihren künftigen Azubis. Veranstalter war die Seminar-Oberschule.
Was so verspielt und etwas makaber daherkommt, dahinter steckt ein ernster Grund. "Spritzen will gelernt sein. Ehe es an den Menschen geht, lernen Schüler und Azubis das Spritzen erst mal an einem Stück Fleisch. Krustenbraten ist am geeignetsten dafür, aber mit ,Herbert‘ hatten wir auch echt Glück", klärt Frau Salomon auf. Nach vier Stunden Messe hatten sich etliche junge Leute bei der Seniorenpflege-Einrichtung für ein Freiwilliges Soziales Jahr und eine Ausbildung erkundigt. Noch gebe es bei K & S keinen Fachkräftemangel, so die Wohnbereichsleiterin. Obwohl der Beruf Altenpfleger ein harter ist, werde er nicht schlecht bezahlt. Im ersten Ausbildungsjahr gibt es immerhin schon rund 1000 Euro pro Monat. Mit der Branche Altenpflege buhlte auch der Ifa-Park Schöneck um Nachwuchs: Köche und Restaurantfachleute werden gesucht. 
Um Lebensmittel dreht sich alles bei Sternquell aus Plauen und dem Auerbacher Suppenhersteller Unilever (Knorr). Lebensmitteltechniker, Mechatroniker oder auch Lagerlogisten bildet man bei Knorr aus. "Wir freuen uns auch auf Frauen, die einen technischen Beruf lernen wollen", so Mechatroniker-Ausbilder Denny Michaelis. Den überall vorherrschenden Azubi-Mangel bekommt man auch bei Unilever zu spüren. Hatte man früher die Auswahl unter 80 Bewerbern, ist man jetzt froh über derer fünf. Für die Suppen-"Küche" und deren Flaggschiff, die Spaghetteria-Produkte zeigte der Neuntklässler Nico Kurz zwar Interesse, noch mehr brennt er aber auf eine Laufbahn in der Bundeswehr. Deren Ausbilder - in Tarnkleidung - konnte man nicht verfehlen. Karriere verspricht die Bundeswehr, auch im zivilen Bereich. Mangel herrsche an Fachleuten im IT- und Elektronikbereich sowie im Wachbataillon, das beispielsweise zu Staatsempfängen aufmarschiert. Wer dort mit stramm stehen will, muss allerdings 1,75 Meter Körpergröße haben. 
In Chemie gut aufgepasst haben muss der, der bei Coty (früher Londa Rothenkirchen) Chemikant oder Chemielaborant lernt. 
Reichlich Auswahl gibt es für Technik-Fans: Bei Sys Tec lötet man filigrane Elektronikplatten, bei Kobra in Lengenfeld dreht sich alles um Formenbau, bei Zaharansky Rothenkirchen werden Maschinen für die Zahnbürstenproduktion entwickelt, ein Netzschkauer Betrieb fertigt Kältechnik, Mahle aus Reichenbach baut für die Autoindustrie und der Beschichtungsexperte Vowalon Treuen stellt weit mehr als Wachstuch her. Für Schüler, die das Abi bauen, ist ein Bachelor-Studium als so genannter Werkstudent verlockend: Angehende Maschinenbauer, Produktionstechniker und Manager verdienen vom ersten Studientag ein gutes Stück Geld.