"Sport frei" ab Frühjahr 2024?

Es wird noch einiges Wasser die Elster hinabfließen, bevor sie mit sicher "großem Bahnhof" vermutlich im Frühjahr 2024 eröffnet wird. Doch von der Präsentation, wie die Dreifelderhalle am Lessing-Gymnasium einmal aussehen könnte, zeigten sich die Stadträte am Montag schon recht angetan.

Von Torsten Piontkowski

Plauen Lange blieb die Frage am Montag unbeantwortet - jene nach den Kosten der Dreifelderhalle, mit deren Bau spätestens im Frühjahr nächsten Jahres begonnen werden soll. Erst in der Fragerunde nannte Steffen Fugmann vom gleichnamigen Architekturbüro die "Hausnummer": rund 15 Millionen Euro. Doch auch damit konnten die Mitglieder des Stadtbau- und Umweltausschusses offenbar gut leben. Denn zum einen wird das Mammutprojekt zu 90 Prozent von Bund und Land gefördert. Dies wiederum ist möglich, weil Plauen zu den sieben deutschlandweit ausgesuchten Modellkommunen gehört. Zum anderen verstand es Fugmann in seiner Powerpoint-Präsentation, die Stadträte "mitzunehmen" auf eine Reise in die Zukunft. Und natürlich fand auch Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer die richtigen ergänzenden Worte: die entstehende Dreifelderhalle werde am Ende preiswerter als eine Zweifelderhalle, die nur zu 40 Prozent gefördert würde.
14 Meter Höhenunterschied
sind zu bewältigen

Bekanntermaßen musste für das sportliche Großprojekt die Kleingartenanlage an der Chamissostraße weichen. Die den Pächtern ausgezahlte Summe bezeichnete Oberdorfer als "Punktlandung" - die veranschlagte Summe von 300.000 Euro habe ziemlich genau der Schätzung der einzelnen Parzellen entsprochen. Und weil die Förderung eben so hoch sei, fügte er an, könne er auch hinsichtlich der Finanzierung "keine Fragezeichen erkennen".
Dann waren Steffen Fugmann und Bernd Müller am Zuge, Letzterer von der Arge Bauplanung, die das Projekt gemeinsam mit dem Architekturbüro realisieren wird. Beide "arbeiteten" sich bei der Präsentation "von unten nach oben" vor. Vom Lessing-Gymnasium bis "hinunter" zur Dreifelderhalle sind übrigens 14 Meter Höhenunterschied zu bewältigen, allein im sogenannten Baufeld bis zu neun Metern.
Kletteranlage
über alle Etagen

Das für viele Sportbegeisterte Highlight der Halle nimmt bereits im Untergeschoss seinen Anfang: eine sich über alle Etagen erstreckende, insgesamt 14 Meter hohe, Kletteranlage. Während im Untergeschoss neben Heizungs,- Lüftungs- und Sanitäranlagen auch Lagerräume untergebracht sind, wird die eigentliche Sportanlage im Erdgeschoss betreten. Die Lessing-Schüler betreten das Erdgeschoss über das Treppenhaus, suchen die Kabinen auf und gelangen anschließend in die drei Halltenteile. Im Foyer befinden sich zudem der Garderobenbereich und das Catering. Von hier gelangen die Besucher über Treppen auch auf die Tribünen.
Die gesamte Halle, machte Fugmann an Querschnittsmodellen plastisch, sei geprägt von vier Ecken - jede mit einer eigenen Funktion. Eine dient beispielsweise als "Kraft- und _Fitness-Ecke", eine weitere für Gymnastik und Tanz. Eine dritte Ecke bleibt besagtem Kletterbereich vorbehalten, den Geräten bleibt eine vierte Ecke.
Das erste Obergeschoss ist geprägt von den Tribünen, auf denen bei Großveranstaltungen 480 Besucher Platz finden sollen, weiteren Sanitärräumen, sowie - in Richtung Chamissostraße - Büroräumen für die Vereine.
Im zweiten Obergeschoss finden sich weitere Zuschauerplätze, der Technikbereich, Räumlichkeiten für Sicherheitskräfte sowie vier Kamerastandorte. In den vier Ecken der sogenannten Binderebene werden die erforderlichen technischen Anlagen - unter anderem für Be- und Entlüftung - installiert. Zudem machte Fugmann auf ein weiteres Highlight aufmerksam: einen versenkbaren Videowürfel, der wohl vor allem für Wettkämpfe von nationaler und internationaler Bedeutung zum Einsatz kommen könnte. Denn, so Fugmann auf Nachfrage, in der Dreifelderhalle können problemlos alle Sportarten betrieben werden, die in einer Halle durchgeführt werden könne.
Trennvorhänge
sparen Betriebskosten

Dass man bei der Planung auch die Betriebskosten im Blick hatte, erklärte der Architekt an der Installierung thermischer Trennvorhänge. Wenn die Halle zu 90 Prozent durch das Gymnasium und Vereine genutzt werde, bräuchte man auch nur diesen speziellen Teil der Halle beheizen. Finden Veranstaltungen mit Zuschauern statt, kann sich die Installation eines zweiten Trennvorhang an der zu erwartenden Besucherzahl orientieren.
Auf die städtebauliche Komponente des Bauwerkes ging anschließend Bernd Müller ein. Man habe "nicht alles machen wollen, was technisch möglich ist." Auch vor dem Hintergrund, dass dies lange und vor allem teure Testphasen zur Folge gehabt hätte.
Photovoltaik auf
3600 Quadratmeter Dach

Ziel sei vielmehr der innovative Umgang mit technisch erprobten Möglichkeiten unter Beachtung der Besonderheiten des Standortes gewesen. Bei der "Erkundung" der Typografie habe man anstelle von Tiefenbohrungen sogenannte Geothermiekörbe eingesetzt. Innovative Lösungen seien zudem für die Weiterverwendung des Regenwassers gefunden worden. Für die 3600 Quadratmeter große Dachfläche soll Photovoltaik zum Einsatz kommen. Die gewonnene Energie soll gespeichert und dem eigenen Standort - also dem Gymnasium - zugute klommen. Die großflächige Fassade könne durch Einordnen von LED-Elementen auch als Medienwand dienen, so Müller.
Mit beifälligem Klopfen, wie in Hörsälen üblich, brachten die Stadträte ihre Zustimmung zum Ausdruck, bevor beide Fachleute noch eine Reihe von Fragen zu beantworten hatten. Jene nach dem Betreiberkonzept richtete sich allerdings an die Verwaltung. In der Regel fungieren die Sportvereine als Betreiber, dafür bekommen sie eine finanzielle Unterstützung, so der OB. Tagsüber sei das Gymnasium der "Nutzungs-Chef", danach ein Verein, beispielsweise der SV 04 Oberlosa, der Interesse signalisiert habe, so Oberdorfer an den anwesenden Vorstandschef Prof. Dr. Bernd Mertner gewandt, der allerdings keine Regung erkennen ließ.
Fledermäuse werden
nicht vertrieben

Auch ein Lärmkonzept sei erstellt worden aus dem hervorgeht, dass die Bewohner der Schlachthofstraße keinen besonderen Belästigungen ausgesetzt seien. Kurzparkplätze für Vereine entstehen entlang der Chamissostraße, ausreichend Besucherparkplätze bei Veranstaltungen auf der Reißiger Straße. Und nicht mal die Frage des Sachkundigen Bürgers Dieter Rappenhöner vermochte die Planer aus dem Gleichgewicht zu bringen. Jawohl, man habe das Gelände hinsichtlich Nistplätzen von Fledermäusen untersucht. Nahezu am Rande stimmte Oberdorfer die Stadträte gleich noch auf ein weiteres Vorhaben ein: die Außensportanlage, die man dem Gymnasium jahrelang versprochen habe, solle gleich mit geplant werden - mit Laufbahnen, Sprunganlage und vielem mehr.