Spitzenprodukte aus Abfällen

280 000 Tonnen! Das ist in etwa die Menge der Abfälle, die jährlich in den Produktionsprozessen der deutschen Textilindustrie anfällt. "Gut die Hälfte davon wird verbrannt", skizziert Dr. Sigrid Müller eine Situation, die nicht nur vor dem Hintergrund des Klimawandels kaum länger tragbar ist. Ideen, wie sich diese Abfälle sinnvoll weiterverwerten ließen, zeigt deshalb die Plauener Galerie Forum K in ihrer aktuellen Ausstellung "stickstich 019 - TexCycle Award".

Von Markus Schneider

Plauen - Es ist gewissermaßen die erste Veranstaltung zum 60. Plauener Spitzenfest. Denn aus den 16 Exponaten können die Besucher noch bis zum großen Jubiläum ihren Favoriten wählen - der so ermittelte Publikumspreis, dotiert mit 750 Euro, wird dann am Spitzenfest-Sonntag verliehen. Bereits im September 2018 hatten der Branchenverband Plauener Spitze und Stickereien und der in Chemnitz ansässige Verband SACHSEN!TEXTIL! den internationalen Ideen- und Designwettbewerb unter dem Motto "Use it! Don't burn it!" ausgelobt. Im März dieses Jahres kürte die Jury dann bereits ihre drei Preisträger, die zum Spitzenfest am 23. Juni um 17.30 Uhr auf der Hauptbühne bekanntgegeben werden.
Für die in Pädagogik promovierte Plauenerin Sigrid Müller, einer der Initiatorinnen, setzt dieser Wettbewerb ein sehr wichtiges Signal für die gesamte Branche. Das Recycling sei schon seit den 60er Jahren ein Thema intensiver Forschung, maßgeblich auch vorangetrieben vom Sächsischen Textilforschungsinstitut (STFI) in Chemnitz. Doch während bei Alttextilien bereits ein sehr hoher Anteil in dem Kreislaufsystem verbleibt, ist die Quote bei der Verwertung textiler Produktionsabfälle noch vergleichsweise niedrig. Dazu zählen etwa Fasern, Flusen, Abschnitte, Spulen und auch Beschichtungsabfälle bei technischen Textilien, wie beispielsweise Carbonfasern. "Gerade solche neueren Materialarten erschweren das Recycling enorm. Durch diese Verschiebung steht das gesamte Thema sehr hoch im Diskurs und reicht bis zu Überlegungen, bestimmtes Material wieder in seine Grundbausteine zu zerlegen", so Müller. Für die Unternehmen muss das Recycling jedoch in erster Linie ohne große finanzielle Anstrengungen technisch umsetzbar sein.
Die Ideen und Impulse, die über den Wettbewerb nun von Studenten und Selbstständigen gesammelt wurden, sind in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung. Sie liefern zum einen frische, unkonventionelle Gedanken - etwa im Upcycling alter Papprollen und Spülen zu schickem Interieur - und stellen ebenso unorthodoxe Materialforschung an, die bisweilen schon sehr weit gedacht ist. Sie legen den Unternehmen zugleich auch nahe, mit diesem Thema noch stärker in die Hochschulen zu gehen und beispielsweise entsprechende Dissertationen anzuregen. Einige solcher Kooperationen gibt es bereits, doch das Potenzial sei weitaus höher, glaubt Müller. 
Das nämlich zeigt die Resonanz: Trotz der vergleichsweise kurzen Wettbewerbszeit schickten 23 Teilnehmer ihre Beiträge ins Rennen, mehr als erwartet. Und selbst nach Einsendeschluss trudelten noch interessante Exponate und Ausführungen ein. "Daran sehen wir, dass dieses Thema sehr viele Menschen anspricht und bewegt - und daran ließe sich nun gut anknüpfen."
Aus sämtlichen Einsendungen wurden schließlich 16 qualifiziert, die zunächst in Chemnitz und nun auch in Plauen zu sehen sind. Während das Chemnitzer Publikum eher fachlich versiert war und entsprechend votiert haben dürfte, erhoffen sich die Initiatoren des Wettbewerbs vom Plauener Publikum eine eher "bürgernahe, praktische" Bewertung. 
Am 23. Juni werden alle Stimmen zusammengezählt und der Gewinner ermittelt. Stimmzettel liegen in der Plauener Galerie Forum K aus, die von Mittwoch bis Sonntag jeweils 13 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet ist.