Spitzenmuseum will Spitzenplatz

Tradition und Moderne verknüpft künftig das Deutsche Zentrum für Spitze und Stickerei. Im Weisbachschen Haus werden dafür Grundpfeiler gesetzt. Ein Blick hinter den Bauzaun war gestern erlaubt.

Von Marlies Dähn

Plauen Stabile Eisenträger liegen über dem Mühlgraben und werden mit festen Holzbohlen belegt. Eine Baustellenzufahrt entsteht zwischen Mühlberg und ViVo-Gastgarten, um von der Bachseite her in den bisher unerreichten Innenhof des Weisbachschen Hauses zu gelangen. Damit werde der Kran entlastet. Ursprünglich sollte er mit seinem "Giraffenarm" sämtliches Baumaterial von der Bleichstraße aus über den Dachfirst in den Innenhof hieven. "Die neue Baustellenzufahrt ist eine gute Lösung", findet Projektleiter Roger Neumann. Möglicherweise transportiere man auch eine der schwergewichtigen Stickereimaschinen auf diesem Weg in den Innenhof und baue quasi um die Maschine herum weiter. Doch noch ist der Boden dafür nicht bereitet. Schließlich wird in Bachnähe gebaut. Aus Sicherheitsgründen setzen die Fachleute auf Mikrobohrpfahlgründung für den Ergänzungsbau aus Glas im Innenhof. In den nächsten vier bis fünf Wochen versenken die Bauarbeiter gut 70 Stück der Mikrobohrpfähle für die Bodenplatte. "Etwa 13 Meter wird in die Tiefe verankert", sagt Roger Neumann und Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer ergänzt, dies sei so hoch, wie das Weisbachsche Haus selbst.
Wer auf lehmhaltigem Schwemmland baut, braucht heutzutage besondere Fundamente auch bei einem denkmalgeschützten Bau. Nach einem sogenannten DSV-Verfahren wird daher ähnlich einer Kanüle im Fundamentbereich vorhandenes Erdreich ausgespült und mit Spezialgerät und 600 Bar-Druck Zement hineingepumpt. Damit erhält der Uraltbau Standsicherheit. Aktuell laufen Rohbau- und Abbrucharbeiten im Bestandsgebäude. Ein neues Treppenhaus wird eingebaut, das vorhandene umgebaut. Fluchtwege entstehen. Auch im Ergänzungsbau wird gewerkelt an Decken und Wänden. Im Umbaubereich des Bestandsgebäudes laufen Dacharbeiten. Verzögerungen hatte es gegeben zunächst wegen einer überteuerten Ausschreibung, später wegen des Verdachts auf Bombenfunde, bestätigt Jana Eichler, Projektleiterin der Gebäude- und Anlagenverwaltung. Nicht unbegründet. Schließlich sei das Weisbachsche Haus vom Ursprung her eine Art Vierseithof. Bombeneinschläge rissen die rückwärtige Häuserzeile weg. "Die Weisbach-Brüder hockten da im Gewölbekeller unterm Haus", hat sich Projektleiter Roger Neumann erzählen lassen.
Viele spannende Geschichten beherbergt die Baustelle. Die zur Geschichte des Hauses soll auch Teil der künftigen Ausstellung werden. ze. Neben einer Dauerausstellung, Sonderschauen und einem wissenschaftlichen Archiv wird auch Platz für eine sogenannte Schausammlung sein. Die multimediale Gestaltung des Zentrums liegt in Händen des estnischen Büros KOKO.
Laut Projektleiterin Jana Eichler befinden sich die Baukosten bisher im Rahmen des vorgegebenen Budgets. 5,8 Millionen Euro Fördermittel erhält Plauen für das Spitzenzentrum aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, 727.340 Euro aus dem Bund-Länder-Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz". Den Rest der Kosten trägt die Stadt selbst. Bisher geht man von rund 7,3 Millionen Euro aus. Kosten für Ausstellungsplanung und Umsetzung folgen später.
OB Ralf Oberdorfer nimmt das Zahlenwerk lächelnd zur Kenntnis. Wer einen Altbau saniert, erhält ein Überraschungspaket.
"Die Sanierung der Kita Elsteraue mit nun über 7 Millionen Euro ist bestes Beispiel dafür", so der Rathauschef, der an dieser Stelle nochmals öffentlich Lob an Familie Weisbach weiterreicht. Die Plauener machten das ehemalige Manufakturgebäude der Stadt zum Geschenk.