Spitzen-Welt Plauen auf Standortsuche

Wer A sagt muss auch B sagen. Doch wenn sich dahinter die Entscheidung über den künftigen Standort der "Spitzen-Welt Plauen" verbirgt, bringt das die Mitglieder des Kulturausschusses in Schwierigkeiten.

Plauen - Am Ende der knapp einstündigen Diskussion konstatierte Bürgermeister Manfred Eberwein ein fast schon groteskes Abstimmungsverhalten. Für den Oberen Graben als Standort der Spitzen-Welt plädierte keiner der acht stimmberechtigten Stadträte, fünf enthielten sich, drei Stimmen gingen wohl irgendwie verloren. Das Weisbachsche Haus als mögliche Alternative bekam ebenso keine Ja-Stimme, stattdessen enthielten sich alle Stadträte einer klaren Meinung. In der vorangegangenen Diskussion wurde auch ziemlich schnell klar, weshalb.

Tenor: Man fühle sich einfach ungenügend informiert, zudem lassen sich quasi Äpfel und Birnen nicht vergleichen. Während für den einen Standort am Mühlgraben gar kein ernsthaftes Betreiberkonzept vorliege, habe man es im Falle des Oberen Grabens bestenfalls mit einem unfertigen zu tun, brachte Benjamin Zabel (SPD) die Meinung vieler auf den Punkt. Parteikollege Sven Jahn vertrat die Meinung, dass ein gutes Betreiberkonzept, so es denn vorliegen würde, an beiden Standorten funktionieren würde. Aber ein ernsthafter Betreiber sei aus seiner Sicht nicht vorhanden, einer der auch realistische Aussagen hinsichtlich zu erwartender Besucher träfe.

Eberwein räumte zudem noch ein, dass auch in der Verwaltung keine einheitliche Meinung vorherrsche. Klartext des Bürgermeisters: "Hätte vor zwei Jahren das Weisbachsche Haus zur Disposition gestanden, hätte es gar keine Diskussion um den Oberen Graben gegeben." Und so blieb er denn auch Stadtrat Prof. Dr. Lutz Kowalzick (CDU) auf dessen Frage, welche Variante denn eigentlich die Verwaltung favorisiere, eine Antwort schuldig.

Auch Kai Malditz (FDP) stieß es sauer auf, dass die Verwaltung bisher einfach nicht rübergebracht habe, was sie eigentlich will. Dietrich Kelterer und andere machten darauf aufmerksam, dass die Immobilie Weisbachsches Haus eines Tages wahrscheinlich in den Besitz der Kommune übergehen werde und die sich nicht aus ihrer "kulturhistorischen Verpflichtung" stehlen könne. Dann werde es noch schwieriger, einen passenden Verwendungszweck zu finden.

Eberwein, dessen Herz wohl selbst für die Immobilie als Standort schlägt, machte allerdings darauf aufmerksam, dass eine detaillierte Machbarkeitsstudie etwa 60 000 Euro beanspruchen könne - eine Summe, die bereits in den Oberen Graben investiert wurde. Überdies, auch darauf wurde immer wieder verwiesen, sei eine Vergleichbarkeit beider Standorte kaum möglich. Wolfgang Schmidt (CDU) kritisierte vor allem, dass man bisher nie mit den Leuten geredet habe, die es angeht. Zu denen gehört beispielsweise der Verein Deutsches Innovationszentrum für Stickereien, der sich eindeutig für den Oberen Graben positioniert, wie Kulturdirektor Friedrich Reichel aus einem Schreiben des Vereinsvorsitzenden Rainer Maria Kett zitierte.

Zudem bringt sich der Verein als künftiger Betreiber ins Gespräch. Im Falle einer Entscheidung pro Weisbachsches Haus könnte sich das ändern. Jahn vermutete denn auch, die Verwaltung könne sich mit dieser Haltung des Vereins in dessen Abhängigkeit begeben. Die Stadträte sind hinsichtlich einer Entscheidung jedenfalls nicht zu beneiden. tp