Spitzen-Welt: Keine Standort-Lösung in Sicht

Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer trat die Flucht nach vorn an. Nachdem sich bereits die Mitglieder des Kulturausschusses nicht über den künftigen Standort der Spitzen-Welt Plauen einigen konnten und stattdessen harsche Kritik an der Verwaltung übten, weil diese zwei Varianten zur Abstimmung vorgegeben hatte, ohne sich selbst zu positionieren, übernahm er kurzerhand den Vorsitz des Wirtschaftsförderungsausschusses am Montag. Und ließ die Mitglieder denn auch nicht lange über seine eigene Meinung im Unklaren. Zunächst allerdings erinnerte er daran, dass das Thema bereits 2006 auf der Tagesordnung stand und man sich nach einem Architektenwettbewerb auf den Standort Oberer Graben geeinigt hatte.

"Ohne die Finanzkrise und dem massiven Einbruch der Gewerbesteuern hätten wir dort längst gebaut". Nun habe man das Projekt wieder herausgeholt und in diesem Moment habe die Familie Weisbach das generöse Angebot unterbreitet, das Gebäude am Mühlgraben der Stadt zu schenken. Oberdorfer nahm sich viel Zeit, den Weisbachs für "diese einzigartige Perle der sächsischen Industrie- und Manufakturgeschichte" zu danken. Doch dann sprach er Klartext. Eine tiefgründige Planung für beide Objekte sei nicht möglich, ohne die ab 2014 fließenden Fördermittel zu gefährden. Zur Verwunderung vieler Stadträte sagte Oberdorfer, er halte das vorliegende Konzept für ausreichend und passend für beide Standorte.

"Mein Herz schlägt für das Weisbachsche Haus, mein Verstand sagt mir, dass das Pegel zugunsten des Oberen Grabens ausschlagen sollte." Doch damit konnte er die Kritiker nicht ruhigstellen. Stadtrat Steffen Zenner (CDU) bekräftigte, was auch schon Mitglieder des Kulturausschusses zum Ausdruck gebracht hatten: Man wisse nicht wofür man sich entscheiden solle, zumal es für das Weisbachsche Haus kein schlüssiges Betreiberkonzept gebe. Rainer Maria Kett (SPD) sprach sich in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Vereins Deutsches Innovationszentrum eindeutig für den Oberen Graben als künftigen Standort aus.

"Mit einem Zukunftsprodukt, dessen Innovation man dokumentieren will tue ich mich schwer in ein Barockgebäude zu gehen", so Kett, der avisierte, dass der Verein sich nicht nur klar positioniere, sondern auch einen "finanziellen Eigenbetrag einbringen" werde. Würde die Entscheidung pro Weisbachsches Haus fallen, müsse sich "der Verein neu finden", so Kett. Diesen Wink mit dem Zaunpfahl hatte Zenner wohl verstanden und dankte Kett bissig für dessen "Lobbyarbeit". Und obwohl Oberdorfer mehrfach darauf hinwies, dass nicht über das Konzept sondern den Standort zu befinden sei und auch den Zeitfaktor immer wieder ins Rennen führte, blieb es dabei. Die Ausschussmitglieder verweigerten sich einer Abstimmung.