Spielplan wechselt täglich

Einen Blick hinter die Kulissen bietet das Theater Plauen-Zwickau regelmäßig an. Doch wer mal ins Büro des Generalintendanten schauen will, hat erst jetzt dazu Gelegenheit...

Von Torsten Piontkowski

Plauen Kurz nachdem feststand, dass der Vorhang im Theater für längere Zeit fällt als bis zur nächsten Vorstellung, machte sich das Ensemble Gedanken wie es denn wäre, wenn man statt der Besucher, die Künstler zum Publikum kämen - und zwar nach Hause. Damit war die Idee geboren, virtuell Stücke anzubieten. Und obwohl auch der normale Probenbetrieb vom Corona-Virus ausgebremst wurde, blieb er gewissermaßen "kurz über Null" erhalten. Beispielsweise filmt Ballett-Chefin Annett Göhre ihre Tanzschritte und Anweisungen, die die Tänzerinnen und Tänzer zu Hause proben. Denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt - in diesem Falle die Hoffnung, den Premierentermin für das Ballett "Vier Jahreszeiten" am 23. Mai doch noch irgendwie halten zu können.
Zunächst aber gab es zum Auftakt einen "Besuch" im Büro des Generalintendanten Roland May. Am 24. März stimmte er das Publikum darauf ein, dass Theater bis auf weiteres erst mal auf Youtube, Facebook und Instagram stattfindet. Und mittlerweile lässt sich sagen: mit gutem Erfolg. "Wir erreichen allein über Facebook um die 2000 Leute", sagt die Pressebeauftragte des Hauses, Carolin Eschenbrenner, die die Möglichkeit, sich das Theater via sozialer Medien nach Hause zu holen, auch regelmäßig bewirbt.
Die meisten Klicks verzeichneten allerdings jene, die sonst eher kaum im Rampenlicht stehen: Die Kolleginnen der Schneiderwerkstatt, die mit vielen fleißigen Helfern anderer Sparten Mundschutzmasken nähen. Wer daran interessiert ist, wie sich Sänger Wonjong Lee im Home Office stimmlich fit hält - ein Klick genügt. Und auch Nathalie Senf absolviert ihre Gesangsübungen unter ausdrücklich gewünschter Beobachtung der Facebooker und Youtuber. Im Schnellkurs Dramaturgie bekommt man Wissenswertes über "Die Strichfassung" vermittelt und das bereits erwähnte Ballett-Ensemble zeigt sich "vielköpfig". Mittels Klick kann man jeden einzelnen Tänzer bei der Arbeit zuschauen.
Wie schnell sich der "Spielplan" derzeit ändere? "Wir stellen jeden Tag neue Beiträge ins Netz und da sich die Mitglieder aller Sparten mit eigenen Clips beteiligen, ist die Vielfalt beachtlich", sagt Carolin Eschenbrenner. Auch interne Abläufe würden mittlerweile per Videoschalte geregelt, fügt sie an. Momentan wird gerade das Heiner-Müller-Stück "Krieg der Viren" gezeigt. "Tödlich der Menschheit ihre zu rasche Vermehrung, Jede Geburt ein Tod zu wenig Mord ein Geschenk", heißt es darin. Wird dem Zuschauer in heutigen Zeiten damit zu viel zugemutet? - Reinklicken lohnt allemal. Übrigens sollte gestern eine Vorstellung des Puppentheaters stattfinden: "Was macht man mit einem Problem?" Das Ensemble des Vogtlandtheaters hat darauf eine Antwort gefunden: Man löst es.