Spender schenkt neues Leben

Der 29. Mai wird Heidi und Dieter Langner der wertvollste Tag in ihrem gemeinsamen Leben bleiben. Das Knochenmark eines bislang unbekannten Spenders hat dem 66-Jährigen einen zweiten Geburtstag geschenkt.

Von Marjon Thümmel

Plauen - "Wir sind zutiefst berührt und so voller Dankbarkeit, dass es sich gar nicht mit Worten beschreiben lässt. Für meinen Mann wurde ein genetischer Zwilling gefunden und er hat bereits die Stammzellenspende bekommen", erzählte gestern Heidi Langner und auch, dass die Gefühle noch immer Purzelbäume schlagen. Als der 66-Jährige vor Weihnachten die Nachricht erhielt, dass er an einer hochriskanten Form von Blutkrebs erkrankt sei und nur durch eine Stammzellenspende zu retten sei, da brach für die Familie eine Welt zusammen. Über einen sehr emotionalen Facebook-Aufruf bat vor zwei Monaten Tochter Mary die Vogtländer, Freunde und Bekannte um Mithilfe, einen Spender für ihren Papa zu finden. Allerdings blieben auf Grund der medizinischen Möglichkeiten bei dieser Diagnose und in diesem Stadium nur etwa sechs Monate Zeit, den Lebensretter zu finden. Die beiden Kinder Marcel und Mary ließen sich ebenso typisieren wie die drei Schwestern von Dieter. Allerdings blieben die Chancen, helfen zu können, ungenügend. Bei vier großen Typisierungsaktionen in Oelsnitzer und Plauener Apotheken, beim Plauener Polizeirevier und in der Dekimed-Klinik hatten sich 500 Frauen und Männer registrieren lassen. Hinzu kamen noch Betriebe, die selbst solche Registrierungen mittels eines Stäbchen-Abstrichs organisierten. "Eine überwältigende Zahl, die nicht nur Hoffnung für Dieter brachte, sondern auch für all jene krebskranke Menschen weltweit, die auf eine Stammzellenspende hoffen", sagte Heidi Langner. Auch bei der Plauener Straßenbahn GmbH, wo sie als Marketingleiterin arbeitet, hatten die Kollegen bereitwillig eine Stäbchen-Probe abgegeben. 
 Und dann ging in den vergangenen zwei Wochen alles sehr schnell. Für Ende Mai hatten die Ärzte in Schöneck Dieter Langner eine leichte Chemotherapie angekündigt, die allerdings nur über maximal sechs Monate eine Stabilisierung seines Zustandes hätte garantieren können. Doch bei einer Kontrolle zuvor stellten die Mediziner eine rapide Verschlechterung der Blutwerte fest, was sofort eine starke Chemo nach sich zog. Die Situation wurde brenzlig. Fast zeitgleich kam aber die erlösende Nachricht: der genetische Zwilling ist gefunden. "Wir konnten uns noch nicht richtig freuen, weil noch immer ein großes Risiko bestand, ob Dieter die Chemo gut übersteht und ob der Spender auch gesund bleibt. Ich habe gesagt, ich freue mich erst, wenn das Knöpfchen für die Stammzellentransplantation eingeschaltet ist", blickt Heidi Langner auf die bangen Momente zurück. Eine Woche entschied über das Weiterleben. Dieter Langner hat diese Zeit in der Uniklinik Leipzig bei der Chemo, die sein Immunsystem im Eiltempo auf Null fuhr, gekämpft, der Spender wurde auf die Entnahme der Stammzellen medikamentös eingestellt. Und dann rückte der Tag der Transplantation heran - der vergangene Mittwoch. "Unsere Nerven waren zum Zerreißen angespannt. Die Angst, dass der Spender plötzlich erkranken könnte, absagen oder etwas anderes dazwischen kommen würde, war kaum auszuhalten. Ein Abbruch zu diesem Zeitpunkt wäre für Dieter das Todesurteil gewesen. Ohne zu wissen, wann die Transplantation sein wird, habe ich bei meinem Besuch in Leipzig genau den Moment miterleben können, als der Arzt mit dem kleinen Beutel voller neuem Leben zur Tür der Isolierstation hereinkam. Dieter und ich haben uns ganz festgehalten, als der erste lebenswichtige Tropfen durch die Kanüle in seinen Körper gelangte. Es war der wertvollste Moment in unserem Leben", schildert Heidi Langner mit den Tränen kämpfend. Drei Stunden hat die Stammzellen-Übertragung gedauert. "'Jetzt haben wir ein neues Familienmitglied‘, hat mein Sohn gesagt und unsere unendliche Dankbarkeit für den Spender auf den Punkt gebracht", sagt Heidi Langner. Nach zwei Jahren und wenn es der Spender will, können sie seinen Namen erfahren. "Wir möchten ihn unbedingt kennen lernen, egal wo er lebt", fügt sie hinzu. Die nächsten drei Wochen werden zeigen, ob Dieters Körper die Spende problemlos annimmt. "Dieter kämpft wie verrückt, sein Körper wird täglich stärker und die Ärzte sind sehr zufrieden. "Wir hatten das große Glück, gerade noch rechtzeitig den passenden Spender gefunden zu haben, und können nicht annähernd mit Worten ausdrücken, was das für uns heißt. Für meine Mama, meinen Bruder und mich sowie unsere Partner und seine Enkelkinder. Wir haben in dieser Zeit unglaublichen Zuspruch und Kraft erfahren und möchten uns aus tiefstem Herzen bedanken", schreibt Mary per Internet an alle.