Spender für Clemens aus Reichenbach gefunden

Seit Montagmorgen ist klar: Es gibt einen Knochenmark-Spender für den neunjährigen Clemens aus Reichenbach. "Heute ist ein wirklich schöner Tag", freut sich Vater Lutz Schreiter. Am 28. Juli schon soll die Transplantation beginnen. Familie Schreiter jubelt still vor Glück.

Reichenbach - Woher der Spender kommt, ob Mann oder Frau, wie alt er ist oder welchen Beruf er ausübt: All das wissen die Schreiters nicht, Auskunft gibt es von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei keine. Nach den Gesetzlichkeiten in Deutschland bleiben Organ- sowie Knochenmarkspender und der Empfänger gegenseitig anonym. Erst nach zwei Jahren dürfen sich Lebensretter und Gerettete kennen lernen - aber nur, wenn beide das wollen. So weit, um darüber nachdenken zu können, sind die Schreiters noch lange nicht.

Für die Eltern zählt jetzt nur, dass Clemens so schnell wie möglich wieder gesund wird. Clemens leidet an MDS, ähnlich einer Blutkrebs-Erkrankung. Ihm fehlen rote und weiße Blutkörperchen und auch Blutblättchen. Weil sein Blut nicht intakt ist, musste Clemens fast wöchentlich nach Jena an die Uni-Kinderklinik und gesunden "Lebenssaft" übertragen bekommen.

Auf lange Frist aber kann Clemens nur eine Knochenmarkspende helfen. Die ist nun ganz nahe gerückt. "Der Clemens? betreuende Professor hat meiner Frau am Montagmorgen verkündet, dass ein Spender gefunden ist. Dass das so schnell geht, hätten wir nicht gedacht", sagt Lutz Schreiter optimistisch.

Ob der Spender aus den Reihen der fast 2.000 Menschen stammt, die sich am 20. Juni in der Reichenbacher Turnhalle an der Cunsdorfer Straße typisieren ließen, ist, wie gesagt, nicht gewiss. Lutz Schreiter: "Wir wissen nur, dass das Spenderprofil in zehn von möglichen zehn Punkten mit der Genetik von Clemens übereinstimmt. Besser geht es nicht."

Seit Freitag befindet sich Clemens wieder in der Jenenser Kinderklinik. Dem Sohn gehe es den Umständen entsprechend gut, so die Eltern. In den nächsten Tagen wird Clemens per Komplett- Check auf die bevorstehende Transplantation vorbereitet. "Es werden Tests gemacht, Gehirnströme gemessen, Clemens muss zu Augen-, Ohrenarzt und anderen Spezialisten", zählt sein Vater auf.

Etwa eine Woche vor der Transplantation muss sich Clemens einer Konditionierungstherapie unterziehen. Per Chemotherapie werden aus seinem Knochenmark die Krebszellen bekämpft, so dass der Körper des Jungen danach kaum noch eigenes Blut bilden kann. In Dresden werden dem Spender Stammzellen aus dem Blut oder Knochenmark entnommen. Die Spender- Stammzellen gelangen schließlich über eine Vene in den Blutkreislauf des Empfängers.

Nun hofft Familie Schreiter, dass der Körper ihres Sohnes die Spender-Stammzellen annimmt und der Krebs besiegt werden kann. Die schlimme Zeit wird Mutti Evelyn an Clemens Seite auf der Isolierstation verbringen. Währenddessen gehen verschiedene Geld-Spendenaktionen für die erfolgte Typisierung weiter.