SPD-Abgeordnete wollen Papst-Rede boykottieren

Düsseldorf/Plauen - Mehrere Bundestagsabgeordnete der SPD, unter ihnen auch der vogtländische Abgeordnete Rolf Schwanitz, wollen offenbar die Rede von Papst Benedikt XVI. am 22. September im Bundestag boykottieren.

In einer geplanten Erklärung werfen die Politiker dem Oberhaupt der katholischen Kirche "Missionierung" und eine Mitschuld an der Unterdrückung von Millionen Menschen vor. Das geht aus dem Textentwurf des Abgeordneten Rolf Schwanitz (SPD) hervor, der der in Düsseldorf erscheinenden Rheinischen Post vorliegt. Der Abgeordnete aus Plauen ist Sprecher der Arbeitsgruppe "Laizisten in der SPD".

"Wir lehnen die dem Papst eröffnete Möglichkeit einer Rede vor dem Bundestag ab und werden uns an diesem Ereignis nicht beteiligen", heißt es in dem Entwurf, der dem Bericht zufolge an 146 Abgeordnete mit der Bitte um Unterzeichnung verschickt wurde. Die Rede des Papstes sei mit dem "Grundsatz der religiösen Neutralität des Staates unvereinbar." Der Bundestag werde als "schmückendes Beiwerk" missbraucht. Das Parlament sei aber kein Ort der "religiösen Missionierung", schreibt Schwanitz. In dem Anschreiben betont der Abgeordnete, dass "weitere Mitglieder der SPD-Bundestagsfraktion nicht bereit sein werden, als Auditorium für die Plenarrede des Papstes zur Verfügung zu stehen".

Der Papst besucht vom 22. bis 25. September Deutschland. Stationen seiner Reise sind Berlin, das Bistum Erfurt und Freiburg. Neben Papstmessen im Berliner Olympiastadion und auf dem Freiburger Flughafengelände ist auch eine Begegnung mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Erfurter Augustinerkloster geplant. Die viertägige Reise ist der erste offizielle Besuch von Benedikt XVI. in seiner deutschen Heimat. 2005 war er beim Weltjugendtag in Köln zu Gast. Seine Reise nach Bayern im Jahr darauf hatte er als privat bezeichnet. va