Sparkasse Vogtland: Mit Augenmaß durch die Krise

Banken und Sparkassen befinden sich in der Corona-Krise gewissermaßen im Epizentrum der Verwerfungen. Und so präsentierte die Sparkasse Vogtland zwar gestern die Zahlen für das Jahr 2019, doch die Schatten der derzeitigen Situation waren allgegenwärtig.

Von Torsten Piontkowski

Plauen Obwohl man das ganze Ausmaß noch gar nicht so wahrnehme, handele es sich um den stärksten Konjunktureinbruch seit dem II. Weltkrieg, machte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Vogtland, Marko Mühlbauer, zu Beginn des Pressegespräches aufmerksam. Und davon nehme er sein eigenes Haus, dessen Bilanz für 2019 eine insgesamt durchaus gute sei, nicht aus. Derzeit habe man für 800 Kunden die Tilgung ausgesetzt, hinsichtlich der Rückstände befinde man sich auf einem historischen Tiefststand. Während die einen eine sogenannte "V"-Entwicklung prognostizieren - also schneller Abschwung, gefolgt von ebenso schnellem Aufschwung - seien andere überzeugt, dass die Pleitewelle noch bevorstehe.
Rückblickend für die Jahre 2013 bis 2019 konstatierte Mühlbauer ein von 1,2 auf 1,9 Milliarden Euro gestiegenes Kreditvolumen - eine Erhöhung um 58 Prozent. Und auch das Vertrauen der Kunden sei ungetrübt, deren Einlagen sich ebenfalls von 2,4 auf 2,8 Milliarden erhöhten. Gleichzeitig habe man einen konsequenten Risikoabbau betrieben. Diese Berechnungen, so Mühlbauer basieren auf einem "simulierten Risiko" nach der Annahme "was passiert, wenn Situation X eintritt". "Wir haben auf der Risikoseite die Luft rausgelassen", beschreibt Mühlbauer die Reduzierung von 171 auf derzeit 61 Millionen Euro.
Kein Hehl machte der Vorstandsvorsitzende auch aus der Tatsache, dass "Filialen ausgedünnt" wurden und zwar auf derzeit 27 Geschäftsstellen im gesamten Vogtland. Zudem seien noch 15 mobile Fahrzeuge, die sogenannten Zasterlaster", unterwegs. Geradezu auf eine Zeitreise in die 90er Jahre begab sich Mühlbauer beim Vergleich der Mitarbeiterzahlen. Von 1996 fast 1000 Mitarbeitern der Sparkasse schmolz deren Zahl auf gegenwärtig 461 (Teilzeitstellen in Vollzeitarbeit umgerechnet). Zudem würden altersbedingt ausscheidende Mitarbeiter in den nächsten Jahren nicht ersetzt, machte Mühlbauer auf ein weiteres Einsparpotential aufmerksam.
Obwohl die Eigenmittel - Ausdruck der Stabilität des Hauses - um 44 Prozent im Zeitraum 2013 bis 2019 gewachsen sind, plagt den Chef das dennoch um 14 Prozent gesunkene Betriebsergebnis aufgrund der Zinsentwicklung, die sich seit zehn Jahren permanent negativ gestalte. "Mir fehlt schlichtweg die Phantasie für Zinserhöhungen", sprach Mühlbauer Klartext. Ein deutlicher Abwärtstrend denn auch bei den Zinsüberschüssen, von denen ein Geldhaus ja eigentlich "lebt". Sie gingen von 70 Millionen auf 54,5 im Vorjahr zurück - ein Absturz um 23 Prozent. "Diese 16 Millionen fehlen und da war 2019 noch eher ein gutes Jahr, so der Sparkassenchef. Als "Erfolgsstory in einem schwierigen Umfeld" bezeichnete Mühlbauer die um 13 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro gestiegene Bilanzsumme. Und als Fazit des Jahresabschlusses 2019 konstaierte er, dass man auch künftig auf Gedeih und Verderb von den Zins- und Kapitalmärkten abhängig sei.
Den Ist-Zustand präsentierte Vorstandsmitglied Martina Birner, die zunächst darstellte, wie das Haus selbst durch die Hochphase der Corona-Krise gekommen sei. Nach zwei bestätigten Infektionsfällen habe man ein Präventionsteam gebildet und alle denkbaren Hygienemaßnahmen ergriffen.
Keine Filiale musste geschlossen werden, seit Mai erfolgt auch wieder eine direkte Beratung - Kunde und Bankmitarbeiter durch eine Plexiglasscheibe getrennt. Im März habe man täglich bis zu 2000 Kundenanrufe registriert.
Dieser Monat stehe auch dafür, dass "Bargeld zum neuen Freund des Kunden" wurde - es wurde 15 Prozent mehr Bares abgehoben als üblich.
Momentan, so Birner wurden 111 Anträge auf Liquiditätshilfe mit einem Gesamtvolumen von rund 55 Millionen Euro gestellt. Ratenaussetzungen wurden in 783 gewerblichen und privaten Fällen gewährt. 26 Zusagen gab es für KfW-Förderkredite, SAB-Kredite bezieht die Statistik noch nicht ein.
Und wenn schon das Kerngeschäft der Sparkasse derzeit coronabedingt leidet - in Sachen Nachhaltigkeit habe man durchaus Positives erreicht. Nicht nur der Fuhrpark der Sparkasse schmolz auf elf Fahrzeuge um fast die Hälfte, durch Online-Banking der Kunden wurden 50 Prozent der bisherigen Menge an Kontoauszugsdrucken eingespart und zudem fühlen sich auf dem Außengelände auch noch fünf Bienenvölker wohl. 2019 wurde die Sparkasse Vogtland zur nachhaltigsten Deutschlands gekürt.
An über 400 Vereine der Region flossen im Vorjahr eine Million Euro, um deren Projekte zu unterstützen.
Und noch eine Zahl am Rande: In der Führungsebene überwiegen mittlerweile die weiblichen Managerinnen gegenüber den Herren der Schöpfung.