Sparkasse Vogtland gewährt Kredit-Zahlungsaufschub

Wer nicht gerade von permanentem Fernweh geplagt ist, beginnt irgendwann zumindest darüber nachzudenken - die eigenen vier Wände.

 

Und wer es sich finanziell leisten kann und in seiner Lebensplanung einen Ortswechsel relativ zuverlässig ausschließen kann, wird Häuslebauer, oder lässt bauen. 18 Prozent der Wohnungen in Sachsen sind laut Statistik Einfamilienhäuser - 415 000 befinden sich zwischen Bad Brambach und Görlitz, meist an den Stadträndern oder in ländlicher, oft idyllischer Gegend. Angang 2009 lagen für das laufende Jahr 635 Bauanträge für Ein- und Zweifamilienhäuser vor. Und noch einen Wert verrät die Statistik: Bis sich der Traum von den eigenen vier Wänden seit dem ersten Spatenstich erfüllt hat, vergehen durchschnittlich 15 Monate.

Gemeinhin gelten Menschen mit Eigenheim als beneidenswerte Zeitgenossen - immerhin lernen die Deutschen beizeiten, dass die eigene Immobilie auch als gute Altersvorsorge dient. Jahrelang konnten nahezu bedenkenlos Kredite aufgenommen werden, galt das Wohnen auf Pump als relativ risikolos. Dann kam die Krise und nicht nur in den USA blicken zunehmend mehr Häuslebauer sorgenvoll auf ihr Konto, das aufgrund verschiedener Umstände wie beispielsweise Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit bedrohlich in Schieflage geraten ist.

Das ist in Sachsen so und natürlich auch im Vogtland. Um ihren Kunden zumindest etwas Luft zu verschaffen, entschieden sich in letzter Zeit verschiedene sächsische Sparkassen einen Zahlungsaufschub zu gewähren. Diesem freiwilligen Moratorium der Banken und Sparkassen schloss sich nun auch die Sparkasse Vogtland an, wie unsere Zeitung auf Nachfrage erfuhr. "Kunden, die aufgrund der Wirtschaftskrise in eine Notlage geraten sind und ihre Kredite nicht mehr bedienen können, genießen weiterhin das Vertrauen unseres Insituts", sagt Pressesprecherin Ivonn Lerchner.

 

Gemeinsam mit dem Kundenberater könnten individuelle Lösungen gefunden und Vereinbarungen getroffen werden, um einen Zahlungsaufschub bei Darlehen zu gewähren, signalisiert Lerchner an Eigenheimbesitzer, denen das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals steht. Voraussetzung: Das Haus- und Wohneigentum muss selbst genutzt werden. Ihr Rat: Betroffene sollten sich frühzeitig mit der Sparkasse in Verbindung setzen und ihre Situation offen darlegen. Der Antrag auf Tilgungsaussetzung muss schriftlich gestellt werden.

 

Doch ist es überhaupt sinnvoll, nach diesem vermeintlich letzten Strohhalm zu greifen? Wenn der Zahlungsaufschub dazu diene, die Situation in einem abgesteckten Zeitrahmen und mit einem neu angepassten individuellen Finanzplan wieder zu ordnen, sei das durchaus sinnvoll, macht die Fachfrau Mut. Und bringt zugleich etwas hellere Töne ins vermeintlich derzeitige Grau.

 

Eine akute Finanznot der vogtländischen und Plauener Häuslebauer sei nicht zu erkennen. Vorwiegend handle es sich um kurzfristige - beispielsweise durch Kurzarbeit - hervorgerufene Schwierigkeiten. Und auch die Menschen selbst scheinen nicht in Pessimismus zu verfallen. Die Anträge für Kredite an Privatpersonen entsprechen dem Vorjahresniveau, wenngleich sie aktuell mehr Modernisierungsmaßnahmen dienen. Momentan übrigens sei es aufgrund des niedrigen Zinsniveaus günstig, eine längere Zinsbindung zu vereinbaren. Per 30. Juni erhielten Privatkunden der Sparkasse Vogtland Kreditzusagen in Höhe von 577,7 Millionen Euro. tp