Sorgentelefon Plauen wichtige Institution

Plauen - Die Nummer gegen Kummer - 0800/1110333 - feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Auch in Plauen ist das Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche seit 16 Jahren zu einer wichtigen Institution geworden.

 

Hier befand es sich von Anfang an in den Händen des Deutschen Kinderschutzbund. 107 lokale Träger sind derzeit verzeichnet und unterstehen der "Nummer gegen Kummer" als Dachverband.

7231 Anrufe gab es 2009 in der vogtländischen Stadt. Dabei gibt es keine vorgeschriebene Gesprächsdauer, über 50 Prozent dauern laut Statistik meist nicht länger als fünf Minuten. Nur 26 Prozent dauern zehn Minuten und weniger als zehn Prozent über 15 Minuten. "In Einzelfällen wird aber auch schon mal eine Stunde geredet", weiß Karina Teichmeier, die selbst seit 2004 als Beraterin tätig und seit Januar die neue Koordinatorin des Ganzen ist. Zehn Jahre hat sich Kerstin Thoß um alle Belange gekümmert, in deren Fußstapfen die 34-Jjährige nun tritt.

 

Als Studentin für Erziehungswissenschaft/Pädagogik verbringt die Plauenerin noch einen Großteil der Woche in Jena. Mit der Aufgabe identifiziere sie sich sehr, es entspreche dem was sie tun möchte und wäre für sie auch auf lange Sicht vorstellbar. Ein Großteil der Telefonate werde mit 13- bis 14-Jährigen geführt, obwohl die Spanne vom achtjährigen Kind bis zum 25 Jahre jungen Erwachsenen reiche.

Ziel sei bei allen Gesprächen die emotionale Entlastung, sowie eine mögliche Problemlösung. Bei Bedarf werden auch Hilfsangebote vor Ort oder Beratungsstellen genannt. "Es ist wichtig, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen oder einfach zurück zu gewinnen und gemeinsam mit der Beraterin nach einer Lösungsstrategie zu suchen. Hilfe zu Selbsthilfe sozusagen. Natürlich bleibt alles ganz anonym. Es steht jedem frei, beispielsweise das Alter oder den Wohnort zu nennen", so Teichmeier.

 

Vor wenigen Tagen kam Verstärkung ins Team. Sieben neue Beraterinnen, von insgesamt 23, sind nun ehrenamtlich mindestens vier Stunden im Monat tätig. Ein halbes Jahr lang habe die Ausbildung gedauert. Innerhalb von 100 Stunden werden Themen wie Partnerschaft oder Gewalt besprochen. Außerdem können sich Gesprächstechniken angeeignet werden.

Wichtig sei es immer den "Auftrag" im Kopf zu behalten um auch wirklich Hilfeleistung geben zu können. Für Ende Mai steht für die Mitarbeiterinnen eine Weiterbildung in Sachen "Web-Sorgen" an. Immer häufiger kommen Fragen zu Freundschaften im Netz oder die Selbstdarstellung im Internet. Auch Onlinespiele oder gewisse Foren könne für Kinder und Jugendliche verwirrend sein. Mobbing habe durch die virtuelle Welt ganz neue Dimensionen angenommen.

 

Karina Teichmeiers Vision ist die noch engere Verstrickung des Netzwerks. "Ich stelle mir zum Beispiel vor, alle Vertreter von Beratungsstellen einzuladen um die Abläufe besser kennenzulernen und zu verbinden." Natürlich wird auch immer wieder nach Verstärkung im Team gesucht. Dabei wäre der Wunsch nach einem männlichen Berater groß. Immer wieder werde von Jungen, die anrufen danach gefragt, bisher habe sich aber kein Mann für diese wichtige präventive Maßnahme gewinnen lassen.  S. Rössel