Sorge um Vater in der Lombardei

Normalerweise steht Francesco Riccardi als Ballett-Tänzer auf der Bühne des Theaters Plauen-Zwickau und erfreut mit seinen grazilen Bewegungen und gekonnten Tanzdarbietungen die begeisterten Besucher des Musentempels in der Spitzenstadt. Derzeit aber gibt es für ihn nichts zu tun.

Von Ingo Eckardt

Plauen  Das Theater hat seine Türen wegen der Corona-Krise geschlossen. Riccardi ist zu Hause und gleichzeitig natürlich in Sorge, denn er stammt aus der Lombardei, der Region Italiens, die am stärksten von der Pandemie betroffen ist. Derzeit überschlagen sich die Meldungen über viele Todesfälle in der dortigen Region.
"Mein Vater lebt in der Lombardei. Ich telefoniere jeden Tag mit ihm. Es ist schon krass, was dort gerade abläuft. Mein Vater hat mir erzählt, dass die Leute das Virus anfangs nicht als ernste Gefahr wahrgenommen haben. Das hat sich sehr deutlich geändert. Es sind mittlerweile viele Infizierte im Umfeld. Ohne, dass die Regierung was sagte, blieben die Leute erst einmal zu Hause, trugen in der Öffentlichkeit Mundschutz, um Ansteckung zu vermeiden", erzählt der Ballett-Tänzer. Mittlerweile gäbe es strengste Ausgangsbeschränkungen. "Menschen dürfen nur noch allein nach draußen, auch zum Einkaufen. Verwandtenbesuche - selbst innerhalb der Stadt - sind nicht mehr erlaubt. Das ist für viele Leute ein großes Problem. Die Polizei kontrolliert das sehr streng seit zwei, drei Wochen", so Riccardi. Um seinen Vater, der eine Vorerkrankung hat, macht sich der Tänzer weniger Sorgen. Er kenne seinen Vater, der auf die Beschränkungen hören würde. Riccardi: "Er ist ganz sicher kein unvernünftiger Mensch."
Der Tänzer selbst fühlt sich in seiner Wohnung derzeit ein wenig eingesperrt. "Für mich ist es nicht einfach, wir dürfen ja nicht mehr zusammen trainieren, Proben und Vorstellungen sind abgesagt. Aber ja, man muss das jetzt aushalten, die derzeitigen Beschränkungen sind gut und richtig - und hoffentlich rechtzeitig, dass es nicht so wie in Italien ausgeht", schätzt Riccardi die Situation realistisch ein. Er denke in eine positive Richtung. Nach ein paar Wochen werde bestimmt alles wieder normal weiter gehen, hofft Riccardi. "Ich mache mein Training täglich in der Wohnung, die ich mir mit meiner Freundin, die ebenfalls Tänzerin ist, teile. So können wir zusammen trainieren, was es für uns beide leichter macht. Und natürlich ist es gut, wenn man jemanden hat, mit dem man reden kann. Wenn man allein zu Hause sitzen würde, wäre das sicher sehr traurig", erzählt Francesco Riccardi. Wenn man unterwegs sei, merke man es schon ganz deutlich, dass auch bei uns mittlerweile weniger Menschen auf der Straße unterwegs sind.