Sorge im Vogtland: Mopedschein mit 15 in Gefahr

"Paul ist 15 und möchte Moped fahren lernen. Dumm, dass dies nur noch bis April möglich sein soll." Mit dieser Kampagne drängt die sächsische CDU-Landtagsfraktion mit dem vogtländischen Abgeordneten Frank Heidan auf die Verlängerung des Modells "Mopedführerschein mit 15". Teenager und Eltern unterstützen das.

Plauen - "Es wird Zeit, dass in Berlin mal jemand aufwacht", sagt Heidan ungeduldig. Durch Zufall wurde der Plauener kürzlich von Fahrschulen auf das per 30. April 2018 in den neuen Bundesländern auslaufende Modell "Moped fahren mit 15" aufmerksam gemacht. Kurz drauf ging Heidan in die Spur.

Nicht nur, weil er sich an seine eigenen Jugendjahre auf dem Moped erinnert. "Mit zwölf sind wir schon schwarz auf dem Feld und auf dem Exerzierplatz gefahren, mit 15 war ich legal mit meiner MZ RT 125/3 unterwegs." Heute sei Mobilität mehr denn je wichtig. Benachteiligt seien da vor allem junge Leute vom Land, die ohne Moped oft nicht zur Schule oder den Ausbildungsbetrieb kommen.

Ähnlich sehen das Vogtländer, die Heidans Vorstoß bis auf wenige Ausnahmen begrüßen. "Meine Tochter ist betroffen und stinksauer über die Entscheidung", schreibt Claudia Petzold und verweist darauf, dass die Kinder doch so schnell wie möglich selbstständig werden sollen.

"Mein Kind betrifft es, sie will unbedingt mobil sein, auf dem Land ist das einfach wichtig", so Manuela Bartusch und Daniela Wappler fordert: "Gebt der Jugend das Stück Freiheit und Vertrauen."

In der Frage "Mopedschein mit 15" sei man sich auch mit dem sächsischen Koalitonspartner, der SPD, schnell einig gewesen, lobt Heidan. Wirtschaftsminister Martin Duligs (SPD) Part ist es derzeit, beim Bund den Weg für die Fortsetzung des Moped- Modells zu ebnen und die Staatsregierung zum Handeln aufzufordern. Am 14./15. März soll der Mopedführerschein mit 15 Teil der Debatte der sächsischen Plenarwoche sein.

Dass nun auch Sachsens Landespolitiker für "Moped - Pro 15" wirbeln, lässt Andreas Grünewald, Chef des Landesverbandes Sächsischer Fahrlehrer, hoffen. Seit vorigem Sommer klopfe man an die Türen des Bundesverkehrsministeriums und ist dort auf Ablehnung gestoßen. Grünewald spricht von Verwirrspiel und politischen Befindlichkeiten aus den alten Ländern, die, so glaubt er, das Modell lieber sterben sehen wollen.

Dabei gibt es für "AM 15", die offizielle Bezeichnung des Mopedscheins Klasse AM, auch Befürworter aus dem "Westen": So sprachen sich im Herbst 2017 die Verkehrsminister aller Länder dafür aus, gleichfalls der Bundesverband der Fahrlehrer und die DEKRA.

Die Empfehlung: "Moped mit 15" auch für die alten Länder zu übernehmen. Denn zeitiges Mopedfahren habe sich bewährt. In den letzten fünf Jahren gab es in Sachsen keinen tödlichen Unfall mit 15-jährigen Mopedfahrern. Die Zahl der Leichtverletzten stieg von 2013 auf 2016 von 12 auf 53, die der Schwerverletzten von 2 auf 24. Das sei jedoch kein Vergleich zu Fahrradunfällen, so Grünewald.

Ein weiteres Ärgernis für Grünewald: Es ist noch nicht einmal sicher, ob das Modell nicht doch fortgeführt wird, da nehmen Sachsens Zulassungsstellen im vorauseilenden Gehorsam schon keine Führerscheinanträge von knapp 15-Jährigen an.

Hier handele die Zulassungsstelle des Vogtlandkreises auf Anweisung von Staatsministerium Landesamt für Verkehr und Straßenbau, so des Kreises Verkehrsamtsleiterin Constanze Spranger. Anträge auf "AM 15" werden dort nur noch bearbeitet, wenn der Bewerber bis zum Ablauf des Modellversuchs (30. April!) das Mindestalter von 15 Jahren erreicht habe und wenn in Aussicht steht, dass der Führerschein bis dorthin erteilt werden kann. Diese Vorgehensweise verärgert und verunsichert die Fahrschulen.

Ohne Grünes Licht von der Behörde könnten die Jugendlichen keinen Mopedfahrschulkurs besuchen, beklagt Ramona Schubert von gleichnamiger Plauener Fahrschule. Wer schon 15 ist und noch den Schein machen will, muss sich eilen.

Acht Wochen dauert ein Kurs im Schnitt. Praktisch gefahren werden dürfe erst ab Temperaturen von 7 Grad. Bei straffem Winter ein No-go. Seit dem Modell habe sich die Zahl der 15-Jährigen, die Klasse "AM" (bis 45 Km/h Geschwindigkeit) ablegen, in ihrer Fahrschule verdreifacht. Ramona Schubert verhehlt nicht, dass die Fahrerlaubnis mit 15 auch eine gute Einnahmequelle für Fahrschulen sei.

Dürfte man künftig erst ab 16 fahren, würden sich für viele die Moped- Klasse A 1 (über 45 Km/h) eher lohnen als die AM. Im Vogtland hat man von 2013 bis 13. Februar 2018 2048 Moped-Fahrerlaubnisse (AM) erteilt, davon 1586 an 15-Jährige. "Moped mit 15 ist eine gute Sache, hat sich bewährt. Besser, als wenn die Kinder schwarz fahren", sagt auch Harald Nahrendorf von der Kreisverkehrswacht Vogtland. Cornelia Henze