Sonniger Tag für die "Goldene Sonne"

Oelsnitz - Der Gingko-Baum steht für Langlebigkeit und langsames Wachstum. Das symbolträchtige Gewächs gab es am Montag als Geschenk der VR Bank zum 1. Spatenstich an der Goldenen Sonne in Oelsnitz.

 

Die Volkssolidarität Plauen/Oelsnitz will das historische Gaststättengebäude an Rosa-Luxemburg-Straße und Rudolf-Breitscheid-Platz in einem Jahr zum Mehrgenerationenhaus umbauen. Schon 2006 hatte der Wohlfahrtsträger das Anwesen mit Park von der Stadt erworben. Vorstandswechsel und Umplanung verzögerten die Arbeiten.

VS-Geschäftsführerin Sabine Schwarz sprach vom "überzeugenden Konzept", nach dem verschiedene Generationen unter einem Dach zusammen leben werden. Die Sozialstation aus der Otto-Riedel-Straße mit Krankenpflege, Hauswirtschaftsdienst und Demenzberatung sowie das Jugendfreizeitzentrum der Stadt ziehen ein. Wohnungen für ältere Menschen mit Pflegebedarf entstehen, zwei Mietwohnungen, ein Café mit öffentlichem Treff, Gemeinschaftsräume, die von Jung und Alt genutzt werden können.

Das Mit- und Füreinander, Nachbarschaftshilfe und Toleranz will die Volkssolidarität fördern. Der Bedarf an neuen Wohnformen sei gegeben. Denn im Vogtland steige die Anzahl von pflegebedürftigen Alten überdurchschnittlich - die immer seltener von der Familie aufgefangen werden können. Für diese Menschen sind 16 Wohneinheiten mit zwei Wohngruppen vorgesehen. Der Standort des Mehrfamilienhauses in Oelsnitz zeichne sich durch Zentrumsnähe, kurze Wege und Einkaufsmöglichkeiten aus. Geplant ist eine Investition von rund 2,1 Millionen Euro. Die Finanzierung wird von der VR-Bank Hof unterstützt. Im Sommer 2010 soll das Haus übergeben werden. "Es wird Oelsnitz aufwerten und das Stadtbild verbessern", ist sich Schwarz sicher. Der Goldenen Sonne - der Name bleibt - prophezeite sie "sonnige Zeiten".

Das Modell der Wohnpflegegruppen praktiziert die Volkssolidarität seit 2006 in Plauen - "mit großem Erfolg". Sie hoffe nun, dass diese Form auch in Oelsnitz gut angenommen werde, sagte Schwarz. Der Wohlfahrtsträger hatte 2008 die Ausschreibung für das Mehrgenerationenhaus im Vogtlandkreis gewonnen. Rund 500 dieser Einrichtungen, die vom Bundesfamilienministerium gefördert werden, gibt es deutschlandweit, informierte die Geschäftsführerin. Eine Reihe von Angeboten werden bereits in der Otto-Riedel-Straße realisiert, dem provisorischem Standort des Mehrfamilienhauses. Über dessen Zukunft sei noch keine Entscheidung gefällt, äußerte Schwarz auf Anfrage. Möglicherweise werde er als Stützpunkt erhalten.

Mit dem Umbau der "Goldenen Sonne" kehrt die Volkssolidarität an ihre Wurzeln zurück. Von 1972 bis 1996 hatte sie hier ihr Domizil und betrieb einen gut besuchten Altenclub. Als Jugendfreizeitzentrum und "Königreichssaal" der Zeugen Jehovas erlebte das Haus dann Intermezzi, während die Mauern immer mehr verfielen. Die Geschichte aufbewahren will Professor Wolf Eisentraut, der Verfasser des Architektenentwurfs.

Die denkmalgeschützte Grundstruktur des Hauses von 1862 soll erhalten bleiben. "Diese Arbeit war eine schwierige", meinte er - bedingt durch die Vielfalt der Funktionen. Beim Bauen werde es auch nicht einfach. Summa summarum: "ein ehrgeiziges Vorhaben". Ausführunsgplanung, Bau-Überwachung und Tragwerksplanung liegen in den Händen des Oelsnitzer Diplomingenieurs Andreas Seidel, dessen Büro nur einen Steinwurf von der Baustelle entfernt ist. Generalauftragsnehmer ist die Unger GmbH aus Weischlitz. Vorwiegend Firmen aus der Region sollen zum Einsatz kommen, sagte Schwarz.

Erleichtert zeigte sich Oberbürgermeisterin Eva-Maria Möbius. Die stadtbildprägende "Sonne" sei das Sorgenkind gewesen. "Wir haben gehofft und gebangt", blickte die OB zurück Große Teile des erneuerten Gebäudes will die Stadt von der Volkssolidarität für das Jugendfreizeitzentrum "abmieten" - die Stadt bleibt also Träger der Einrichtung.

Die zahlreichen Gäste auch aus dem Stadtrat zog es schließlich in die dumpf riechende Unterwelt. Die beiden eindrucksvollen Tonnengewölbe mit ihrem Natursteinmauerwerk sollen als Clubräume für die Jugend genutzt werden. Trotz der maroden Decke wagten sich die Leute noch in den einstigen Tanzsaal im ersten Stock, der zu Wohnungen umfunktioniert wird. Eine Zwischendecke wird eingezogen, die gut gegliederten, großflächigen Fenster bleiben erhalten, informierte Andreas Seidel. R. W.