Solche Männer braucht Plauen

Das halbe hundert Plauener Bürger, die bisher mit der Stadtplakette geehrt wurden, ist voll. Am Dienstag erhielten Matthias Bartsch und Wilfried Spranger für ihr ehrenamtliches Engagement die hohe Auszeichnung während eines Festaktes im Vogtlandkonservatorium verliehen.

Plauen - Es ist alljährlich nicht nur für die Geehrten, die diese Auszeichnung auf Vorschlag der Stadträte erhalten, eine feierliche Stunde. Auch die Anwesenden prägen den Festakt, befinden sich doch unter ihnen nicht wenige, die in den vergangenen Jahren bereits mit der Stadtplakette oder gar der Ehrenbürgerschaft der Stadt ausgezeichnet wurden.

Am Dienstag konnten Matthias Bartsch, der über zehn Jahre als Superintendent in Plauen wirkte und Wilfried Spranger, langjähriger Bürgermeister und später Ortsvorsteher von Neundorf, für ihr Engagement geehrt werden. Ohne Ehrenamtler in den verschiedensten Bereichen könne eine Stadt nicht funktionieren, hatte Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer eingangs betont, nachdem er die Bundestagsabgeordneten Yvonne Magwas und Robert Hochbaum (CDU), den christdemokratischen Landtagsabgeordneten Frank Heidan, die Fraktionsvorsitzenden der im Stadtrat vertretenen demokratischen Parteien, Ehrenbürger Prof. Klaus Waldmann sowie viele bisherige Stadtplakettenträger begrüßt hatte. "Und alle die noch keine haben: Lassen Sie nicht locker", fügte er gewohnt humorvoll hinzu.

Gesicht und Stimme des Runden Tisches

Die Laudatio für Matthias Bartsch hielt Dieter Rappenhöner von der Fraktion SPD/Grüne, die den entsprechenden Vorschlag auch eingebracht hatte. Rappenhöner reflektierte zunächst die Entwicklung des 1953 in Zschopau als Pfarrerssohn geborenen Bartsch. Der habe das Pfarrhaus schon früh als "ziemlich geschützten Raum" empfunden, entzog er sich doch der Jugendweihe ebenso wie mit etwas Glück dem Militär - er wurde ausgemustert.

Wäre das nicht geschehen, hätte Bartsch eine Zeit als Bausoldat in seiner Biografie vermerkt. Rappenhöner ließ die Zeit Bartschs als junger Pfarrer in Wildenhain bei Großenhain Revue passieren, richtete das Hauptaugenmerk seiner Laudatio aber natürlich auf das Wirken des Geistlichen als Superintendent in Plauen. 2003 wurde er dazu berufen und damit zum Oberhirten von etwa 48.000 Schäfchen, wie Rappenhöner launig feststellte.

Doch sein Wort sollte künftig nicht nur von der Kanzel herab Gewicht haben, den Menschen Kraft und Zuversicht verleihen. Eingedenk der Tatsache, dass seit nunmehr "fünf Jahren die Stadt Plauen im Frühjahr von dem Auftritt einer rechtsnationalen Kameradschaft heimgesucht" wird, gründete Superintendent Bartsch im Herbst 2011 den Runden Tisch für Toleranz, Demokratie und Zivilcourage - aus der Überzeugung heraus, dass nur "ein entschiedenes und vor allem gemeinsames Handeln und Auftreten aller demokratischen Kräfte erfolgreich sein kann im Widerstand gegen Rechts", wie es in der Laudatio heißt.

Seine Erlebnisse und Erfahrungen vor und während der Wende ließen ihn zu der Überzeugung gelangen, dass der am Runden Tisch geführte Dialog auch im Widerstand gegen Neonazismus der richtige Weg sei. Der Autorität seines Amtes, aber auch seiner menschlichen Qualitäten ist zu verdanken, dass unterschiedlichste politische Kräfte ihre konträren Meinungen dem gemeinsamen Ziel unterordneten. Als Gesicht und Stimme des Runden Tisches sei es Bartsch zu verdanken, dass die Öffentlichkeit nicht nur die Neonazis in Plauen wahrnahm, sondern auch den Protest und Widerstand aller demokratischen Kräfte.

Die Stadtplakette werde ihn stets mit Plauen verbinden, sagte Bartsch, der inzwischen wieder als Pfarrer einer Gemeinde bei Riesa tätig ist, in seinen Dankesworten. Möge die Arbeit des Runden Tisches weiter Früchte tragen, gab er den Akteuren mit auf den Weg.

Wilfried Spranger - "e echter Neidorfer"

Hätte ihm jemand gesagt, er werde für Wilfried Spranger einmal die Laudatio halten, er hätte es nicht geglaubt, begann Stefan Schädlich vom Ortschaftsrat Neundorf seine kurzweilige Würdigung des langjährigen Bürgermeister des Ortes und späteren Ortsvorstehers. Nein, Neundorf sei zu DDR-Zeiten, als sich fast die komplette sowjetische Besatzungsmacht in Neundorf konzentrierte, keine beliebte Wohngegend gewesen. Doch schon vor dem Wendeherbst habe man durch Hartnäckigkeit erste Erleichterungen erreicht - Beschwerden bei der Kommandantur in Plauen und sogar dem Hauptquartier in Wünsdorf seien dem vorausgegangen und stets sei Wilfried Spranger der Wortführer gewesen.

Schädlich schilderte humorvoll, wie Spranger auch als "plötzlicher" Bürgermeister in den frühen 90er Jahren "nichts anbrennen" ließ, wenn es galt, Fördertöpfe für "sein" Neundorf zu akquirieren. "Wer schnell war, hatte die besten Chancen." Und Spranger war schnell, vor allem aber auch besonnen. Verstand es, windige Investoren in die Flucht zu schlagen und ernsthafte dorthin zu "lenken", wo es für den Ort am besten war. Spranger und seiner Tatkraft sei es zu danken, dass auch die Eingemeindung letztlich keine Nachteile für Neundorf gebracht habe. Das Sprichwort, wonach de als "Zugeraaster nie e echter Neidorfer werst", sei bei dem mütterlicherseits aus dem Norden stammenden Spranger längst außer Kraft gesetzt, schloss Schädlich seine Laudatio.