Söllner singt von Edeltraud

Bei bestem Wetter füllte sich das Gelände an der Stadtmauer sehr schnell. Voller Vorfreude reisten selbst Söllner-Fans aus Leipzig und Erfurt an. Laut wurde es, als der bayerische Reggae-Querulant die Bühne betrat. Die zahlreichen Fans lauschten anschließend den Wortspielereien des eigenwilligen Liedermachers, der immer wieder kleine Provokationen in seinen Liedern und Geschichten wiedergab. Mit "Edeltraud" inspirierte er die Massen erstmals zum Mitsingen. "Ja Edeltraud, oh Edeltraud, Du hosst ein sa'guats Gros obaut . . . ."

So schallte es laut durch die Altstadt und der Sänger zelebrierte seinen Kampf für die Legalisierung von Mariuhana. Systemkritisch sammelte der 57-jährige auf diese und andere Art in seiner Karriere bereits über 300 000 Euro an Strafgeldern. Niemals müde werdend provozierte und inspirierte der Bad Reichenhaller das vogtländische Publikum und begeisterte. Seine Kritik an System und Politik gab er unverblümt weiter. Das Publikum war von der direkten Art seiner Texte umso begeisterter und feierte den Künstler frenetisch.

Mit seiner Ballade "Hey Staat" brachte der Liedermacher auch den letzten nachdenklichen Zuhörer auf seine Linie. Kontrovers hinterfragt er darin, welche Leistung und Gegenleistung jeder Bürger in diesem Staat einbringt und zurück erhält. Unzufriedenheit verpackte er dabei stets in kurzem Reim. Hans Söllner schiebt dabei seine Brust nach vorn, die Hände in die Hüften gestemmt. Mit seiner wilden Frisur, seinem markanten Kinn, den etwas tief liegenden Augen und den inzwischen furchenartigen Lachfalten gleicht er im diffusen Zeltlicht einem Apachen-Häupting.

Und trifft auch mit seinem Aussehen den Nerv: Schon immer wurden die Aufmüpfigen, die Mutigen bewundert, die sich "was trauen" und "sich nix scheißn" vor der Obrigkeit - wie der Räuber Kneißl. Weil der Vogtländer sich selbst gerne so sieht, als Indianer eben, der es denen da oben (meistens den Preußen) gerne zeigen würde. Sich selbst aber eben nicht traut und am nächsten Morgen wieder brav ins Büro geht und für ein gutes Bruttosozialprodukt schuftet.

An diesem Abend überschritt Hans Söllner die Grenzen des verbalen Angriffs nicht so weit, dass er mit weiteren Klagen rechnen müsste, die ihn schon so viel Geld gekostet haben. Diesmal konzentrierte er sich auf sein Publikum. "Kann i eich auße lassn? Muaß i mir koane Sorgen machen?" fragt er. Und die Menge jubelt. Er kann sich auf das vogtländische Publikum verlassen!

Die Open Air-Bühne am Malzhaus wird am Donnerstag, den 12. Juli, mit Axel Prahl und Das Inselorchester erneut ein außergewöhnliches Vergnügen präsentieren. Am 17. August wird Fiddlers Green den Open Air-Sommer an der Stadtmauer beschließen.