So viel Bauhaus steckt im Vogtland

Funktional, praktisch, schnörkellos, zeitlos schön: Eine Reise durchs Vogtland auf der Suche nach Bauhaus-Architektur hat der Vogtland-Anzeiger unternommen. In den 20-er und 30-er Jahren setzten auch hierzulande dem Bauhaus verbundene Architekten dem Stil der "Neuen Sachlichkeit" und der Klassischen Moderne ein Denkmal.

Von Cornelia Henze

Mit 28 Metern ist der Wasserturm in Reichenbach zwar das höchste in Bauhaus-Tradition errichtete Gebäude im Vogtland - aber nicht das einzige. Besonders fündig werden Bauhausfreunde allerdings in Reichenbach dank modern ausgerichteter Architekten wie Rudolf Ladewig (1893 - 12945), Curt Feiler (1875 - 1932) oder Fritz Löffler. Ladewig, der dem 1907 gegründeten Werkbund angehörte, hinterließ den Reichenbachern neben dem Wasserturm, die katholische Marienkirche, Friedhofs-Trauerhalle, die Textilfachschule und - in den 30er Jahren zu Zeiten der Wohnungsknappheit - mehrere Wohnbauten (Sternsiedlung, Eisenbahnersiedlung). Feiler verdanken wir das markante Haus in der Albertistraße - gebaut für die Frauenklinik Dr. Elke Riedel, das heute als das dem Bauhaus-Stil am nahe kommendsten Gebäude gilt, und in Mylau Vierlings-Wohnhäuser vom "Typ Feiler". Fritz Löffler gelang das futuristisch anmutende Wohnhaus in der Reichenbacher Schlachthofstraße, das heute noch staunen lässt.
Den Namen Fritz Landauer (1883 - 1968) verbinden die Plauener mit dem Architekten, der 1930 der jüdischen Gemeinde ihre Synagoge errichtete. Acht Jahre später wird sie von den Nationalsozialisten in der Reichspogromnacht abgebrannt - und nie wieder aufgebaut. Welches Meisterwerk der Moderne Landauer gelang, können Architekturfreunde heute nur noch anhand des Modells, das ab Mai wieder in der Feierhalle des jüdischen Friedhofes Plauen zu sehen ist, erahnen. In Plauen ist Bauhaus sichtbar heute noch im Schulhausbau (Gewerbeschule) in der Seminarstraße 15, den Wohnhausbauten in der Haußnerstraße (2 bis 6, Planung Georg Wrede) oder in der Jößnitzer Villa in der Beethovenstraße 7 - letztere von Architekt Emil Rösler. Den Namen Rösler bringen Plauener auch mit dem Erbauer des Kaufhaus Tietz, heute als Landratsamt genutz, in Verbindung. Kurgäste in Bad Elster begegnen dem Stil in der lichtdurchfluteten Wandelhalle, gebaut von den Architekten Kramer und Dutzmann. In Rodewisch erinnert das heutige Pestalozzi-Gymnasium an die Zeit der Reformbauten mit einem Hauch Art Deco.

Wie wird Bauhaus gedacht?
Einige Veranstaltungen zu "100 Jahre Bauhaus" stehen bereits fest.  In Reichenbach ist man gleich mit vier Veranstaltungen dabei. Zum Denkmaltag am 8. September bereite die Stadt Plauen mit dem Museumsverein eine Ausstellung zum Motto "Moderne Umbrüche in Kunst und Architektur" vor, heißt es. Derzeit sei man bei der Planung, so Stadtplanerin Birgit Winkler. Auch das Pestalozzi-Gymnasium Rodewisch will sich an dem Tag einbringen und den Reformbau präsentieren.