Skaterhalle Plauen wieder offen?

Plauen - Sie gilt unter den Fahrern und Experten als die kleinste, beste und schönste Skater-Halle Deutschlands: Die Rollkantine Plauen an der Dürerstraße. Selbst aus dem fernen Holland reisten schon Skater bei Events an. Doch die berühmte Adresse ist nach einem Eigentümerwechsel der Immobilie zu. Was ist geschehen?

 

Die jungen Leute aus Plauen, die am liebsten mit vier Rollen auf einem Brett unter den Füßen durch das Leben kurven, ihre Freunde und Fans sind sauer: Ihre wichtigste Adresse, die Skaterhalle "Rollkantine" an der Dürerstraße ist geschlossen. Seitdem die Hausverwaltung des Gebäudes, welches weithin sichtbar den alten Neonreklamenzug "Plauener Spitze" auf dem Dach trägt, mit Bauzäunen und Warnschildern gesperrt hat, rollt kein Brett mehr die Rampen und Minis entlang. Auch in der Chill-Out-Kantine wird nicht mehr gechillt. Was ist los?

 "So eine Scheiße. Nur weil ein einziger Nachbar sich stört, machen die uns platt", hatte Philipp Müller, ein junger Plauener Rollbrettkünstler, erst kürzlich als Redner auf einer Jugenddemo auf dem Plauener Postplatz auf die Situation hingewiesen und eine Vermutung geäußert. Klar werde in der Halle gerollt und Musik gehört, klar kämen und gingen da junge Leute, aber das seien nicht die Massen und von draußen sei es kaum zu hören, so der junge Bursche, den man "Mileks" nennt. Den Misston, der durch einen "Nachbarn" erzeugt worden sein soll, stellt sich bei einer Anfrage des Vogtland-Anzeigers in der Stadtverwaltung als Hinweis besorgter Eltern junger Skater heraus. "Wir haben Nachfragen über die Sicherheitsnormen erhalten, denen wir bei einem Vororttermin mit den Eigentümern und dem Chef der Rollkantine nachgegangen sind" sagt Dr. Ilona Gogsch, Fachbereichsleiterin Bau und Umwelt.

Die Baufälligkeit? "Wir mussten nach dem Eigentümerwechsel das Gebäude sichern lassen, denn die neuen Eigentümer wollen nicht die Haftung bei möglichen Schäden von beispielsweise herabfallender Teilen übernehmen", erläutert Hausverwalter Andreas Leißner das Vorgehen nach der Besichtigung.

"Einige Mängel wurden festgestellt", sagte Gogsch gegenüber dem Vogtland-Anzeiger. So wurde die Fassade als baufällig eingestuft. Im Gebäude befindliche Leuchtkörper sind zumeist ohne Abdeckung, manche Leitungen liegen frei und die Elektrik ist eventuell schadhaft. Zudem sind die Fluchtwege nicht ausreichend gekennzeichnet. Auch ist die Dachentwässerung defekt. "Die baulichen Anlagen sind soweit in Ordnung. Die Deckenkonstruktion aus diversen Platten kann akzeptiert werden und die Zugänge in die oberen Etagen sind verschlossen. Somit ist die Gefahr für die Nutzer der Skateranlage hier nicht gegeben. Auch konnten keine fremden Personen im Haus ausfindig gemacht werden", erläuterte Gogsch das Protokoll.

"Da die Eigentümer persönlich haftbar für Schäden sind, welche vom Gebäude ausgehen, wurde die Halle vorerst von ihnen geschlossen und die Nutzung untersagt. Die Nutzungsuntersagung erfolgte also nicht durch die Bauaufsicht der Stadt Plauen, sondern aus Vorsorgegründen durch den Eigentümer", bestätigt die Fachbereichsleiterin Bau und Umwelt. "Die Hauseigentümer und die Betreiber der Rollkantine sind gerade im Gespräch über die Zukunft des Hauses, einschließlich der Haussicherung", sagt der Immobilienverwalter Leißner.

Am 25. Oktober 2000 begann der Ausbau des ehemaligen Speiseraums des damaligen VEB Plauener Spitze in der Dürerstraße. Mit einem Rampenexperten und zahlreichen Helfern wurde binnen einer Woche "das Skater-Paradies am Mühlgraben" in den Saal gezimmert. Am 31. Oktober 2000 eröffnete die "Rollkantine". 320 Quadratmeter voller Skaterextras von einem so genannten Streetparcours bis zu einer Minirampe wurden zum Skaten freigegeben. Zahlreiche offizielle und inoffizielle Wettbewerbe und Übungsstunden folgten. Die Halle wurde berühmt und zur kleinsten, anspruchsvollsten und schönsten Skatehalle Deutschlands. Damit auch ein Kleinod der Spitzenstadt, die über einige Kleinode der anerkannten Kultur, Lebensart und Produkte, die sich herzeigen lassen, verfügt. Die Adresse Rollkantine gehört jedoch der Subkultur an und die sind rar. Jetzt scheint Plauen um eine ärmer zu werden.

Bis Ende des Jahres noch dürften die Rollkünstler in ihrem Domizil bleiben, sagt Philipp Müller, denn: "Die haben uns die Kündigung geschickt, die neuen Besitzer haben mit dem Haus einfach etwas anderes vor", so der junge Plauener. Die Skater sind mit der Stadtverwaltung und den Eigentümern so verblieben, dass sie diese Woche einige Baumaßnahmen ausführen. "Wir werden beispielsweise ein Sicherungsvordach bauen und die Stromleitungen erneuern, um in die Halle zu dürfen", sagt Müller. Am Freitag soll wieder offen sein, so der Plan der Skater.

 Die Rollbrettkünstler geben sich kämpferisch. Falls das Kapitel Dürerstraße Ende 2010 zu Ende sein soll, werden sie in einem anderen geeigneten Objekt Rampen und Halfpips und Minis einbauen. Sie können viel selbst bewerkstelligen, versichern sie, brauchen aber die Unterstützung aus der Stadtverwaltung, vom Stadtsportbund, von Gönnern und von dem dann neuen Vermieter. Vielleicht gibt es aber doch noch eine Einigung mit den Eignern des jetzigen Gebäudes. "Es ist den Besitzern nicht daran gelegen, dass das beendet ist", sagt auch Verwalter Andreas Leißner. Frank Blenz