"Sind nicht mehr bereit zu zaubern"

Mehr Wertschätzung ihrer ehrenamtlichen Arbeit forderten die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Stadtmitte bei ihrer Jahreshauptversammlung am Freitag.

Plauen Mit einer Schweigeminute ehrten die Anwesenden in der Jugendherberge "Alte Feuerwache" ihren im vergangenen Jahr verstorbenen Kameraden Walter Bauer. Das langjährige Mitglied der Alters- und Ehrenabteilung hatte bis zuletzt das aktuelle Geschehen in der Wehr mit Interesse verfolgt.
Mangelnde Wertschätzung
Die Versammlung selbst war nach den Berichten von Wehrleiter Rocci Pelz und Jugendfeuerwehrwart André Linko vor allem von einer teilweise sehr emotional geführten Diskussion geprägt. Im Mittelpunkt stand die Abmeldung der Wehr aus der Tagesbereitschaft. Diese hatte Wehrleiter Rocci Pelz am 3. Februar vornehmen müssen. Der Grund: Die Freiwillige Feuerwehr Stadtmitte verfügt zwar über 13 Atemschutzgeräteträger. Tagsüber ist die Mehrzahl von ihnen aber nicht verfügbar, weil sie aus beruflichen Gründen ortsabwesend sind. Da die Wehr nach der Berufsfeuerwehr in der Alarm- und Ausrückeordnung weit oben steht, sind Problemlagen vorprogrammiert. "Das ist kein böser Wille. Wir möchten damit auch keine Tür zuschlagen. Aber wir können gegenwärtig tagsüber keinen Sicherungstrupp mehr stellen", beschrieb Wehrleiter Pelz die Situation. Er reagierte damit auch auf den Vorwurf, seine Wehr treibe "gewisse Spielchen". Am Mittwoch hatte es deshalb ein Krisengespräch mit Gemeindewehrleiter Jörg Pöcker und dem zur Jahreshauptversammlung anwesenden Bürgermeister Levente Sarkózy gegeben. "Natürlich werden wir auch weiterhin alarmiert. Aber ich kann nicht garantieren, dass wir jeweils genügend Atemschutzgeräteträger dabei haben", beschrieb Rocci Pelz die Situation und stellte gleichzeitig in Aussicht, dass sich das Problem nach Abschluss des nächsten Lehrgangs für Atemschutzgeräteträger im Frühsommer zumindest entspannen könnte. Aus den Wortmeldungen ging hervor, dass zur gegenwärtig schwierigen Situation wohl auch eine aus Sicht der Kameraden mangelnde Wertschätzung ihrer Arbeit beigetragen hat. "Wir haben viele Jahre lang umverteilt, improvisiert und alles so organisiert, dass es oft gerade noch so ging. Jetzt haben wir gesagt, wir sind nicht mehr bereit zu zaubern", verdeutlichte der stellvertretende Wehrleiter Christian Gäbler.
"Blitzer" in der Kritik
Als ein wesentlicher Stein des Anstoßes wurde die häufige und aus Sicht der Wehr ungerechtfertigte und unangemessene Ahndung von Geschwindigkeitsüberschreitungen der Kameraden auf dem Weg zu Einsätzen benannt. Dieses Problem gibt es erst, seit auf der Dresdener Straße ein stationäres Geschwindigkeitsüberwachungsgerät installiert wurde. "Ich kenne keine Stadt, die einen Blitzer 300 Meter vor der Feuerwache baut", hatte der stellvertretende Wehrleiter Elko Wotzlawek im Vorjahr kritisiert. Der am Freitag zum Löschmeister beförderte Phillipp Meßner schilderte, dass ihm eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung erklärt habe: "Sie brauchen ja nicht ausrücken. Es gibt genügend andere Feuerwehren." Wertschätzung könnte aber auch durch verschiedene andere Dinge ausgedrückt werden. Claus Brieger nannte die Möglichkeit des freien Parkens in verschiedenen Bereichen. In Grußworten dankten die Fraktionsvorsitzenden Jörg Schmidt (CDU) und Sven Gerbeth (FDP) sowie Kai Grünler im Namen der Stadtratsfraktion Die Linke den Kameraden für ihre anspruchsvolle und engagierte Arbeit im vergangenen Jahr. Der stellvertretende Gemeindewehrleiter Mario Wetzstein informierte in angenehm sachlichen Ton über die laufende Erarbeitung des Brandschutzbedarfsplanes und weitere Fachthemen. sge