Simone Rethel-Heesters: "Sag nie, du bist zu alt"

Samstagabend las sie im Fürstensaal von Schloss Voigtsberg aus ihrem 2010 erschienenen Sachbuch "Sag nie, du bist zu alt".

Es sei kein Buch über Heesters, aber einige Erfahrungen aus dem Zusammenleben mit ihm seien eingeflossen. Was zählt? Sind die angeblichIhren Mann, die Schauspiellegende Johannes Heesters hat Simone Rethel im Ölgemälde "Spät nachts" poträtiert. Am Samstag wurde auf Schloss Voigtsberg nach der Buch-Lesung eine Ausstellung mit Malerei der Künstlerin eröffnet. drei großen Triebkräfte Geld, Macht und Sex ausschlaggbend für den Wunsch länger zu leben? Dem habe Heesters den einfachen Satz entgegengesetzt: "Das Leben ist schön."

Was ist Alter? "Der Begriff 'Überalterung' wertet eine Phase des Lebens ab", sagt die Autorin. Alter beginne im Kopf - dann, wenn man keine Lust mehr habe, am Leben teilzunehmen. Johannes Heesters habe mit 106 einen 85-Jährigen als Kind bezeichnet.

Dann erinnerte sie "an den Tag, als Michael Jackson starb". Kann man ihn sich als alten Mann vorstellen? Jackson habe sich gegen den Lauf des Lebens gestemmt - "tragisch, weil so vergeblich".

Auf ihrer Suche im Wörterbuch nach Synonymen für das Verb "altern" stieß Rethel ausnahmslos auf negativ besetzte, "pessimistisch biologisierende" Entsprechungen. Vehement wendet sie sich gegen die penetrante Problemberichterstattung zum Alter, in der sich das negative gesellschaftliche Bild des Älterwerdens manifestiert. Rethel - die Botschafterin der Initiative "Altern in Würde" - protestiert gegen "die Stilllegung des Lebens" und die "Glorifizierung des Ruhestands". Jeder solle die Chance erhalten, lebenslang in einem selbst bestimmten Umfang zu arbeiten und aktiv zu bleiben.

Im Vorraum der Schösserstube zeigte die Autorin eine Auswahl ihrer Fotografien von Johannes Heesters - Falten, Altersflecken, Müdigkeit, aber auch die Eleganz des ewigen Grafen Danilo findet sich bewusst ins Bild gesetzt. "Ein altes Gesicht erzählt Geschichten", heißt es dazu im Buch. Heesters sei als fast Hundertjähriger nach einer Vorstellung von "Lysistrate" von Rolf Hochhuth einmal gefragt worden, warum er sich das noch antue. Der Mime darauf: "Solange ich noch jung bin, warum nicht?" Dem vorwiegend älteren Publikum war offensichtlich aus dem Herzen gesprochen worden.