Seit 55 Jahren auf der Bühne

Der Plauener Gert Heidenreich steht seit 55 Jahren auf der Bühne. Der Musiker frönt bis heute, mittlerweile 71 Jahre jung, seiner Leidenschaft und schaut auf gleich drei Jubiläen.

Von Frank Blenz

Plauen 55 Jahre steht er selbst auf der Bühne, 35 Jahre ist er mit seiner Band Minimax unterwegs und 15 Jahren mit diese eingeschworenen Truppe in unveränderter Besetzung - auf diese drei Jubiläen blickt Gerd in diesem Jahr zurück. "Madlen Müller, Wilfried Eibisch, Sandra Lange und ich sind Minimax seit 15 Jahren - eine wunderbare und bisweilen auch schwierige Zeit", erzählt Gert Heidenreich bei einer Tasse Kaffee in einem gemütlichen Lokal seiner Geburtsstadt über einen Teil seines musikalischen Weges. Heidenreich gibt gern zu, dass sein erlernter Beruf - der eines Musikers - das Beste war, was ihm im Leben passieren konnte.
Er öffnet einen unscheinbaren Hefter, aus dem er verschiedenste alte Utensilien fischt: Zertifikate der Ausbildung, Berufsausweise für Musiker zu DDR-Zeiten und auch diverse Beschlussschreiben von Gerichten aus diesen Jahren, aus denen hervorgeht, dass Heidenreich und seine Musikkollegen mitunter unter Auftrittsverboten und Strafen zu leiden hatten. "Das waren Zeiten. Wir spielten trotzdem und haben uns Geldsanktionen eingefangen, aber wir konnten und wir wollten nicht anders."1964 stand Gert Heidenreich das erste Mal auf der Bühne. "Das war in Bad Elster mit der Combo des Plauener Arbeitervarietes.
Karrierebeginn als
Aushilfsgitarrist

Ich spielte als Aushilfsgitarrist und merkte: Das ist meins, das will ich machen: Musik." Noch als Schüler gründete er eine Band an der Dittesschule, wobei die Beatles die großen Vorbilder waren. "Damals gab es keine Bassgitarren so einfach zu kaufen. Ich habe eine eigene gebastelt und dazu aus einem alten Klavier an der Schule vier dicke Saiten gemaust. Ich sage Ihnen: es hat funktioniert." 1966 nannte sich die Combo "Die Regenten", drei Jahre später wurde Heidenreichs Band "von staatlichen Stellen verboten".
Nach dem Grundwehrdienst bei der Nationalen Volksarmee wurde die Band "Inspiration" genannt. Gert Heidenreich erlernte den Beruf Musiker in Zwickau am Robert Schumann Konservatorium und erlangte den Abschluss mit Berufsausweis. Es folgten viele Jahre im "Showgeschäft" vor allem im Vogtland, aber auch bis "rauf" nach Berlin, jede Menge Tanzabende. Den Plauenern wird die Formation durch Veranstaltungen in Lokalen wie "Comeniusberg" oder "Stadt As" ein Begriff sein.
"Immer sehen, dass man
im Gespräch bleibt"

"Ich blicke auf die vielen Jahre sehr gern zurück, es gibt viele Anekdoten und Stationen, das alles aufzuzählen, das sprengte einen Zeitungsartikel", scherzt Heidenreich. "Minimax" hat er gegründet, fast 30 Musiker hat er im Team gehabt, gute und weniger gute Zeiten erlebt und vor allem landauf, landab immer und stetig Auftritte absolviert, was ihn sogar bis in die USA führte. "Ja, man muss sich kümmern, dass immer genug Konzerttermine anstehen, dass man im Gespräch bleibt, dass die Musik gut einstudiert ist. Wir verstehen uns als eine Art ‚Dienstleister‘ für unser Publikum. Und ja, es ist nicht leichter geworden in diesen Zeiten, wo viel über Disko und Internet läuft", so Heidenreich, der privat und bis heute mitunter auch auf der Bühne sehr gern alte Klassiker hört und spielt: Led Zeppelin, Rolling Stones, Beatles. Neben den beruflichen Gigs bei Tanzabenden, kommerziellen Veranstaltungen und privaten Feiern von Nordrhein-Westfalen, Bayern bis Ostsachsen musiziert Heidenreich noch mit Kirchenmusikern. "Das ist anstrengend, aber es ist herrlich", sagt er, schaut in die Sonne, trinkt seinen Kaffee aus und fügt voller Optimismus an, er auch die nächsten paar Jahre gut gelaunt auftreten werde.