Seife aus Ziegenmilch

Der Frühling naht - und der tierische Nachwuchs auf dem Ziegenhof Meißgeier in Langenbach ist schon da. Wie der Familienbetrieb es schafft, den Betrieb mit der Ziegenkäserei aufrecht zu erhalten und sogar Neues zu wagen. Denn jetzt gibt es eine Ziegenmilch-Seife.

Mühltroff/Langenbach Neugierig recken die Lämmer ihre Köpfe. In Gruppen sind die Thüringer Waldziegen des Langenbacher Ziegenhofes untergebracht. Michael Meißgeier hat den Jungtieren einen neuen Stall an den bestehenden angebaut. "Da kann man mit dem Traktor reinfahren, es ist arbeitstechnisch besser", sagt Annette Meißgeier. Sie hatte vor fast drei Jahren den jungen Leuten - ihrem Sohn und Schwiegertochter Sindy - den Ziegenhof übergeben und freut sich, dass sie weiterführen, was sie vor 20 Jahren begonnen hatte.
An die 120 Lämmchen tummeln sich im "Kindergarten". "Auf zehn warten wir noch", sagt Michael Meißgeier. Die Tragezeit liegt bei fünf Monaten und fünf Tagen. 70 Muttertiere stehen im ebenfalls mit Stroh ausgelegten Stall, Mehrlingsgeburten gibt es dabei oft. Außerdem hat der Betrieb drei leistungsgeprüfte Zuchtböcke. "In der Zeit vor dem Lammen, in November und Dezember, gaben die Ziegen keine Milch. Sie müssen das Kolostrum bilden für die Kleinen", erklärt der Langenbacher. Um auch dann Produkte aus Ziegenmilch anbieten zu können, werden noch gut 20 weibliche Ziegen zusätzlich gehalten, die nicht zugelassen werden. Diese Tiere werden dann nächstes Jahr gedeckt. "Die Leute verstanden nicht, dass wir in dieser Zeit keine Ziegenmilchprodukte hatten", erinnert sich Annette Meißgeier an Jahre zuvor. Deshalb handhabe man es jetzt so, um der Nachfrage gerecht werden zu können.

 


Diese erste Milch der Mutterziegen ist gut für das Immunsystem der Lämmer. Danach erhalten die Zicklein Milchaustauscher, sogenannte Ersatzmilch. Sobald es draußen wärmer wird, dürfen die Tiere raus ins Grüne. Ansonsten bekommen die Zicklein Heu und gequetschten Hafer zu fressen, die ausgewachsenen Tiere Gras- und Maissilage sowie Kraftfutter. Die männlichen Tiere werden geschlachtet oder gezüchtet und verkauft. "Wir selbst kaufen unsere Zuchtböcke von anderen Betrieben zu, wir sind bundesweit vernetzt." Die weiblichen Tiere werden vor allem zur Milcherzeugung gehalten. Die Nachfrage seida. "Auch wenn wir schon andere Preise als im Supermarkt haben." Siegerbetrieb war der Ziegenhof übrigens im Landeswettbewerb "Tiergerechte und umweltverträgliche Haltung 2013/2014 in Sachsen" in der Kategorie Milchziegen.
Für die neuen Käsesorten aus Ziegenmilch ist Sindy Meißgeier zuständig. "Trinkjoghurt mit Erdbeere und Vanille bieten wir im Winter an, nur zu Weihnachten gab es Bratapfelquark", berichtet die junge Frau. Feta, Camembert, Schnitt- und Frischkäse, welcher Käse wird derzeit gerne gekauft? "Camembert mit Thymian geht gut", sagt Sindy Meißgeier.
Den gibt es auch mit Chili, Bärlauch und anderen Gewürzen. Die Langenbacherin freut sich schon aufs Frühjahr. Dann bereitet sie Käse mit jungen Brennnesselblättern zu, die sie selbst in der Natur pflückt. Es ist viel Eigeninitiative des jungen Paares dabei. Nicht umsonst erhielten Sindy und Michael Meißgeier vor zwei Jahren den Innovationspreis Vogtländische Landwirtschaft. Zickelfleisch ist zur bevorstehenden Osterzeit gefragt. In der Langenbacher Fleischerei Sachs lässt man verschiedene Wurstsorten aus Ziegenfleisch herstellen. "Das ist ein Glücksfall für uns", so Annette Meißgeier. Die Produkte seien ebenfalls beliebt bei den Kunden. Neu ist Seife aus Ziegenmilch, die eine Apotheke aus Schleiz herstellt.
"Wir haben viele Stammkunden, vor allem aus dem Plauener Raum, aber auch von weiter her." Außerdem wird auf Wunsch auch Ware verschickt. "Die Kunden bestellen per Telefon oder E-Mail." Das Bewusstsein für Lebensmittel aus der Region sei gestiegen. Die Meißgeiers freuen sich auch, dass ihre Produkte gerne in anderen Hofläden angeboten werden. Etwa in Kloschwitz, Langenwolschendorf oder Plauen.
Wer in den Hofladen kommt, der am Freitag tagsüber und am Samstagvormittag geöffnet ist, dem bietet die Familie auch immer einen Hofrundgang an.
Dass das alljährliche Hoffest auf dem Ziegenhof dieses Jahr gefeiert werden kann, daran glaubt Familie Meißgeier jedoch nicht. Es war schon voriges Jahr ausgefallen. Annette Meißgeier indes spricht aus ihrer Erfahrung, als sie vor zwei Jahrzehnten ihren Betrieb aufbaute und dafür auf den damals leeren Elternhof zurück zog: "Man darf nicht aufgeben, man muss sich als Betrieb etablieren." Und: "Das funktioniert nur, wenn die ganze Familie dahintersteht und das Verständnis dafür da ist." Simone Zeh