Seidel steigt in Küchen ein

Auerbach - "Das waren verrückte Zeiten", blickt Manfred Seidel noch heute fasziniert auf die Wendejahre zurück. Mit harter Arbeit und viel Improvisationsvermögen schaffte der Auerbacher Unternehmer damals die Grundlagen für den heutigen Erfolg seiner Einrichtungshäuser am Stammsitz Auerbach, in Lößnitz und Schwarzenberg. Ein weiteres Kapitel in der mittlerweile fast 150-jährigen Firmengeschichte soll nun ein neuer Küchenmarkt im Chemnitzer Unger-Markt schreiben.

"Man muss die Gelegenheiten nutzen, wenn sie sich bieten. Und in Chemnitz ist das unternehmerische Risiko überschau- und kalkulierbar", erläuterte Seidel den Grund für die Erweiterung. Im Chemnitzer Unger-Park war im abgelaufenen Jahr der Küchen-Mega-Markt in Insolvenz gegangen. Hausgemachte Probleme waren die Ursache.

 

Und da die günstige Lage in Chemnitz/Röhrsdorf auch in Zukunft wieder Erfolge verspricht, nahmen die Vogtländer umgehend Kontakt zum Insolvenzverwalter und der Verwaltung des Chemnitz Center auf. Im Wettbewerb um den neuen Mietvertrag stach Seidel zahlreiche, zum Teil namhafte Bewerber aus. "Unser Konzept war wahrscheinlich das nachhaltigste", erläuterte Seidel die Gründe. Auch passe der neue Küchenmarkt optimal ins Konzept der Auerbacher: Interne Konkurrenz für die bestehenden vier Möbelhäuser werde nicht geschaffen.

  12 Arbeitsplätze entstehen    Das Gegenteil ist der Fall: Neue Kunden werden durch die zentrale Lage angesprochen. Auf 1500 Quadratmetern Ausstellungsfläche sollen deshalb ab Anfang Mai 10 bis 12 neue Angestellte Küchen verkaufen. Die Verwaltung und die Auslieferung erfolgt über Auerbach. Damit steigt die Zahl der Angestellten von Möbel Seidel auf rund 120 Personen. Bevor es jedoch in Chemnitz losgehen kann, sind noch Innenausbauarbeiten notwendig. Eine halbe Million Euro muss Seidel dafür investieren - trotz weltweiter Finanz- und Wirtschaftskrise. "Manchmal muss man atypisch handeln", bestätigt der Unternehmer, der in der vierten Generation das Möbelhaus führt.

Zudem sei die Krise im Möbelhandel noch nicht angekommen: "Im Moment spüren wir noch nichts von den schlechten Zeiten, was jedoch nicht ausschließt, dass es nicht dazu kommen kann. Deshalb muss man immer aufpassen und entsprechend reagieren", erklärt Seidel seine Strategie.

Momentan sei das größere Problem, entsprechend qualifiziertes Personal zu finden. "Gute Verkäufer sind absolute Mangelware", gesteht der Möbelhaus-Chef ein. Sach- und Menschenkenntnis seien wichtige Voraussetzungen. Denn auch in Chemnitz setzt Seidel auf sein bewährtes Konzept. Persönliche Beratung und bessere Planung stehen im Mittelpunkt. "Über das Alleinstellungsmerkmal des Preises auf dem Markt erfolgreich zu sein, ist für uns nicht möglich."

  Der Chef berät auch selbst   Die Kompetenz werde, so Seidel, in seinem Unternehmen groß geschrieben. "Wenn einmal etwas nicht passt, setzte ich mich auch selbst ins Auto und fahre zum Kunden", so Seidel weiter. Dieses Konzept sei in seinen Einrichtungshäusern Tradition und soll auch fortgeführt werden: Das Chemnitzer Haus wird Junior Tino übernehmen. "Küchen sind ohnehin sein Lieblingsthema und da der Mietvertrag in Chemnitz keine umfassendere Produktpalette zulasse, kann er sich nun seine Meriten verdienen", so der Seniorchef.