Sehnsucht nach Gerechtigkeit

Der Liedermacher und Multiinstrumentalist Hans-Eckardt Wenzel begeisterte mit politisch poesievollen Liedern im König Albert Theater.

Von Steffen Adler

Bad Elster Musikalisch virtuos inszeniert mit den Bassgitarristen Hannes Scheffler und Thommy Krawallo spielt Wenzel außerdem Gitarre, Piano und Akkordeon und singt seine selbst geschriebenen Lieder mit unnachahmlicher rauer Stimme. Neben einigen Liebeserklärungen an das Leben präsentierte Wenzel meist politische Lieder, die von Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Zorn über das Unrecht erzählen und zum Nachdenken anregen. Grandios begleiten die poetischen Texte eingängige Rhythmen aus einer facettenreichen musikalischen Mixtur aus Blues und Jazz bis hin zu Rock und Polka. Gesellschaftskritisch und provokativ sind Wenzels Lieder - der bereits im September 1989 einer der Hauptautoren einer Resolution von Künstlern und Liedermachern war, die Veränderungen in der ehemaligen DDR verlangten.
Das dem Konzert titelgebende Lied mit dem universellen Rätsel "Wo liegt das Ende dieser Welt?" seines gleichnamigen neuen Albums macht bewusst, dass es manchmal gar keine Antworten auf viele Fragen gibt. Einst Diktatur und dann eine Zeit heute, wo man "einiges umbenannt hat", gibt dem Poeten noch immer viel Stoff für seine Songs über gesellschaftliche und politische Entwicklungen. "Was ist das Deutscheste was wir haben?" fragt er. "Der November, man schaut hinein und blickt nicht durch" gibt er selbst humorvoll die Antwort und singt dann sein "November Lied", mit Sätzen wie "Dann hau'n wir uns die Taschen voll mit Hoffen und mit Lügen, die Dummheit blüht nach Protokoll im Vaterland, dem trüben." Optimistisch fügt Wenzel anschließend an: "In diesen schwierigen Zeiten müssen wir einfach identischer mit unserer nationalen Kultur werden." Der Musiker, der viel von der Welt gesehen hat und manchmal an ihr schier verzweifeln mag, lässt dann mit Blick auf die schlechten Zeiten sein Lied "Halte dich von den Siegern fern" folgen, in dem er unter anderen singt: "Schulden steigen, Sterne fallen, nur die Hühner legen Eier. Doch vergiss nicht bei dem Allen, auf unserer Fahne hockt ein Geier."
Den Siegern misstrauen und sich mit den Schwachen in der Gesellschaft zu solidarisieren, zieht sich wie ein roter Faden durch viele seiner neuen, wie auch alten Lieder. So zum Beispiel in dem Lied "Überall die gleiche Scheiße" und seinem noch zynischeren Song "Wenn nur diese Fratzen nicht wär'n", die überall ihre Unmenschlichkeit offenbaren wo Not und Elend herrschen und die wundervolle Erde mit Kriegen zerkratzt wird. "Nur der Mond mit seinem Licht, der zerteilt die Erde nicht" singt Wenzel und passend zur Tatsache, dass die Länder der Erde keinem allein gehören außerdem: "Die Erde ist da für dich und mich!" Wie Wenzel erzählt, entstehen viele seiner Lieder auf Reisen in der Ferne. So auch sein Titel "Havanna wartet und schaut auf das Meer" das er in Kuba geschrieben hat, und in dem er metaphorisch in die Zukunft blickt. Wenzel erzählt auch zwischen seinen Songs kleine Geschichten, die meist direkt mit den jeweiligen Liedern verbunden sind. Am Ende gibt er gleich mehrere Zugaben und erntet vor allem für sein "Trinkerlied" mit dem humorvollen Text "Ach wie ist das Leben ungesund, immer einen heben, immer gibt's nen Grund", sowie für sein Lied über die "Zeit der Irren und Idioten" in einer Welt, die scheinbar aus den Fugen geraten ist, stürmischen Applaus von den rund 150 Besuchern.