Sehnsucht nach Freiheit

"Trailer für die nahe Zukunft" - das Schauspiel von Oliver Schmaering, erlebte am Samstag auf der kleinen Bühne des Theaters Plauen seine Uraufführung.

 

Plauen - "Trailer" - nicht der Anhänger, kein Caravan oder Wohnwagen, sondern die Vorschau! "Trailer für die nahe Zukunft", Uraufführung am vergangenen Samstag in der kleinen Bühne des Theaters Plauen, ist die Sicht in die Zukunft dreier Frauen, denen das Hemd zu eng wird, das Karo zu klein, die Sehnsucht nach Leben zu groß. Es treibt sie, auszubrechen aus der Bedeutungslosigkeit ihres Daseins in einem Ort, deren die Welt voll ist. Als Auftragswerk für das Theater Plauen/Zwickau schrieb der 1968 in Berlin geborene, mehrfach preisgekrönte, freie Autor, Oliver Schmaering, dieses Stück.

Ein Drama, dessen Rollen von vielen Menschen gespielt werden könnten, eine Lebensdarstellung, die wir alle in uns wieder erkennen - der Wunsch nach Freiheit, nach finanzieller Unabhängigkeit, nach Ruhm, nach Zufriedenheit und Sorglosigkeit. Die besten des Ensemble - Julia Bardosch, Angelina Häntsch und Else Hennig - waren gut genug und nötig, um das Publikum auf "rückenfreundlichen" Colakisten zu platzieren und eine Stunde und vierzig Minuten pausenlos ausharren zu lassen (Regie: Marie Bues, Bühne/Kostüme: Floor Savelkoul). Franz Schuberts Vertonung von Philipp Schmidt von Lübecks Gedicht "Der Wanderer" diente als Entree in das Spektakel und war das Beste des Abends - und natürlich die grandiosen schauspielerischen Leistungen der drei Damen.

Das Resümee des Liedes "Dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück!" ist der Grundtenor eines Stückes, das sich grell bunt, lärmend, temperamentvoll und wortreich präsentiert. Eingebaute Lebensweisheiten, gelegentliches stilles Psychologisieren und ein wenig Philosophie, also die Ernsthaftigkeit und der tiefe Sinn des Sujets, sind verpackt in Lautstärke und Luftblasen, in Überdruss und ausgekotzte Riesenburger, in das monotone Geräusch einer Tennisbälle spuckenden Wurfmaschine, in Stimmen aus dem Hintergrund und unverständliche Worttiraden.

Drei unterforderte, unzufriedene Frauen folgen mit all ihren Phantasien auf comichafte Weise, mit stereotypen Textwiederholungen, die sie zu "Figuren" degradieren, ihren Visionen in eine Welt, die es nicht gibt und die Frage "Gehen oder bleiben?" bleibt ohne Antwort. "Trailer für die nahe Zukunft", eine Vorschau auf zukünftiges Theater? Vermutlich, die Reaktion des vorwiegend jungen Publikums war "frenetischer Beifall" und damit Fazit genug. Bleibt als Konditionierung vor derartigem Abendamüsement das Glas Sekt im Barraum der Bühne. Doch dieser - inzwischen wenigstens mit Hochtischen und Barhockern bestückt - hat kahle, kalte Wände, Reklame und überdies den pragmatischen Charme eines Getränkemarktes - Stil und Wohlfühlen ist anders...  Ingrid Gregori