Schwimmen will gelernt sein

Ein halbes Jahr geschlossene Schulen und Schwimmbäder bedeutet für Grundschüler auch: Kein Schwimmunterricht. Anfängerkurse bietet deshalb das Plauener Stadtbad während der Ferien an. Alle Kurse sind restlos ausgebucht.

Von Cornelia Henze

Plauen - Die Mutter von Michelle Heinze ist froh, dass ihre Tochter endlich in einen Schwimmkurs hineingerutscht ist. Vor Corona habe der Kindergarten von Michelle, der "Pfiffikus", von sich aus die Kurse im Vorschuljahr angeboten. Kostenlos. Michelles Bruder Manuel lernte auf diese Art das Schwimmen. Schwester Michelle und die anderen Kita-Kinder gingen leer aus. Doch zum Glück sprang die Bäder Plauen GmbH in die Bresche. Erstmals habe man während der Sommerferien unter der Woche von 7 bis 15 Uhr geöffnet, und ebenso Premiere haben die in dieser Zeit angebotenen Schwimmkurse, sagt Bäder Plauen GmbH-Geschäftsführer Ronny Adler.


"Unsere Kurse sind bis September ausgebucht. Wir werden ab September nach Möglichkeit weitere Kurszeiten anbieten", stellt Adler in Aussicht. Elf Jungen und Mädchen vom Vorschulalter bis zum 8. Lebensjahr sind bei Kai Schönbeck in guten Händen. Der hierzulande bestens bekannte Triathlet und im Stadtbad angestellte Objektleiter lehrt den Knirpsen das Schwimmen und Tauchen. Idealerweise sollten die Kinder schon vor dem Kurs das Wasser nicht scheuen und sich trauen, vom Beckenrand ins Wasser zu springen. Zehn Stunden umfasst einer der vier Anfängerkurse in den Ferien. Die Zeit sollte reichen, um am Ende die Seepferdchen-Prüfung abzulegen - das heißt, 25 Meter ohne Schwimmhilfe zu schwimmen, einen Gegenstand vom Beckenboden heraufzutauchen und einmal vom Beckenrand zu springen. Wer mehr Zeit braucht, müsse noch etwas üben und kann die Prüfung später absolvieren. Vor allem die Zweitklässler, die im vorigen Schuljahr um ihren Schwimmunterricht gebracht wurden, profitieren jetzt von den insgesamt 10.000 vom Freistaat ausgegebenen Schwimmgutscheine á 120 Euro. Lediglich mit 10 Euro sind die Eltern daran beteiligt.


Eine gute Sache, aber das reiche nicht, sagt Schwimmmeister Kai Schönbeck. "Besser fände ich es, wenn sich die Lehrer bereit erklärt hätten, ihren Schülern während der Ferien das Schwimmen beizubringen. Aber das macht ja kaum einer." Bund und Ländern Druck gemacht hatte die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG). Aufgrund coronabedingt ausgefallenen Schwimmunterrichts steige die Zahl der Nichtschwimmer und damit die Gefahr des Ertrinkens. Die bisher ergriffenen Maßnahmen gegen das Ertrinken seien nicht ausreichend, so DLRG-Vizepräsident Detlev Mohr.