Schweinepest: Vogtländer proben Ernstfall

Noch ist die Afrikanische Schweinepest nicht in Deutschland angekommen. Aber wenn, dann ist das Vogtland gewappnet.

Oelsnitz - Der Erreger der Schweinepest, ein großes komplexes DNA-Virus, ist auf dem Vormarsch. "Die Lage ist ernst", meinte amk Dienstag Bettina Thoß, die Sachgebietsleiterin für Tierseuchenbekämpfung im Landratsamt. Grund für die Behörde, für den Dienstag und den Mittwoch eine Tierseuchenübung anzuberaumen.

Die Oelsnitzer Außenstelle in der Stephanstraße war am Dienstag das "Lokale Tierseuchenkrisenzentrum" mit "Desinfektionszwang" und einer Laugenwanne hinter dem Eingang. Aus der Schweinemastanlage in Dorfstadt - der Topbetrieb hatte sich freiwillig für die Übung zur Verfügung gestellt - meldete früh 7 Uhr der bestandsbetreuende Tierarzt Veit Müller das Krisenszenario ans Landratsamt mit einer Vielzahl erkrankter und bereits verendeter Schweine. Niemand durfte die Anlage mehr verlassen. Ein Krisenteam der Behörde in Seuchenschutzkleidung nahm Blutproben und transportierte sie zum Labortest in die Landesuntersuchungsanstalt nach Dresden, von wo gegen 18 Uhr der - angenommene - Befund "positiv" eintraf.

Wichtig in dieser Lage, so Thoß, ist es, alle Kontakte festzustellen, mit denen die erkrankten Tiere in Berührung kamen. Dafür werden im Ernstfall auch externe Kräfte wie praktische Tierärzte eingesetzt. Dienstagnachmittag gegen 17 Uhr folgte mit dem Eintreffen des Gefahrengutzuges aus Lengenfeld mit Verstärkung aus Reichenbach der Aufbau einer Dekontaminationsschleuse am Krisenzentrum in der Stephanstraße. Die Dekon-Staffel baute in einer Dreiviertelstunde ein Duschzelt für Personen auf sowie eine Dekon-Wanne für Pkw. Für die Mannschaft war das eine Premiere. Das ließ sich auch Kreisbrandmeister Gerd Pürzel nicht entgehen. Im Plauener Landratsamt traf sich zu gleicher Stunde unter Leitung von Dr. Uwe Drechsel der Verwaltungstab zur Beratung.

Vermutlich 2007 wurde der Erreger der Afrikanischen Schweinepest nach Georgien eingeschleppt und hat sich seither nach Russland ausgebreitet. Ausbrüche der Krankheit sind auch in anderen europäischen Ländern dokumentiert. Seit 1978 dauert eine Epidemie in Sardinien an. Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts, des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit, vermuten, dass das Virus bis August auch in Deutschland auftritt. Bricht die Krankheit aus, müssen alle Tiere eines Bestandes "gekeult" werden, um die Weiterverbreitung zu stoppen. "Eine Behandlung der tödlichen Krankheit gibt es nicht", sagt Frau Thoß. Renate Wöllner