Schweinemastanlage für fast 31 300 Tiere in Thierbach geplant

In Thierbach bei Pausa gibt es die größte Schweinemastanlage des Vogtlands - Platz für gut 9800 Tiere: Sauen, Ferkel und ein paar Eber. Die Anlage soll vergrößert werden - laut Behörden auf fast 31 300 Tiere.

Pausa-Mühltroff/Thierbach - Vergrößerung? Was ist mit dem Gestank? Wohin kommt die Gülle? Wie wird es mit der Verkehrsbelastung? Kann es Probleme geben mit dem holländischen Investor, wie in anderen Teilen Deutschlands, in Sachsen-Anhalt zum Beispiel, und die eine Fernsehsendung gezeigt hat?

Gert Dreyhaupt, Ortsvorsteher des benachbarten Wallengrün, regte in der letzten Ratssitzung eine Bürgerversammlung an. Bürgermeister Jonny Ansorge befürwortete die Idee, wünscht sich ein paar Tage später jedoch einen Betriebsrundgang mit dem Stadtrat. Er wisse, sagt Ansorge, dass die Firma umstritten sei - vor allem in anderen Teilen Ostdeutschlands. "Aber hier bei uns gibt es keinen Ärger. Hoffentlich bleibt es so."

Unklar ist, wann die Landesdirektion Chemnitz (LDC) über die seit mehreren Jahren bekannten Baupläne in der "Sauenhaltung Thierbach GmbH" entscheidet. "Das Verfahren ist in Bearbeitung", sagt Pressesprecher Joachim Eckert: Die Investitionen "im einstelligen Millionenbereich" betreffen Verbindungsbauten und einen neuen Ferkelstall, Anlagen zur Luftreinigung und Gülle-Lagerung sowie eine Biogasanlage zur Vergärung der Gülle.

Und was ist mit dem Autoverkehr? Laut Eckert gibt ein Gutachten 68 Laster- und 10 Pkw-Fahrten für die Zeit zwischen 6 und 22 Uhr, "wobei das taggleiche Auftreten" der Fahrten möglich sei - aber unwahrscheinlich. "In der lautesten Nachtstunde sind maximal ein Lkw und zwei Pkw-Fahrten zu erwarten."

Der Vogtland-Anzeiger erkundigte sich in der Mastanlage. "Zur Zeit halten wir 3000 Zuchtsauen, weil die Stallungen nicht mehr hergeben", sagt Betriebsleiter Bart Goumans, "deshalb streben wir Erweiterung auf 5800 Tiere an". Nur bei Vergrößerung könne man konkurrenzfähig bleiben und sei es wirtschaftlich, moderne Abluftreinigung und eine Biogasanlage zu errichten. Nach der Investition erhöhe sich die Zahl der Beschäftigten - jetzt seien es zehn.

Die Mitarbeiter produzierten gegenwärtig jährlich mehr als 85 000 Läufer, sagt Goumans: Diese jungen Schweine wiegen etwa 27 Kilo und haben einen hohen Fleischanteil. "Vorzugsweise werden sie an bayerische Mastbetriebe verkauft. Und natürlich wird auch die ortsansässige Fleischerei durch uns beliefert", fügt der Landwirt hinzu, der mit seiner Familie seit sechs Jahren in Thierbach wohne und wohlfühle.

Unsere Zeitung sprach auch mit Amtstierarzt Dr. Hans-Georg Möckel: Nach seiner Schätzung gibt es derzeit im Jahresdurchschnitt wohl 15 000 Ferkel und Läufer in der Anlage; demgegenüber sei nur eine Handvoll Eber vorhanden - zum "Heißmachen" der Sauen: Das eigentliche Besamen erfolge künstlich per Menschenhand.

Eigentümer und Investor ist Möckel zufolge einer der größten Schweinezüchter Europas, die Adrian-Straathoff-Holding aus den Niederlanden, die im Norden Deutschlands noch viel, viel größere Ställe betreibt, Anlagen monströsen Ausmaßes.

Der 64-Jährige ist nach eigenem Bekunden ein bisschen verwundert, dass sich kaum ein Thierbacher interessiert gezeigt habe, als die Baupläne der Mastanlagen-Vergrößerung öffentlich in Pausa auslagen.

Thierbachs Ortsvorsteher Dietmar Weißenfeld will den Ball flach halten. Man müsse froh sein, dass es noch Betriebe in dem Ortsteil gebe, sagt er auf Anfrage des Vogtland-Anzeigers. Die Bewohner seien über die Pläne informiert: "Uns wurde das Projekt vor ein paar Jahren vorgestellt." Auch habe es eine Bürgerversammlung im Herbst gegeben, von der er allerdings nichts gewusst habe.

Geruchsbelästigung bei Ostwind gebe es, räumt Weißenfeld ein. "Aber die Luft wird besser, wenn das Projekt realisiert ist. Auch die Belastung durch die Transporte - die Gülle wird dann ja in der Biogasanlage verarbeitet", sagt er.

Service-Link:

www.wdr.de/tv/diestory/sendungsbeitraege/2013/0114/schweine.jsp

Die Straathof Holding GmbH führt in Deutschland nach eigenen Angaben neun Betriebe, die alle im Osten liegen. Vorzugsweise wurden wie in Thierbach Niederlassungen dort eingerichtet, wo sich bereits vorher größere Tierbestände befanden. Das Foto zeigt Stallgebäude in Thierbach. Foto: jpk

Sauenhaltung Thierbach

Die Landesdirektion Chemnitz teilt zur "Sauenhaltung Thierbach GmbH" mit:

Gegenwärtige Tierplätze:

3230 Sauenplätze,

5 Eberplätze,

6576 Ferkelplätze

Geplante Tierplätze (Gesamt):

4455 Sauenplätze,

5 Eberplätze,

999 Plätze für ferkelführende Sauen, 446 Jungsaueneingliederungsplätze, 25 152 Ferkelplätze,

230 Sauenplätze in einem Bewegungsbereich