Schweigeminute bei WsD-Demo

Unter dem Eindruck der Pariser Anschläge hat die Initiative "Wir sind Deutschland" (WsD) am Sonntag eine kurze und eher defensive Demonstration abgehalten. Mit einer Schweigeminute gedachten die rund 2.500 Besucher der Kundgebung den über 130 Opfern.

Plauen - Man habe darüber nachgedacht, die WsD-Demonstration angesichts der furchtbaren Attentate für diese Woche abzusagen, bekannte Demo-Gründer Michael Oheim. Doch auch aus Verantwortung gegenüber den Menschen in Plauen habe man sich dagegen entschieden. Es sei jetzt an der Zeit, einmal nachzudenken, wer denn Europa in dieses Chaos stürze, das in den Pariser Anschlägen gipfelte.

"Das waren unsere Politiker, die in Gefolgschaft der Amerikaner Tod und Verderben über fremde Völker gebracht haben. Lasst uns jetzt zusammenstehen - rechts, links und die Mitte. Lasst uns die Kriegstreiber vor Gericht stellen. Unser System braucht einen Neustart. Drücken wir den Reset-Knopf", forderte er die Besucher unter großem Applaus auf.

WsD-Moderator Gunnar Gemeinhardt, der diesmal eher pietätvoll agierte, warnte die Besucher, jetzt eine blindwütige Gewaltspirale gegen Flüchtlinge in Gang zu setzen. Vielmehr gelte es jetzt, in diesen schweren Stunden für Europa, zu erkennen, dass sich das politische System überholt habe. Statt Rechts- und Linkspopulismus bedürfe es eines schnellen Kurswechsels und "Änderungen in der Regierung unseres Landes".

Ans Mikrofon trat danach Ulrich Lupart, das umtriebige DSU-Enfant terrible aus Oelsnitz. Er geißelte Angela Merkels Kondolenz an die Opfer von Paris ("Wir weinen mit Euch!") als Heuchelei. Ebenso benannte er die CSU-Granden Söder und Seehofer sowie Sachsens Ministerpräsidenten Tillich, die jetzt plötzlich eine radikale Wende in der Flüchtlingspolitik forderten. Erneut sprach er sich für Neuwahlen aus, forderte, umgehend die Grenzen zu schließen, das Schengen-Abkommen auszusetzen, die Bundeswehr zur Grenzsicherung einzusetzen und das Grundrecht auf Asyl abzuschaffen.

Deutlich gemäßigter wurde es danach bei Friedensaktivistin Eva-Maria Pfeifer, die bekannte, stolz auf Plauen und die Demo-Besucher zu sein. Hierher schaue Deutschland. Sie forderte ein, dass die Menschen im Land selbstbewusst und ohne Angst agieren mögen. "Dazu gehört, dass wir den neuen Mitbürgern nahe bringen, dass es bei uns im Land eine Hausordnung gibt - das Grundgesetz nämlich", so die Rodewischerin, die 2014 die Berliner Mahnwachen mitbegründet hatte.

Sie erinnerte daran, dass im syrischen Bürgerkrieg rund 240.000 Menschen genauso erbärmlich gestorben sind, wie die Opfer in Paris. Sie übte Kritik an der Hegemonialpolitik der USA und dem blinden Hass auf Muslime, die überall auf der Welt sagen, dass diese blutigen Anschläge in der französischen Hauptstadt nicht in ihrem Namen erfolgt seien.

Jens Heinritz forderte die Anwesenden auf, sich nicht durch die Anschläge einschüchtern zu lassen. Er warnte davor, alle Flüchtlinge zu potenziellen Terroristen zu erklären. Dennoch könne niemand ausschließen, "dass sich IS und Co. auch in den Flüchtlingsströmen in unser Land einschleichen" würden. Erster zwingender Schritt sei, alle einreisenden Asylsuchenden umgehend zu registrieren.

Die sofortige Beendigung aller Kriegshandlungen unter deutscher Beteiligung forderte er ebenso, wie den Abzug der US-Atomwaffen und den Austritt aus der Nato. "Hören Sie endlich auf, die Töchter und Söhne deutscher Familien in Kriege zu schicken, die nicht ihre sind", rief er Richtung Regierung, die zudem Waffenexporte sofort stoppen solle.

In den nächsten zwei Wochen findet die Demo erneut an der Bahnhofstraße/ Ecke Stresemannstraße statt. Danach werde man für drei Veranstaltungen (6./13./20. Dezember) an die Melanchthonstraße umziehen. Beginn der Veranstaltungen ist jeweils um 16 Uhr.